14. Dezember Zur Krippe her kommet...

Als kleiner Junge „zerrte“ mich meine Mutter immer auf den Weihnachtsmarkt nach Chemnitz. Zugegeben, mit fünf Jahren freute ich mich mehr auf die Zuckerwatte, als auf das, was im Anschluss folgte: Den Besuch der Krippenausstellung in der Jakobikirche.

Damals war die Kirche fast ein reiner Lagerraum, ein Erbe der DDR. Ich erinnere mich noch an die Enge in diesem Raum: dicht an dicht standen die Weihnachtskrippen herum. Manche waren zweihundert Jahre alt, andere erst angefertigt von Schnitzvereinen. Die Menschen selbst warfen interessierte Blicke auf die Kunstwerke, verharrten vielleicht einige Minuten, bevor sie stillschweigend weitergingen. Jahr für Jahr dasselbe. Irgendwann ging meine Mutter nicht mehr mit, sie hatte andere Sorgen. Doch mich zog es jedes Jahr wieder in dieses Kirchgebäude, das langsam aber stetig restauriert wurde. Und auch die Krippen wechselten sich – teilweise – ab.

Plastischen Krippendarstellungen wie diese finden sich spätestens seit dem Mittelalter, damals noch als lebensgroß geschnitzte Figuren. Oft wurde aber auch geschauspielert, um die Krippenszene möglichst echt darzustellen. Josef und Maria standen dann vor dem Kirchenaltar, in der Mitte ein lebensechtes Baby. Ab dem 18. Jahrhundert verkleinerten sich die Holzkrippen, wenig später standen sie bereits in den meisten Haushalten. Im Erzgebirge hatte dies mit dem Ende des Bergbaus zu tun: Die Bergmänner begannen, zuhause die allseits bekannten Schwibbögen, später auch Haushaltskrippen, zu schnitzen. Anfangs taten sie dies lediglich, um sich etwas Zubrot zu verdienen, später hauptberuflich. Bis heute finden sich auf den Weihnachtsmärkten Stände, die Krippen und „Erzgebirgische“ Holzkunst verkaufen.

Auch in meinem kleinen WG-Zimmer steht eine geschnitzte Krippe. Warum? Ich kenne es nicht anders, es ist Tradition. Ähnlich wie die Ausstellung in der Stadtkirche von Chemnitz. Der kleine Lagerraum ist inzwischen völlig freigeräumt, das Gebäude fast vollständig intakt. Lediglich der Sandsteinaltar fehlt noch, der soll nächstes Jahr aufgebaut werden.

Nicht nur der „kleine Junge“ ist groß geworden, auch der Kirchraum vergrößert sich wieder.

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