13. Dezember Erwartung im Singular

Die Adventszeit ist eine Zeit der Erwartungen. Es wird erwartet, dass festlich geschmückt wird, ein Adventskranz muss her, Kerzenschein und am besten selbstgebackene Plätzchen. Es wird erwartet, dass ich zu den Weihnachtsfeiern gehe, die so anstehen, und auf dem Weihnachtsmarkt war ich doch bestimmt auch schon, oder?! Es wird erwartet, dass ich mir Gedanken um meine Lieben mache, wenn schon nicht in Form von Geschenken, dann doch immerhin so, dass ich an sie denke, sie besuche, ihnen vielleicht eine Karte schreibe – am besten natürlich mit der Hand. Es wird erwartet, dass dabei alles noch möglichst besinnlich ist. Aber gleichzeitig wird irgendwie erwartet, dass sich alle darüber beklagen, dass die Besinnlichkeit in all diesem Stress so unter geht.

Die Erwartungen, die es in meinem christlichen Kontext zur Advents- und Weihnachtszeit gibt, sind groß – nicht immer explizit, aber doch da. Ich schaffe es nicht, allen Erwartungen gerecht zu werden. Das will ich auch nicht und vor allem: das ist nicht schlimm. Den meisten geht es doch genau wie mir. In dieser Adventszeit möchte ich die Dinge in meinem Tempo angehen, mich frei machen von den Erwartungen anderer und auch mit meinen eigenen Erwartungen an mich selbst ein bisschen lockerer umgehen. Das klappt mal mehr, mal weniger. Vor allem möchte ich eines: Den Advent wieder zu einer Zeit der Erwartung im Singular zu machen. Ich möchte warten auf das Kind in der Krippe, auf Gott selbst, der in Jesus Christus Mensch wird. Ich möchte darauf warten, zu feiern, dass er in die Welt kommt und etwas Neues beginnt, eine große Freude, ein lautes „Fürchte dich nicht“. Am Anfang zaghaft, klein und scheinbar unbedeutend. Und doch eine Geschichte, die die Menschen auch nach 2000 Jahren noch berührt und anspricht.

Die Erwartung Gottes in dieser Welt – das ist es, was mir im Advent wichtig ist. Alles andere tritt in den Hintergrund. Es steht fest, selbst wenn ich alle ausgesprochenen und unausgesprochenen Erwartungen an mich nicht erfülle: Gott hat meine Erwartung schon mehr als  erfüllt. Angesichts dessen schmücke ich gerne die Wohnung und lasse das Kerzenlicht seinen Schein in die Dunkelheit tragen – nicht weil es erwartet wird, sondern als Zeichen der Hoffnung und der Freude.

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