Wie Schön! Die AGT auf dem Katholikentag 2018 in Münster

„Die Menschen ohne ästhetischen Sinn sind heute unsere Buchstaben-Gläubigen“, so die mahnenden Worte des Münsteraner Kalām-Professors Ahmad Milad Karimi bei einem Podium im Rahmen des Katholikentages in Münster.

Theologisches

Am Samstag besuchten wir den Vortrag von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, Leiter des Zentrums für Islamische Theologie (ZIT), sowie Professor für Islamische Religionspädagogik an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster und Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi, dem stellvertretenden Leiter des ZIT mit Professur für Kalām, Islamische Philosophie und Mystik.

Thema des Vortrags war „Die Ästhetik im Koran“. Die Reihen im Saal waren gut gefüllt von Interessierten, Besucher*innen des Katholikentags und zahlreichen islamischen und christlichen Theologiestudierenden.

Prof. Dr. Karimi startete mit einigen einführenden Gedanken zur Philosophie der Ästhetik und Prof. Dr. Khorchide stellte seine Gedanken zu einer ästhetischen Koran-Hermeneutik vor. Der Anspruch und der Inhalt des Vortrag erinnerte eher an eine Vorlesung, weshalb sich die Methode, Fragen der Zuhörer auf Karteikärtchen zu schreiben, sehr auszahlte.  Losgelöst von der 3-Schrittmethode, den Inhalt aus dem 7. Jahrhundert auf seinen ethischen Gehalt zu überprüfen, um ihn anschließend in das 21. Jahrhundert zu übersetzen, steht Prof. Dr. Khorchide für eine ästhetische Rekonstruktion des Gottesbildes im Koran. Gott habe, wie Karimi später in der Diskussion sagte, keinen Brief geschrieben, den der Mensch einfach lesen sollte, sondern es gehe um die Selbstvergegenwärtigung des Wesens Gottes. Im Koran gehe die Übersinnlichkeit Gottes in Sinnlichkeit über. Die ästhetische Koran-Hermeneutik ziele eben darauf, Gott zu schmecken – mit allen Sinnen.

Profanes

Heutzutage ist es – Gott sei Dank – eine Selbstverständlichkeit, dass christliche, jüdische, muslimische Theolog*innen miteinander im Gespräch sind und selbstverständlich katholische und evangelische Christ*innen einander auf Katholiken- und Kirchentagen besuchen –wir als AGT-Vorstand mittendrin. Was wir dort gemacht haben? Frieden suchen! Und das geht am besten durch Vernetzung.

Das klingt zugegebenermaßen etwas hochtrabend und oft geht es um banalere Fragen: Wann müssen wir am Stand (des Katholisch-Theologischen Fakultätentages, den wir einige Zeit mitbetreuen konnten) sein? Wo sind die Osnabrücker? Welche Fachschaften können wir ansprechen und mit ins Boot holen? Bei welchem Bistum gibt es den besten Wein (Trier scheint übrigens die Nase vorne zu haben)? Neben diesem Trubel auf der Kirchenmeile öffneten hochkarätig besetzte Podien jedoch immer wieder die Perspektive für das große Ganze: Was können wir als Christ*innen bei Diskussionen, wie sie beispielsweise Mouhanad Khorchide und Ahmad Milad Karimi über die koranische Hermeneutik führten, lernen? Zunächst die heilsame Erinnerung an einen – meines Erachtens im Christentum absolut unterschätzten – Zugang zum Glauben, nämlich einen ästhetischen, der das Unbegreifbare immerhin sinnlich begreifbar und doch irgendwie spürbar macht.

Theologisches im Profanen

Gleichzeitig wird, auf einer anderen Ebene, bei einem solchen „Event“ eine Form der Ästhetik spürbar, die aus dem Zusammentreffen so unterschiedlicher Menschen aus verschiedenen Gegenden sichtbar wird. Ob sich dabei, wie der Vorsitzende des Zentralkomitees deutscher Katholiken Sternberg meint, „das junge Gesicht“ der Kirche gezeigt hat, sei dahingestellt – vielleicht eher das „jung gebliebene“. Sicherlich aber wurde die Schönheit des Glaubens erfahrbar. Es ist schön, wenn verschiedene Konfessionen zusammentreffen und diskutieren, es ist schön, miteinander zu beten und zu singen, es ist schön, gemeinsam Frieden zu suchen.

Vielleicht können wir als „Arbeitsgemeinschaft Theologiestudierende“ etwas zur Erfahrbarkeit dieser Ästhetik beitragen, indem wir ein Forum für Austausch und Vernetzung bieten, indem wir immer intensiver mit den Protestanten kooperieren und so der gesellschaftlichen Spaltung und Entfremdung entgegenwirken – und das kann man nur gemeinsam. Es ist interessant, dass der Psalm, aus dem das Leitmotiv des Katholikentages stammt, eindeutig das Volk im Plural anredet. Nur in einem kurzen Abschnitt werden die Hörer im Singular angesprochen: „Suche Frieden“. Das fängt bei jeder*m Einzelnen an, drängt aber auf eine Gemeinschaft Gleichgesinnter hin. Zum zweiten können wir einen Beitrag leisten.

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