Moment Mal : Erinnerungsorte Erinnern und Gedenken ist nicht immer leicht

Für jeden Menschen gibt es ganz besondere Orte; Orte, an denen man sich gut fühlt, an denen man gerne etwas erlebt.

Eine besondere Gruppe von Orten, die wahrscheinlich jede*r kennt, sind Erinnerungsorte. Orte und Plätze, die man mit ganz unterschiedlichen Erlebnissen und Erfahrungen verbindet. Auch an Personen denkt man an bestimmten Orten immer wieder. Weil man dort gemeinsam etwas erlebt hat, oder weil man diesen Platz mit einer Person verbindet. Ich glaube jede*r kann Plätze benennen die mit Erinnerungen, positiv wie negativ, verbunden sind.

Neben diesen Orten die man selbst zum Erinnerungsort macht, gibt es auch Orte, die für eine ganze Gruppe einen Erinnerungsort darstellen oder die durch ihre Funktion zum Erinnerungsort werden. In solchen Konstellationen kann das Erinnern natürlich auch schwierig werden, wenn es über das Private hinaus geht. Ein ganz aktuelles, und besonders brisantes Beispiel ist der Gedenkort für die Alte Synagoge in Freiburg. Hier wurde auf dem Platz, an dem sich die, in der Reichspogromnacht zerstörte, Synagoge befand, ein Wassertisch errichtet. Dieser Wassertisch ist nicht besonders hoch, man kann hineintreten und mit den Füßen baden.

Diese Gedenkstätte soll Teil eines größeren NS Dokumentationszentrums werden.  Jetzt gibt es Streit um den Umgang mit diesem „Gedenkort“. Darf ein Ort, an dem sich zudem auch noch die Überreste einer Synagoge im Boden befinden, überhaupt „Gedenkort“ genannt werden, wenn er gleichzeitig als Treffpunkt zum Feiern und zum Baden dient?  Es ist offensichtlich, und fraglich, wie eine Stadtgesellschaft und eine Stadtverwaltung so lange nicht sehen kann, wo das Problem in dieser Art von Gedenkstätte liegt. Ein frei zugängliches Wasserbecken in der Innenstadt wird genutzt werden. In diesem Zusammenhang geht es auch gar nicht darum, ob ein Wasserbecken an sich als Gedenkort geeignet ist. So ist auch in das 9/11 Memorial in New York ein gigantisches Wasserbecken integriert. Jedoch ist die Gesamtkonzeption eben eine komplett andere, das Becken steht im Zusammenhang mit einem großen Museum und die Würde und das Gedenken dieses Ortes erschließt sich sofort. Das ist in Freiburg nicht der Fall, und daher muss das Grundkonzept an diesem Ort überdacht werden.

Der Fall zeigt, das es in Fragen des Erinnerns und Gedenkens nicht damit getan ist einen architektonisch schönen Entwurf zu haben. So ist es auch nicht besonders vorausschauend das Bürger*innenfest zur Eröffnung am Sabbat stattfinden zu lassen.

Gedenken und Erinnern haben immer eine identitätsstiftende Kraft, ganz egal ob es sich um individuelles Erinnern oder um kollektives Erinnern handelt. Es ist immer mit Emotionen verbunden.

Erinnerungen und Erinnerungsorte braucht es in jeder Form der menschlichen Vergesellschaftung.  Auch jede Religion hat ihre eigenen Erinnerungen und ihr eigenes Gedächtnis. Auch das Christentum ist voller solcher Orte und erinnernder Rituale. Es ist jedoch wichtig dieses Erinnern eben nicht nur mit der nötigen Würde, sondern auch mit der nötigen Reflexion zu versehen, privat wie im Kollektiv.

 

 

 

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