Moment Mal: Das göttliche in Allem Es gibt Lebendiges zu entdecken

Das Theologiestudium ermöglicht es mir  immer wieder mit Büchern in Berührung zu kommen, die mir sonst nicht so einfach über den Weg gelaufen wären.  So ist es mir im vergangenen Semester mit dem ziemlich beeindruckenden Wälzer: „Das Heilige im Alltag oder vom Swing der Dinge“, herausgegeben von dem Verleger Axel Matthes gegangen. Das Buch ist eine Sammlung verschiedenartigster Texte, denen  gemein ist, das sie von „Sakralität“ handeln. Das Buch, über das ich für die Uni einen Essay schreiben darf und über das ich in Religionspädagogik gestolpert bin, hat keine Einleitung. Es gibt auch keine Gebrauchsanweisung. Die Texte die Matthes hier versammelt stehen für sich.

Nur ganz am Ende dieses Buches finden sich einige wenige reflektierende Gedanken über diese Dinge. Diese Gedanken überschreibt Matthes mit den Worten:

Alles Lebendige ist heilig. Das Sakrale ist nicht apriori theistisch.

Über diese Aussage musste ich erst einmal nachdenken. Matthes trennt hier Gott von Sakralität. Nur um vorher festzustellen das „Alles Lebendige“ heilig ist. Dieser Satz wirkt auf den ersten Blick schlicht. Da Gott der Schöpfer aller Dinge ist, wird sein Wirken in der Schöpfung sichtbar. Trotz dieser , zu nächst einmal nicht neuen Erkenntnis, lohnt es sich den Gedanken weiter zu verfolgen. Matthes stellt in seinem Buch verschiedene Texte und zum Teil auch Bilder zusammen, in denen er das „Heilige“ identifiziert. Es geht zum Beispiel um Lachen und Weinen, um das Älterwerden, und um das Heilige in den Dingen des Alltags. Diese These lädt uns dazu ein, lebensbejahend zu leben und zu glauben. Lebensbejahend zu sein wird ja oft gleichgesetzt mit „Freude genießen“, „ausufernd leben“ und ist oft negativ besetzt. Die Textsammlung von Matthes zeigt, das zum Leben mehr gehört als laue Abende auf dem Balkon und in der Toskana. Zum Leben gehört auch Krankheit, Schmerz und Leid. Und daher heißt Lebensbejahend leben und glauben eben auch mehr als Feste feiern. Es bedeutet das Leben in allen Momenten anzunehmen, und sich nicht davor zu fürchten. Genau das wird in diesem Buch deutlich herausgearbeitet.

Das interessante an diesem Gedanken ist eben auch der zweite Aspekt des oben zitierten Zitats. Das „Sakrale ist nicht a priori theistisch.“ Mit diesem Satz werden eben auch die Menschen eingeschlossen die nicht an einen Schöpfergott glauben. Ihnen erschließt sich eben auch das Sakrale im Lebendigen.

Das Lebendige ist, auch wenn es laut Matthes nicht a priori theistisch ist, der Ort wo wir als Christ*innen Gott erfahren. Das Lebendige an sich ist natürlich kein physikalisch fassbarer Ort, und das ist es was es so großartig macht. Wir können Gott und Sakralität an den verschiedensten Orten, zu den verschiedensten Zeiten, in den verschiedensten Stimmungen erleben. Diese gedankliche Weite beeindruckt mich. Das Heilige lässt sich nicht einsperren. Nicht in Kirchen Mauern, nicht in Kreisen, aber auch nicht in dem Zwang zwanglos zu sein. Lebensbejahend zu leben und zu glauben bedeutet das Geschenk des Lebens anzunehmen.

Der vorgestellte Band lädt zum Entdecken ein. Zum Entdecken von Geschichten, Gedanken, und Menschen.Und ich finde wir dürfen diese Einladung auch gern nach außen tragen in das Echte Leben. Es gibt viel Lebendiges zu entdecken.

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