20. Dezember Die Verheißung

Dass der Advent seinen Namen vom lateinischen Wort adventus hat, ist kein großes Geheimnis, dass es übersetzt Ankunft bedeutet auch nicht. Trotzdem hat es Jahr für Jahr etwas faszinierendes: Tag für Tag und Türchen für Türchen, Sonntag für Sonntag und Kerze für Kerze warten auf das, was da kommt. Auf das Versprechen, das in der Nacht des 24. Dezembers gefeiert wird, den Gott, der ganz klein, menschlich und Teil der konkreten Geschichte wird – ohne irgendetwas aufzugeben.

Vier Tage liegen noch zwischen uns und dem großen Fest, vier Tage, die den letzten Minuten bevor der Zug kommt ähneln und den Sekunden vor dem Aussprechen eines wichtigen Satzes. Die letzte Etappe, in der die Ungeduld schon stechend wird und das neugierige Warten ins nervös auf dem Stuhl Herumrutschen abdriftet. Vier Tage Endspurt, vier Tage Geduldsprobe, bis es soweit ist und das Versprechen der Ankunft eingelöst wird. So romantisch und vielversprechend es jedes Jahr aufs Neue klingt, nach Weihnachten geht es doch wieder weiter. Pragmatisch gesehen ein bisschen vollgegessener und entspannter, aber es geht doch weiter: Silvester, Neujahr und zurück in den Alltag. An den Platz der Vorfreude rückt wieder der Normalzustand, es wartet nicht mehr hinter jedem Tag ein Türchen und bis zum nächsten Fest ist es noch lange hin. Fast ein bisschen sysiphushaft, denn wo bleibt das/die/der Angekommene danach? Verräumt mit den Christbaumkugeln, aufgegessen mit den letzten Schokoladenresten und gegen 2€ Pfand am Glühweinstand zurückgegeben bis zum nächsten Advent, in dem es dann wieder heißt: Weiter warten, weiter unterwegs sein – Auf ein Neues?

Ja und Nein. Ja, denn es geht weiter und ja, es wird auch wieder Alltag sein. Nein, denn das, auf was wir gerade warten, kommt und löst etwas ein, verwandelt – auch über die Feiertage hinaus. Ohne das erwartungsvolle Herumrutschen, aktiv und manchmal ungeduldig werden geht es doch nicht, wie kämen wir sonst vom Fleck und der Verheißung entgegen?
Oder um mir die Worte Alfred Delps, eines 1945 von den Nationalsozialisten hingerichteten Jesuiten zu sagen:

Lasst uns wandern und fahren, lasst uns die Straßen und Schrecken des Lebens nicht scheuen und fürchten: in uns ist ein Neues geworden; und wir wollen nicht müde werden, dem Stern der Verheißung zu glauben und den singenden Engeln ihr Gloria zuzugestehen, wenn auch manchmal unter Tränen. Es wurde doch unsere Not gewendet, weil wir ihr überlegen geworden sind. 


(Alfred Delp, Mit gefesselten Händen. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis. Freiburg, 2007)

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