Moment Mal: Leben erleben Der Vorabend des ersten Geburtstags des Kindes
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Mein Sohn steht am Wohnzimmertisch und trommelt. Morgen wird er ein Jahr alt. Es ist faszinierend, dass ein Mensch, der morgen Geburtstag hat,  nichts davon ahnt.  Mir gehen die Tage allerlei Gedanken durch den Kopf.  Ich erinnere mich ganz genau an die aufregende Zeit vor einem Jahr, an die Sorgen und Freude, die ich da so zeitgleich gespürt habe. Ich erinnere mich an das, was wir in diesem gemeinsamen Jahr alles erlebt haben.

Aber es fühlt sich auch ein bisschen komisch an. Die Zeit kommt mir so lange vor. Die ganze Entwicklung, die unser Kind gemacht hat, von einem dauerschlafenden Neugeborenen zu einem stehenden Einjährigen ist schon enorm – und das alles in einem Jahr.

Und jetzt hat er einen eigenen Geburtstagstisch. Leben erleben, das ist das, was man mit so einem kleinen Kind im Laufe seines ersten Lebensjahres mitmacht: Der erste Schritt, das erste Lachen, das erste Mal Spätzle essen.

Es sind viele erste Male, die im Laufe eines ersten Lebensjahres auf  Kinder und Eltern warten, erste Male, die gut sind und gelingen, und erste Males die schief gehen. Ich erlebe ganz unmittelbar, was ihn freut und was ihn ängstigt.

Eltern sein, das ist etwas was für immer bleibt – eine Aufgabe fürs Leben. Nie vergessen werde ich, so vermute ich heute, diesen Gedanken eines Nachts im Krankenhaus als es um alles oder nichts ging: „Dieser kleine Mensch, der bleibt jetzt für immer bei uns.” Das ging mir damals durch den Kopf, dieser kleine Mensch, der hilflos in seinem Klinikbett liegt und auf Hilfe angewiesen ist. Und der ein Jahr später mit Vorliebe unsere Bücher zerfleddert und die Geschirrschublade ausräumt.

Als Eltern überlegt man natürlich viel, was man seinem Kind auf den Weg geben möchte. Welche Wünsche, welche Hoffnungen wir für unser Kind haben. Entschieden haben wir uns für einen sehr knappen Vers, für Matthäus 5,9

Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Das ist der Taufspruch unseres Sohnes, und er ist vielleicht die größte Hoffnung, die man in einen Menschen setzen kann. Dass dieser Mensch ein Friedensstifter sein soll. Das soll nicht überfordernd gemeint sein, ein Friedensstifter muss keinen atomaren Konflikt gelöst haben. Inneren Frieden stiftet mein Sohn mir oft schon, wenn er mich mit seinen zwei Zahnstummeln anschaut und ganz langsam: „Ey….“ sagt. Frieden stiften, das ist eine Lebensaufgabe, aber eben auch ein Lebenszuspruch.

Und wie ich über den Taufspruch meines Kindes grüble, erlebe ich das Leben anders, genauer, andere Dinge fallen mir auf. Aber eben auch ängstlicher und sorgenvoller. Da tut es gut, ihn getauft zu wissen, geborgen in Gottes Hand. Gerade bei diesen sorgenvollen Gedanken macht dieser Taufspruch aus den Seligpreisungen der Bergpredigt umso mehr Sinn. Zu wissen und zu glauben, dass mein Sohn seinen Weg nie alleine geht, egal in welcher Anfechtung. Ob er Hunger hat, oder verfolgt wird, so bleibt Gott doch stets bei ihm. Gerade dort, wo der Bereich unserer Möglichkeiten als Eltern endet, dort wissen wir ihn als Gottes Kind behütet.

Jetzt ist es spät geworden, und ich gehe bald schlafen. Und bin gespannt auf einen neuen Tag Leben erleben. Und frage mich, was das nächste Jahr wohl so bringen mag.

 

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