„Christusglaube – Judenhass“ Über eine Tagung der Evangelischen Kirche im Rheinland
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Was für interessante Tage! Vom 19-21. April diesen Jahres fand eine Tagung in Altenkirchen (Westerwald) zum Thema „Christusglaube – Judenhass: Antisemitismus als Herausforderung für Theologie und Kirche“ statt.

Schon die Ankunft war spannend, fuhr man doch ab Au (Sieg) nur durch Wälder, in denen viel Schnee lag. Glücklicherweise versorgte uns die Sonne aber während der gesamten Tagung mit Licht und Wärme.

Dort in der Landjugendakademie angekommen, wurde ich gleich nett empfangen und auch sonst spielten die Menschen auf der Tagung eine große Rolle: Angenehmerweise gab es keinen richtigen Unterschied zwischen Professoren und Studenten, man konnte ganz freundschaftlich miteinander reden und essen; sowas sieht man leider nicht oft! Auch mit den einem bis dahin recht fremden Mitstudenten wusste man den Abend zu füllen.

Die Redner waren alle sehr gut und konnten uns ihre Inhalte eingänglich vermitteln. Auch gab es Vorträge von Juden selbst, wie zum Beispiel Michael Rubinstein, der sehr lebendig erzählte, wie jüdisches Leben heute aussieht. Durche eine Statistik wurde beispielsweise deutlich,  dass um 1990 viele Juden aus Russland nach Deutschland kamen und es deshalb zu einem Mitgliederanstieg in nahezu allen Gemeinden in NRW kam. Da Rubinstein viele Jahre in Duisburg tätig gewesen ist und 2012 auch für die dortige Oberbürgermeisterwahl aufgestellt war, brachte er uns einige Beispiele für von ihm erlebten Antisemitismus mit: so beispielsweise Mails, die in sein Postfach geflattert waren: scheinbar gibt es in Deutschland immer noch genügend Menschen, bei denen es durch den Kopf geistert, dass Juden die Weltherrschaft hätten und alles bestimmen würden. Auch Anfeindungen gab es zu Genüge, sodass Rubinstein unter Polizeischutz stand. Wem platzt da nicht der Kopf?

In einem anderen Vortrag wurden wir an die Judenpogrome herangeführt, die sich im Mittelalter ereignet haben. Es zeigt, dass es immer eine unterschwellige Judenfeindschaft in unserer den Gesellschaft gab.

Die Aufteilung in Workshops war ebenfalls eine tolle Idee, so dass dort jeder, je nach Interesse, ein Thema auswählen konnte: beispielsweise „Judenhass und Judenfurcht in der Antike“, in dem ich war. Hier bekam man einen breiten Einblick in den schon lange vor dem Christentum existierendenAntisemitismus, der  zurück bis ins 5. Jahrhundert vor Christus reicht. Römische Autoren wie Tacitus oder Martial haben in ihren Werken judendiffamierende Passagen und eine Spitze des „Hetzhügels“ ist Apion, der Juden unter anderem kannibalistische Rituale vorwarf. Durch nahezu alle Schriften, die wir behandelt haben, zieht sich aber, dass Juden immer als das vertriebene und fremde Volk angesehen wurden, welches einen großen Graben zwischen sich und allen anderen Völkern gezogen hat.

Nächstes Jahr wird am gleichen Ort wieder eine Tagung stattfinden, allerdings wohl mit einem anderen Thema. Dennoch kann ich die Teilnahme schon jetzt sehr empfehlen!

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