Examens Review Anregungen und Wünsche zum ersten theologisches Examen
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Vorweg folgendes: Nach eineinhalb Jahren lernen, einer wiederholten Prüfung und drei Monaten Examensarbeit habe ich endlich mein 1. Theologisches Examen erhalten. Dieser Artikel soll nun weder ein grundsätzliches Meckern über das Examen und „wie schlimm doch alles ist“, noch ein „alles halb so wild, war dann doch zu schaffen“ werden. Stattdessen ergaben sich in dieser Zeit – neben vielem Lernen – auch viele Gespräche voller Ideen zum und über das erste theologische Examen. Diese sollen hier gesammelt öffentlich gemacht werden, um als Anregung zur aktuell geführten Diskussion zu dienen. Aber nun genug der Vorrede und nun zu den eigentlichen Ideen und Vorschlägen:

Ein paar Ideen und Vorschläge

Zu Beginn muss ich mit einigen Kritikpunkten anzufangen: Die meisten meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen empfinden das Examen als ungerecht. Nicht nur unter den verschiedenen Landeskirchen, sondern auch zwischen verschiedenen Jahrgängen und Prüfungsgruppen fallen eklatante Unterschiede auf. Zum Teil stellte sich das Gefühl ein, die Zuteilung der Prüfenden sei eine Art Glücksspiel, bei dem bereits die „ausgelosten“ Prüfenden über Bestehen oder Durchfallen entschieden. Selbiges liegt meines Erachtens aber eher daran, dass es keinen klar formulierten Erwartungshorizont für die jeweilige Prüfungen gibt. Zwar formulieren einige Prüfende einen solchen und teilen ihn auch in den Vorgesprächen mit, dies ist aber bei weitem nicht die Regel. Dabei ist ein solcher Erwartungshorizont im schulischen Kontext schon lange Standard, u.a. um eine die ganz zu vermeidende Subjektivität der Prüfenden zu minimieren.

Auch ließen sich noch andere didaktische Methoden anwenden, um eine bessere Vergleichbarkeit herzustellen: Beispielsweise sollten Prüfende vor den mündlichen Prüfungen nicht über die Vornoten der Klausuren informiert werden. Mit diesem einfachen Schritt ließe sich der Eindruck vermeiden, dass Prüflingen, die ohnehin schon gute Klausurnoten haben, schneller gute Noten in den mündlichen Prüfungen erhalten, während es bei schlechteren schriftlichen Noten deutlich schwieriger erscheint, diese Leistung durch mündliche Prüfungen auszugleichen.

Aber nicht nur von Schulprüfungen, sondern auch von universitären Prüfungsordnungen ließen sich Aspekte adaptieren. So muss es möglich sein eine universitäre Prüfung zeitnah zu wiederholen. Selbiges sollte auch im Examen ermöglicht werden. Besonders weil das halbe Jahr bis zum Wiederholungstermin – wie ich selber erfahren musste – eher eine zusätzliche Belastung darstellt, als eine Bereicherung durch mehr Lernzeit. Nach diesen konkreten Wünschen sollen im Folgenden noch eine Reihe von allgemeineren Anregungen stehen.

Allgemeine Vorschläge

Ohne an dieser Stelle eine allgemeine Genderdebatte vom Zaun brechen zu wollen, fällt doch merklich auf, dass der Anteil an Prüferinnen verschwindend gering ist. Natürlich ist dies zum Teil in anderen, strukturellen Problemen begründet, dass sich aber in einer Vielzahl von Prüfungsgruppen keine einzige Prüferin findet, ist ein Zustand, der heute kaum noch hinnehmbar ist. Ein konkretes Beispiel: Ich persönlich fand es unangenehm, meine Endnote von einer Gruppe, ausschließlich aus alten weißen Männern bestehend, zu bekommen. Was sich, wie ich von Kommilitoninnen erfahren habe, nur noch potenziert, wenn man eine Frau ist.

Auch wäre es wünschenswert, wenn zumindest einige vorher erbrachte Teilnoten in das erste Examen einfließen würden. Das Wissen um ein sicheres „Notenpolster“ würde das Gefühl und vor allem den Druck, der dadurch entsteht, dass ein Großteil der Endnote nur von wenigen Tagen abhängt, erheblich reduzieren. Nun hängt leider auch an diesem Thema ein „Rattenschwanz“ mit dem Namen Bachelor/Master vs. Examen. (Siehe SETh VV 2017-03 Anhang 14) andere Examina beweisen allerdings, dass es durchaus möglich ist trotzdem ein Examen beizubehalten.

Zu den vergebenen Noten lässt sich außerdem feststellen, dass diese – in dem Rahmen, den ich überblicken kann – im Schnitt mehrerer Notenpunkte unter den im Studium erbrachten Leistungen liegen. Es stellt sich daher die Frage, wie es dazu kommt. Entweder wird im Examen ein höherer Anspruch an die Leistungen der Prüflinge gestellt, oder es ist unter den gegebenen Umständen deutlich schwieriger, an vorherige Leistungen anzuknüpfen. Aber egal was von beidem zutrifft, beides wäre zu ändern, indemdie  Noten transparent angeglichen und vergeben werden. Um nun aber nicht mit diesen grundsätzlichen Anmerkungen zu enden, sollen hier abschließend noch eine Reihe von konkreten Wünschen stehen.

Zum Schluss nochmal konkret gewünscht

So wäre es – trotz des höheren organisatorischen Aufwandes – besser, wenn auch die mündlichen Prüfungen von zwei fachinternen Prüfenden abgenommen werden würden. So ließen sich meiner Ansicht nach relativ einfach Ungerechtigkeiten vermeiden, wie beispielsweise, wenn Prüfende eigene Spezialmeinungen hören wollen. Eine gleichgestellte zusätzliche Prüfperson könnte in diesen Situationen besser intervenieren, als es aktuell die fachfremden Beisitzenden oder die Prüflinge selbst tun können.

Auch sollte der inhaltliche Erwartungshorizont deutlicher dargestellt werden. Momentan wird im Vorfeld zwar immer von Überblickswissen gesprochen, welches für die Klausuren verlangt wird, ein Einblick in korrigierte Klausuren und oder gestellte Themen, zeigt aber sehr schnell, dass die inhaltliche Füllung des Begriffes „Überblickswissen“ sehr stark variiert. Mein Vorschlag wäre hier, eine Liste mit einer überschaubaren Anzahl von Prüfungsthemen zu entwickeln. Und damit meine ich ungefähr zwanzig bis dreißig Themen pro Fach, ähnlich wie es sie für das medizinische Examen gibt. Hierzu würden ebenso ausformulierte Erwartungshorizonte gehören, umzu verdeutlichen, welche konkreten Inhalte im Rahmen der einzelnen Themen erwartet werden, um bestimmte Noten zu erreichen. 

Abschließend möchte ich nun allen Kommilitonen und Kommilitoninnen danken, ohne die dieser Text und die darin verarbeiteten Ideen nicht zustande gekommen wären und verbleibe in der Hoffnung, dass einige davon im Rahmen des Prozesses der Überarbeitung des ersten theologischen Examens gehört und ernst genommen werden. Denn um nun doch die beiden Sätze aufzugreifen, die eich eigentlich vermeiden wollte: Ja, das erste theologische Examen ist dann doch schaffbar – ich habe es ja auch irgendwie geschafft. Das heißt aber nicht, dass daran nicht einiges zu verbessern und nachzubessern wäre.

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