Macht-Wort-Stunde: Die Fabel von Katz und Hund Die Pole Freiheit und Abhängigkeit
Quelle: Privat

1. Die Kontrahenten im Garten

Eines Tages kam es, dass sich die Haustiere zweier Nachbarn trafen; es war im Garten und es war warm, sonnig und trocken. Die Herrchen saßen am Tisch und grillten und genossen den freien Sonntag bei traumhaftem Sommerwetter, doch unter den Haustieren sollte es heftig krachen, als wäre das nächste Sommergewitter mit Hagel, Sturmböen und Starkregen bereits aufgezogen.

 

2. Katzenangriff

„Was bist du doch für ein armes Schwein?!“, polterte die Katze plötzlich los und ließ die Ohren des so im Herzen und Verstand ruhigen Hundes erzittern.

„Welch´ gemeine Worte!“, rief der Hund aus und riss seine Augen auf.

„Sie sind zu Recht“, erwiderte die nun aufstehende Katze.

„Welchen Fehler lastest du mir an? Welche Verfehlungen? Welche Unglücke? Welche Versauerungen meines Seins?“ wollte der Hund wissen und öffnete sein Gemüt für das gleich Kommende.

 

2.1. Die verlorene Freiheit

„Sieh´ dich doch an“, begann die Katze in ihrer ruhigen Art, „du hast deine Freiheit aufgegeben. Sie flatterte einst dahin als Vogel, welcher sein Land verließ und in die Wüste gesteuert wurde, denselben Kummer leidend, wie eine auf einer Autobahn sitzende Schwalbe. Und mit ihr ist deine Einzigartigkeit, deine Individualität, deine Selbst-Macht verschwunden. Du solltest sie suchen; such´ sie in den dunkelsten Verließen, in den schaurigsten Höhlen, in den staubigsten Ecken! Auf dass nicht auch deine Selbstachtung vollständig verwest.“

„Wie kommst du zu sowas, Katze? Du musst gerade reden, wo du deinen Tag damit verbringst, mit Bällen zu spielen“, konterte der nun erhitzte Hund.

„Lieber mit einem Ball spielen als der Spielball von jemandem zu werden“, scherzte die Katze und lächelte wie das heiße Gestirn am Himmel an diesem Tag.

„Worauf willst du hinaus?“, fragte der Hund.

 

2.2. Das Sklave-Werden

„Auf dein Leben, Hund.  Schau doch, du bist zu deinem Herrchen gekommen. Du warst ein freies Tier. Doch die Zeit weichte dich auf… wie Brot durch Wasser. Plötzlich wurdest du ‚erzogen‘: du solltest Stöckchen holen, die Zeitung an den Tisch bringen, bellen, wenn es deinem Herrchen genehm war und wenn du ‚Sitz‘ machtest, bekamst du ein Leckerli. Du bist zu einer Maschine dieses Menschen gemacht worden; du funktionierst. Eisen, Metall und Schalter brauchst du dafür schon gar nicht; es hat auch s funktioniert. Was hast du aus dir gemacht? Wer lebt, der dich so kommandieren kann? Wer darf es wagen?“, kritisierte die Katze.

„Aber das ist doch normal so“, entgegnete der Hund.

 

3. Selbst-Macht als Mittel

„Nein! Gewiss nicht. Hänge dich nicht an ein Seil, das dich erdrosseln wird. Nicht alle Kekse, die lachen, sind Scherzkekse. Nicht jedes Gehirn, das funktioniert, denkt. Kühle dich im Wasser der Freiheit ab und mache nicht das, was andere Hitzköpfe von dir verlangen; merke dir: Wasser schützt vor Hitze. Wasser bringt Leben und Freude, Lebensfreude. Aber seine Eigenheit, seine Individualität an Menschen zu verlieren, ist das genaue Gegenteil davon: weder Leben noch Freude. Macht ist doch nur dann gut, wenn sie über einen Selbst ist; sie ist das Tor in eine freie Welt, sie ist der Schlüssel zur Selbstbestimmung und sie ist der Dünger für noch viel aufwachsende Selbst-Stärke!“

„Also soll ich jetzt alles verweigern?“, staunte der Hund.

 

4. Katzenrat ist teuer

„Ja. Mache es doch so wie ich. Guck mal – und du wirst wissen, warum du so leben solltest, wie wir Katzen: wir Katzen machen alles, was wir wollen und nichts, was wir nicht wollen. Unser Vorrat an Resistenz wird nie aufgebraucht, unsere Selbst-Stärke bekommt keine Risse, egal ob die Kälte der Selbst-Schwäche oder der Druck der Befehle von Menschen darauf einwirkt. Wenn wir schlafen wollen, schlafen wir; kommt dann auf einmal so ein Mensch zu uns und sagt: ‚Steh mal auf!‘, denken wir uns nur ‚Ey du Idiot, lass mich schlafen‘ und bleiben liegen. Wir Katzen werden uns davor hüten, unsere Eigenwilligkeit aufzugeben.  Nichts in der Welt gibt es, was unsere Eigenwilligkeit ersticken, vergiften, vernichten oder nur ansatzweise negativ tangieren könnte. Wir sind Steine, die hart und unkaputtbar sind; wir sind Metall, an dem sich die Menschen die Zähne ausbeißen.  Und das Beste daran ist: dadurch dass wir uns von niemandem etwas sagen lassen, erwartet das auch niemand von uns mehr. Dadurch leben wir im warmen Arm der Freiheit und der Unabhängigkeit. Glück zeichnet die Szenen unseres Daseins, während Unterwürfigkeit und Stress des Eurige zeichnet“, erzählt die Katze und legt sich wieder auf den weichen Rasen.

Katze vs. Hund

5. Kampf dem Selbstaufgeben

„Wir Hunde sind dafür aber nicht gemacht“, schimpft der Hund, während er von seinem Herrchen gerufen wird.

„Dann bleibe eben uneinsichtig. Lass dich verbiegen, tue, was man dir anordnet, stürze an der Wand, die zur Selbst-Stärke und zur bedingungslosen Individualität führt, ab, verbrenne dich an der Hitze der Menschen, die dir Feuer unterm Hintern machen wollen. Aber merke dir: nur wer selbst stark ist und Macht über sich selbst hat, in die kein Mensch eingreift, ist ein richtiges, erfülltes Lebewesen! Das gilt für die Menschen untereinander, aber eben auch für uns Tiere.“

Die Katze schaute dem Hund, der nun zu seinem Herrchen eilte, hinterher und murmelte: „Wann lebst du endlich?“

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