Love me, Gender Zur Verleihung des „Goldenen Zaunpfahls"

Ich habe einen Penis. Und weil das so ist, mag ich Dinge, die Leute ohne Penis nicht mögen. Metall zum Beispiel. Alle Männer stehen auf Metall, das weiß jede*r. Frauen mögen andere Dinge, vor allem Blumen. Das suggeriert uns zumindest der Verlag SCM R. Brockhaus, der im vergangenen Jahr eine „Bibel für Männer“ in Metalloptik und eine „Bibel für Frauen“ im rosa Blümchenlook herausgegeben hat. Abgesehen davon, dass die Frage offen bleibt, was Alu-Bodenplatten mit Gesetz und Evangelium zu tun haben, ist das Doppelwerk der überholten Klischees nun für den „Goldenen Zaunpfahl“ nominiert – einem Negativpreis für „absurdes Gendermarketing“. Zu Recht, behaupte ich.

Neben der evangelikalen Übersetzung „Neues Leben“ kommen in der Bibel für Männer zahlreiche Männer zu Wort, die sich zu Männerthemen äußern und das sehr männlich mit Bibeltexten verwursteln. Apropos Wurst: Grilltipps gibt’s natürlich auch. Weil Männer nun mal im Gegensatz zu Frauen zu grillen haben, wie ein ebenfalls nominierter Edeka-Werbespot, ernst zu nehmender Konkurrent im Rennen um den goldenen Zaunpfahl, beweist. Darin heißt es wörtlich: „Doch heut, was ist bloß daraus geworden? Ein Puppenfest, ein Barbie-Q. Was wird dabei nicht alles angericht’: Salat, Brot und noch Dips dazu“. Pfui Teufel, Brot! Brot, das kennt der Christenmann höchstens vom Abendmahl. Wir Männer brauchen dieses ganze Drumherum nicht, wir sind direkt, ruppig und einfach. Genau so ist auch die Bibel für Männer oder wie der Verlag schreibt:„alltagsnah und schnörkellos“. Und „mit der Metall-Optik lässt schon der Umschlag erkennen, was für eine Bibel man in den Händen hält. Eben eine Bibelausgabe für Männer“. Danke dafür! Endlich macht sich mal jemand Gedanken darüber, was Männer mit der Bibel anfangen können. Oder gab es davor eigentlich irgendwelche männlichen Bibelausleger? Ich wüsste keinen. Weil Frauen nach 1.Kor 14,33f natürlich in den Gemeinden zu schweigen haben und von „Männerthemen“ wie Geld und Sport sowieso nichts verstehen, haben sie auch in der Männerbibel nichts zu melden.

Gnädig und gönnerhaft, wie christliche Männer nun mal sind, haben die Frauen aber im Gegenzug ihre eigene Bibel bekommen, in der sie über ihre Frauensachen schnattern dürfen. Da muss dann aber auch mal mit Ulrich Wendel (Mitherausgeber der Bibel für Männer) ein Mann zu Wort kommen, einer muss in dem Hühnerstall ja für Ordnung sorgen.

Wir könnten das alles jetzt auch nicht so schlimm finden und einfach belächeln. Aber diese ganze Einfalt der Gegenüberstellung von Männern und Frauen im Stile Barthianischer Klischeebedienung (Mario, nicht Karl) kann doch zu keinem erstrebenswerten Gemeindeleben führen. Jede*r kann unterschiedliche Zugänge zur Bibel finden, es ist auch nicht grundsätzlich falsch, eher weiblich oder eher männlich konnotierte Themenfelder aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Wir leben aber nicht mehr in den Fünfzigern und sollten langsam mal begriffen haben, dass diese Konnotationen von uns kommen und kein Naturgesetz sind. Kindererziehung ist keine Frauen-, Autofahren keine Männersache. Jede*r hat unterschiedliche Interessen und Bedürfnisse. Und ich mag Blumen auch lieber als Metall. Da hat mein Penis überhaupt nichts mit zu tun. Nachtrag: Der „Goldene Zaunpfahl“ wurde am Donnerstag, 18. April, verliehen. Der „Preis“ ging an den Barbie Experimentierkasten, der nach dem Verständnis seiner Schöpfer*innen technisches und naturwissenschaftliches Interesse bei Mädchen fördern will. Klingt zunächst unproblematisch, bei näherer Betrachtung des rosa Mädchentraums fällt aber auf, wo die Grenze des weiblichen Sachverstands liegt: Kleiderstange, Waschmaschine, Schuhregal – natürlich alles in rosa. Na dann: Herzlichen Glückwunsch!

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.