Moment Mal: Ende der Vorlesungszeit

Nur noch zwei Wochen, dann ist das Ende der Vorlesungszeit: Am 20. Juli. Ich schreibe absichtlich nicht Semesterferien, denn zumindest jede*r Student*in weiß, dass das keine wirklichen Ferien sind, in denen man die Arbeit für die Uni für mehrere Wochen ruhen lassen kann. Wer für eine alte Sprache lernt, muss auch in diesen Wochen Altgriechisch, Hebräisch oder Latein üben, wer eine Hausarbeit schreibt, sitzt in der Bibliothek und diejenigen, die für mündliche Prüfungen lernen, murmeln mit Lernkarten in der Hand vor sich hin. So manche*r absolviert in der vorlesungsfreien Zeit ein Praktikum oder ein mehrtägiges Blockseminar. Das alles kann Spaß machen. Und doch ist es auch mit Arbeit verbunden – und wenn die Zeit drängt, dann ist es oft auch nur ein stures Pauken.

Gute Vorsätze

Das Ende der Vorlesungszeit innerhalb eines Semesters ähnelt der Bilanz über die Neujahrsvorsätze, die man wenige Wochen nach Neujahr, vielleicht so im März oder April, zieht: So mancher guter Vorsatz fand keine dauerhafte Umsetzung. Wo ich zu Beginn des Semesters noch eifrig Vorhaben geschmiedet habe, wie viele Stunden in der Woche ich welchem Fach widme und welche Bücher ich bis wann gelesen haben werde, um stressfrei und gut organisiert durch das Semester zu kommen, steht nun die Erkenntnis, dass es wieder ein Mal anders kam, als geplant. Wenn ich mich bei meinen Kommiliton*innen umhöre, ist es tröstlich zu wissen, dass es auch anderen so geht. Zum Vorlesungsende stehen bei mir noch viele Buchseiten aus, die gelesen, und Wissenslücken, die geschlossen werden wollen.

Anders als bei den guten Neujahrsvorsätzen, die meistens utopisch formuliert werden („Ab jetzt jogge ich drei Mal die Woche“, „Ab sofort esse ich keinen Süßkram mehr“) und die ein stilles, unausgesprochenes „…und das mache ich nun für den Rest meines Lebens so“ in sich tragen, ist der Semester-Arbeitsplan nicht utopisch und sein Ende durch Deadlines wie das Semesterende und Prüfungsordnungen vorgegeben. Das ist vielleicht das Geheimnis, weshalb es so oft dann doch gut geht mit dem Studieren (im Gegensatz zu den utopischen Neujahrsvorätzen): Ein bisschen Druck von außen scheint einen besser ans Ziel zu bringen.

Für alle diejenigen, die sich in diesem Text wiederfinden und ebenfalls eine Art Sommertief erleben, die sich inmitten von Bücherstapeln und schlecht klimatisierter Bibliotheksluft auf Prüfungen vorbereiten und den Lernstoff nachholen, der in den letzten Wochen liegen geblieben ist, möchte ich (Deutero)Jesaja 40,31 zitieren und neue Kraft für die letzten Tage der Vorlesungszeit und die arbeitsreiche „freie Zeit“ danach wünschen:

Die aber auf den Herrn hoffen, empfangen neue Kraft, wie Adlern wachsen ihnen Flügel. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.

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