Moment Mal: Vom Danken und Loben

Mein Bruder ist kein sonderlich frommer Kirchengänger und ich bin es meistens auch nicht. Einen Gottesdienst brauchen wir nicht jeden Sonntag. Als wir letztens darüber sprachen, kritisierte er besonders einen Aspekt, der ihm im Gottesdienst missfällt: Das ständige Loben und Danken. Für alles wird gedankt, man soll dankbar sein, es wird gelobt und man soll loben. Aber warum eigentlich?

Da fiel mir direkt ein Spruch ein, den ich als Jugendliche in einem christlichen Buch für junge Menschen gelesen habe – es gehörte eigentlich meinem Bruder, der es als Teenie geschenkt bekommen hatte – vielleicht hat es auch ihn in seiner Wahrnehmung beeinflusst. In dem Buch steht neben Gedichten, Geschichten und klugen Sprüchen auch eine Anmerkung zum Halleluja: „Glotzt nicht beim Loben immer nach oben. Schaut mal zur Seite. Dann seht ihr die Pleite.“

Ich konnte mich schon als Kind über diesen Spruch erheitern und manchmal muss ich an ihn denken, wenn ich im Gottesdienst das Halleluja mitsinge.

Gott und seine Taten zu loben ist die eine Sache, die von Menschen gemachten und erlittenen „Pleiten“ zu sehen die andere. Aber wie ist dieser Zwiespalt zu lösen? Einerseits loben wir Gottes Schöpfung, andererseits berichten die Zeitungen von einer gescheiterten Klimakonferenz, von sexueller Belästigung und Bürgerkriegen.

Also lieber doch nicht loben? Lieber eine politisch-kritische Predigt, Klagegesang und stilles Gebet, solange noch links und rechts von uns Pleiten zu sehen sind?

Oder vielleicht doch lieber öfter eine Mut machende Predigt, motivierender Gesang, Orgelspiel, und ja, das Loben und Preisen von Gott und seinen Taten, die uns antreiben und beflügeln. Damit wir nach dem Gottesdienst nach links und rechts blicken und die  Pleiten mit frischem Elan angehen. Damit uns nicht der Treibstoff ausgeht, der doch angesichts der Meldungen in den Nachrichten so nötig ist.

Vor einiger Zeit las ich im Internet, dass man allein dadurch seine Stimmung heben kann, indem man sich im Spiegel selber anlächelt. So einfach funktioniert das Gehirn. Vermutlich ist es ähnlich mit dem Danken und Loben: Es hebt die Stimmung und lenkt die Wahrnehmung auf etwas schönes. Und genau das kann nicht schaden, wenn man sich all den Pleiten zuwenden möchte oder muss.

Meinem Bruder also sage ich: „Du musst nicht unbedingt in den Gottesdienst gehen, aber zu danken und zu loben, das versuche trotzdem mal. Es hilft!“

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