Moment Mal: Latinum, Graecum, Hebraicum – Wer braucht das eigentlich?

Das Thema unseres diesjährigen Themenmonates ist das Theologiestudium. Am Anfang eines Theologiestudiums – und vieler Studiengänge, die zumindest einen guten Teil Theologie enthalten – stehen Sprachkurse und -prüfungen: Latinum, Hebraicum und das Graecum. Nicht wenige haben das Glück, dass sie zumindest das Latinum schon zu Schulzeiten erworben haben. Selten gibt es auch einzelne, die sogar zwei Zertifikate besitzen.

Ich war einer der Menschen, die ihr Latinum noch in der Schule gemacht haben und während ich das Hebraicum noch einigermaßen erfolgreich bestanden habe, bin ich an der griechischen Sprache so oft gescheitert, dass ich letztendlich den Studiengang gewechselt habe.

Ich hatte Spaß daran, mich mit allen drei Sprachen zu beschäftigen, aber sind diese Vorgaben noch aktuell? Ist es zum erfolgreichen Abschluss eines Theologiestudiums nötig Platon und Xenophon zu übersetzen gelernt zu haben? Ist es nicht an der Zeit die Vorgaben und Inhalte des Theologiestudiums zu überarbeiten und die Sprachvorlagen zu lockern?

Ich bin gar nicht dagegen, Kenntnisse in allen drei Sprachen zu erlangen. Alle Studierende sollten die Sprachen kennenlernen und befähigt werden, mit Hilfsmitteln wie Wörterbüchern und ähnlichem Übersetzungen überprüfen zu können oder sogar einzelne anzufertigen. Und diejenigen, die sich für die Sprachen interessieren, könnten dann die Prüfungen ablegen.

Meiner Meinung nach geht die Verpflichtung zum Ablegen aller drei Prüfungen an der späteren Lebensrealität von uns Studierenden vorbei und nimmt anderen, wichtigeren Dingen Zeit weg oder verhindert sogar, dass einige das Studium abschließen können.

Immer wieder heißt es, dass in den Kirchen ein Mangel an Pfarrer_innen herrscht. Die Vorgaben bezüglich der drei Sprachen zu lockern, würde bestimmt einigen ermöglichen das Pfarramt zu ergreifen, denen es vorher nicht möglich war. Welchen Nutzen hat es, die drei Prüfungen zu bestehen? Oder ist es vielleicht ein Überbleibsel elitären Habitus vergangener Zeiten?

Anstatt einen Haufen Kurse in Griechisch, Latein und Hebräisch ablegen zu müssen, könnte stattdessen die Möglichkeit gegeben werden, sich mit aktuellen theologischen Texten in englischer Sprache zu beschäftigen, denn ich erlebe, dass die Kenntnisse in englischer Sprache im Durchschnitt nicht so weitreichend sind, dass man sich in Seminaren mit diesen wirklich gewinnbringend beschäftigen kann.

Die Beschäftigung mit internationalen Diskursen, deren Texten nicht immer in deutscher Sprache vorliegen, stelle ich mir gewinnbringender vor, als am Ende des Studiums nachweisen zu können, dass man drei Sprachprüfungen abgelegt hat, dessen Inhalt man vielleicht sogar wieder größtenteils vergessen hat.

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