Moment mal: Wie ist das mit dem Streit?

Streit in der Politik 

Jeden Tag sehe ich es in den Nachrichten: Streit zwischen CDU und CSU, andere Parteien mischen sich natürlich auch noch ein. Streit wegen der Asylpolitik: Ein so heftiger Streit, dass Spaltungen drohen oder schon entstehen. Niemand gibt nach, sei der Boden noch so weich. Es ist ein kindisches „Ich will aber“ -, „Ich will aber“ – Gehabe, das dafür sorgt. Wer denkt denn noch genau nach und erfreut sich der Früchte seiner rationalen Reflektiertheit? Grüne und Linke scheinen momentan die Einzigen zu sein, die noch ein offenes Auge für die Flüchtlinge selbst haben.

 

Lebensstreit

Dieses Phänomen ist bei vielen von uns Menschen zu sehen. Das vehemente Beharren auf unserem Standpunkt gleicht dem Verhalten der Politiker. Ich erkenne die sonnige Wärme des Kompromisses, der Einsicht und des Nachgebens nicht mehr. Habe ich sie nur aus den Augen verloren oder bin sogar blind für sie geworden? Natürlich heisst es immer: „Jeder Mensch bleibt das Kind seiner Eltern“, aber muss man sich auch so benehmen? Ein bisschen Freiraum wäre toll und wichtig, doch sehe ich, dass dieser auf ein Minimum zusammengeschrumpft ist.

Macht ist gut, Macht ist wichtig, Macht ist stark. Aber doch bitte die Macht über sich selbst und nicht die über jede und jeden Anderen. Immer tonangebend sein zu wollen, ist kindisches Verhalten, auf dieser Stufe dauerhaft sein Leben zu fristen, kann doch nicht ohne Schaden ins leuchtende Ziel bringen.

 

Kompromiss wanted

Es ist für viele Menschen schwer, ihre selbstgemachten Werte über den Haufen zu fahren und den Schatten, über den sie nie springen, festzunageln, aber ohne es zu versuchen, wird es auch nichts. Auch ein Kind braucht viele, viele Monate bis es lernt, zu sprechen. Der mächtige Wille zur Bemühung steckt in uns allen, doch sollte er nicht missbraucht, sondern konstruktiv gebraucht werden. Politisch gewendet sehen wir genau das bei Merkel und Seehofer: Sie fetzen sich und niemand ist bereit, vom eigenen Standpunkt abzurücken. Der deutsche Bundestag degradiert zum Sandkasten. Auch bei den Koalitionsverhandlungen kam es zum Bruch, weil Lindner nicht bereit war, Kompromisse einzugehen. Der Starrsinn der Politiker lässt die Schwalbe der Hoffnung gegen die harte, eiskalte Scheibe fliegen. Ich erinnere dabei auch an die große Unwetterkatastrophe in Münster, bei der große Teile der Stadt überflutet wurden. Die damalige Ministerpräsidentin von NRW, Hannelore Kraft, hatte sich geweigert, den Flutopfern finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Schock in den Gesichtern, doch das schlimmste Gesicht war dabei das von Kraft.

Fifty fifty ist nicht nur der Name einer Obdachlosenzeitschrift, sondern auch ein gutes Maß zur Aufeinander-zu-Bewegung bei Kompromissen: jeder Politiker sollte die Pflicht haben, sich zu 50 Prozent auf den Partner zuzubewegen, um nicht das Schaufelchen auf dem Kopf zu spüren oder zu sein.

 

 

 

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