9. Dezember Die Adventsbotschaft van Goghs

In der Weihnachtszeit begegnen mir viele Motive. Engel, Tannen, rote Mützen oder Rentiere. Drei Motive gefallen mir besonders gut.

Das Licht in Form einer Kerze. Die Kerze als Motiv der Hoffnung. Das Licht des Sterns. Über Betlehem sollte er den drei Weisen den Weg leiten. Und die Dunkelheit. Nur in die Dunkelheit hinein leuchtet der Stern oder das Licht der Kerze so magisch und wundervoll. Nur in der Nacht sind die Sterne zu sehen.

Diese drei Motive begleiten mich durch die Adventszeit. Der Kontrast zwischen dunkel und hell gefällt mir so gut, weil sie eigentlich keine Gegensätze bilden, sondern das eine erst durch das andere seine Wirkung entfaltet.

Sternennacht über der Rhone, 1888, Paris, Musée d ´Orsay

Mit seinem Werk „Sternennacht über der Rhone“ hat der niederländische Künstler und Pfarrerssohn Vincent van Gogh den nächtlichen Sternenhimmel über Arles abgebildet und genau diese magische Wechselseitigkeit zwischen Hell und Dunkel umgesetzt. Das Bild ist im September 1888 entstanden, wenige Monate nachdem van Gogh von Paris nach Arles gezogen war. In Arles suchte der von psychischen Problemen geplagte Künstler Ruhe. Wie gut ihm das gelang und wie viel Hoffnung er in diesem Neuanfang sah, lässt sich aus seinen zahlreichen, mit Licht und warmen Farben durchfluteten Bildern erkennen, die in dieser Zeit entstanden. Die Werke „Caféterasse bei Nacht“, „Blühender Obstgarten“ oder auch „Das Schlafzimmer“, die wegen ihrer harmonischen Farben und Lebendigkeit beliebte Postkartenmotive sind, zeugen von dem hoffnungsvollen Licht, das Vincent van Gogh durch diese Zeit trug.

In Arles mietet er eine Wohnung, um sich seinen Traum zu verwirklichen: Er wollte ein Gemeinschaftsatelier gründen und mit anderen Künstlern leben und arbeiten. Im September bezog er die Wohnung, im Oktober folgte der Zuzug seines ersten und einzigen Mitbewohners: Paul Gauguin.

Die Künstlergemeinschaft scheiterte bereits nach zwei Monaten. In einem Streit bedroht der von Wahnvorstellungen geplagte van Gogh seinen Künstlerfreund mit einem Messer. Nachdem dieser flieht, verletzt sich van Gogh selbst und schneidet sich sein linkes Ohr ab.

Das passiert am 23.12.1888, am Abend vor Weihnachten. Nach Monaten der Hoffnung, des Lichts und des freudigen Erwartens auf eine schöne Zeit.

Zwei Wochen ist van Gogh im Krankenhaus, wenig später begibt sich er sich wegen Halluzinationen und Schlafstörungen in Behandlung. Er versucht sich zu rehabilitieren, doch schließlich weist er sich freiwillig in die Psychiatrie ein. Sein weiterer Lebensweg ist kurz und tragisch. Ein Jahr lebt er in der Nervenklinik, ein weiteres halbes Jahr in einem Dorf nahe Paris. Im Sommer 1890 stirbt van Gogh durch Suizid.

Was hat diese tragische Geschichte denn nun mit der hoffnungsvollen Adventszeit zu tun? Weshalb muss ich gerade zu dieser hoffnungsvoll-weihnachtlichen Zeit an Vincent van Gogh und dieses dunkle Kapitel seines Lebens denken?

Noch im Dezember malt van Gogh unmittelbar unter dem Eindruck des Streits Gauguins leeren Stuhl. Die Farben sind kühl. Wo eigentlich sein Mitbewohner sitzen sollte, mit dem er sich seinen Wunsch einer Künstlergemeinschaft erfüllen wollte, ist nun ein leerer Platz. In einem Brief an den Kunstkritiker Albert Aurier schreibt Vincent van Gogh: „Einige Tage vor unserer Trennung, als die Krankheit mich zwang, in eine Heilanstalt zu gehen, habe ich versucht, seinen leeren Platz zu malen“.

Öl auf Leinwand, Amsterdam, Van Gogh Museum

Auf dem grünen Strohsitz des Stuhls steht eine brennende Kerze. Links oben im Bild ist eine hell leuchtende Öllampe zu sehen.

Genau das ist es, was mich so rührt. Dass auf diesem Abbild schwerer, dunkler Zeit keine Leere ist, sondern dass dort eine Kerze und die Hoffnung brennt.

 

 

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