Moment Mal: Im Garten sitzen Der ultimative Sehnsuchtsort des Menschen

Ich sitze im Garten und schreibe ein Moment Mal. Über Gärten. Wenige Orte sind mit so vielen Assoziationen behaftet wie Gärten. Das Haus mit Garten gilt als das Ziel des bürgerlichen Menschen. Wer es erreicht hat, der hat es geschafft, so das Aufstiegsversprechen der Nachkriegsbundesrepublik. Wer keinen eigenen Garten hat, sucht sich einen Schrebergarten, doch die Bewerber*innenlisten für einen Kleingarten sind sehr lang. Gärten erfreuen sich in den meisten gesellschaftlichen Millieus großer Beliebtheit: Studi-WGs mit Gärten können sich meist vor Anfragen nicht retten und was ist schon ein selbstverwaltetes Haus ohne eigenen Garten? In einem Garten erfreuen sich die Menschen an der Natur und am Draußen-sein.

Wikipedia grenz den Garten vom Park so ab, ein „Garten wird meist privat genutzt“. Ein Garten kann auch etwas trennendes sein. Hat man Gartenmitbenutzung oder nicht? Dürfen die Nachbarskinder im Garten mitspielen? Theodor Fontane hat das in seiner berühmten Ballade: Der Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, festgehalten. Der alte Ribbeck war bei den Kindern der Knechte und im ganzen Dorf beliebt, weil der die Birnen, die sein alter Birnbaum in seinem Garten trug, an die verteilte, die keinen eigenen Garten hatten. Vor allem an die Kinder der „Bauern und Büdner“. Der Sohn des Gutsbesitzers hält dann auch den Garten verwahrt, die Menschen ohne Landbesitz kommen nicht mehr in den Genuss der Früchte aus dem adligen Garten. Aber zum Glück hat der Alte Vorsorge betrieben und sich eine Birne mit ins Grab legen lassen. So wächst auf dem öffentlichen Friedhof ein Birnbaum.

Dieses Gedicht zeigt, welches Privileg ein Garten sein kann. Man kann sich gut vorstellen wie begeistert die Enkel und Urenkel der Büdner von Ribbeck von Schrebergärten und den Häuschen der Gartenstadtbewegung sind. Die Sehnsucht nach einem Stück Land, das man selbstbestimmt bebauen kann ist groß. Früher sicherten die Gärten zu einem gewissen Teil auch die Nahrungsversorgung der Menschen, wer in seinem eigenen Garten Kartoffeln anbauen konnte, war von den Kartoffelpreisen des Marktes unabhängig.

Das Gärten Sehnsuchtsorte sind, konnte man auch gut an der Beliebtheit der Kleingärten in den Ländern des real existierenden Sozialismus sehen. Die Datschen ersetzen für viele die unerschwinglichen oder unmöglichen Reisen in die Ferne.

Wurzeln dieser Sehnsucht lassen sich auch in der Bibel, natürlich im Garten Eden, finden. Wenn Kinder (und nicht nur Kinder) das Paradies malen sollen, so malen sie oft einen Garten. Auch der Garten Eden ist eine planvolle Angelegenheit, und auch der Garten Eden ist ein Sehnsuchtsort.

Und Gott der Herr pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin (…) Und Gott der Herr ließ aufwachsen allerlei Bäume aus der Erde verlockend anzusehen und gut zu essen.  1. Mose 2, 8, 9.

Der Garten Eden ist das, was der irdische Mensch nicht mehr erreichen kann. Diese Sehnsucht spiegelt sich in der Liebe des Menschen zu Gärten. Eine Liebe die Milieu, Länder und Sprachgrenzen überwindet.

Und so sitze auch ich ihm Garten meiner Schwiegermutter, und überlege, wie mein Garten wohl mal aussehen wird.

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