Moment Mal: Amad Ahmad – zu Unrecht eingesperrt, ignoriert, gestorben

Am 29. September ist Amad Ahmad nach einem Brand in seiner Gefängniszelle an seinen Verletzungen gestorben. Ahmad wurde am 6. Juli verhaftet, weil er von Polizist*innen mit einem gesuchten Vergewaltiger verwechselt wurde. Jedoch erwies sich die Vergewaltigung später als erfunden. Bei der Identitätsfestellung wurde Amad Ahmad wieder verwechselt, diesmal mit einem Verdächtigen aus Hamburg, der zwei Diebstähle begangen haben soll. Ein einfacher Fotoabgleich hätte gezeigt, dass Amad Ahmad nicht der gesuchte Dieb ist.

Am 17. September kam es zu einem Brand in Ahmads Zelle – angeblich in suizidaler Absicht selbstgelegt. Doch noch bevor im Gefängnis der Feueralarm ausgelöst wurde, tätigte Ahmad mithilfe einer Kommunikationsanlage einen letzten Hilferuf. Dieser wurde vom Bediensteten jedoch weggedrückt, so dass Ahmad nur noch mit schweren Verletzungen aus seiner Zelle befreit werden konnte. Diesen erlag er Tage später.

Im Verlauf der Ereignisse stellen sich verschiedene Fragen: Warum arbeitete die Polizei nicht sorgfältig und überprüfte die Identität Amad Ahmads nicht mit einem einfachen Fotoabgleich? Warum wurde Ahmad nicht besonders überwacht, obwohl seine Suizidalität bekannt war? Warum ging der Bedienstete dem Anruf Ahmads nicht nach? Warum wurde der Hilferuf Ahmads von der JVA, in der Ahmad untergebracht war, verschwiegen und kam erst durch einen externen IT-Dienstleister ans Licht?

Bei den letzten Tagen und Wochen Ahmads werden auch einige Parallelen zum Tod Oury Jallohs deutlich. Dieser starb am 07. Januar 2005 in Dessau in einer Gewahrsamszelle. Nach Darstellungen der Polizei soll sich Oury Jalloh, obwohl er an Händen und Füßen gefesselt war, selbst verbrannt haben, indem er die Matratze der Zelle anzündete, obwohl diese einen feuerhemmenden Überzug besaß. Die Darstellung der Polizei wies mehrere Ungereimtheiten auf, mehrere Zeugenaussagen, die der Darstellung widersprachen, wurden während verschiedener Gerichtsverfahren plötzlich und ohne Begründung zurückgezogen und eine Vielzahl Brandgutachten sprechen von einer hohen Unwahrscheinlichkeit, dass Oury Jalloh sich selbst anzünden konnte, sowie dass die Einwirkung Dritter relativ sicher ist.

Diese Parallelen lassen den Tod Amad Ahmads nochmal in einem anderen Licht erscheinen. Zumindest eine genauere Überprüfung sollte stattfinden und die zuständige Polizist*innen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, damit sicher gestellt wird, dass nicht immer mehr Menschen unschuldig ins Gefängnis gesteckt werden, weil die Beamt*innen unverantwortlich handeln. Im Laufe der Ermittlungen zum Tode Ahmads ist außerdem bekannt geworden, dass es weitere Fälle gibt, in denen Menschen mehrere Monate aufgrund von einfach zu entdeckenden Verwechslungen inhaftiert waren. Auffallend ist, dass es sich bei Ahmad, Jalloh und den anderen Menschen immer um Personen handelt, die nicht dem Bild des weißen Deutschen entsprechen.

Meiner Meinung nach wäre es auch wichtig, dass die Kirchen sich in diese Diskussion einschalten würde und die Ermittlungen unterstützen, sowie fordern würde. Jedoch wäre auch die generelle Frage nach dem Sinn und der Wirksamkeit von Gefängnisstrafen ein Punkt an dem die Kirche sich heute einbringen könnte und sollte.

Nicht nur finden wir in der Bibel eine größere Zahl an Erzählungen, die von der Befreiung aus dem Gefängnis handeln, sondern wir finden auch eine andere Art der Gerechtigkeit in der Bibel, als die der Bestrafung von Übeltäter*innen. Im Konzept ‚restorative justice‘ wird das Opfer eines Verbrechen verstärkt in den Blick genommen und nach einer Lösung für den entstandenen Konflikt gesucht, die ein möglichst positives Verhältnis wiederherstellt.
Im Angesicht der bestehenden Probleme in Deutschland wäre dies eine Möglichkeit einen neuen Weg einzuschlagen, der zur Bildung von richtiger Gemeinschaft führen könnte. Eine Gemeinschaft, in der Menschen nicht mehr eingesperrt werden und sterben, weil die Polizei nicht sorgfältig arbeitet; eine Gemeinschaft, die sich nicht mehr entzweit, weil immer mehr Menschen ihren Rassismus und Hass gegen Minderheiten offen ausleben. Es wäre eine Gemeinschaft des Friedens.

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