Kirchen und Politik Themenmonat im August 2017
Bundestag: Heye Jensen – Augsburger Dom: Christine Fuhrmannek

Unser Themenmonat im August 2017 widmet sich der Frage, inwieweit Kirchen und Politik zusammen agieren dürfen, sollten, müssen. Dürfen sich Kirchen politisch äußern, ja müssen sie es sogar? Und darf sich Politik in die Geschäfte und gar in die Verkündigung der Kirchen einmischen?

Es ist dabei schwierig sich auf die Geschichte zu beziehen. Zum einen gibt es die positiven Erfahrungen, in denen der politische Kampf aus den Reihen der Kirchen heraus, sei es Martin Luther King oder Dietrich Bonhoeffer, für mehr Gerechtigkeit in der Welt sorgte. Zum anderen zeugt sie aber auch von Negativem, als eine zu enge Verknüpfung von Kirchen und Politik zu Verbrechen an der Menschheit führten.

Zugegeben, bei diesen Beispielen handelt es sich um sehr junge Geschichte. Dabei zieht sich das Thema durch die Jahrhunderte. Schon Augustin beabsichtigte mit seiner Schrift De civitate Dei eine christliche Anleitung der politischen Ordnung. Und auch Luther trennt mitnichten eine weltliche von einer geistlichen Macht, sondern legt zwei Formen dar, mit denen Gott die Welt regiert, wobei er für jedes Regiment verschiedene Aufgaben nennt und klar definiert, dass beide Regimente nicht voneinander zu trennen sind:

Deshalb muß man diese beiden Regimente mit Fleiß voneinander scheiden und beides bleiben lassen: eines, das fromm macht, das andere, das äußerlich Frieden schaffe und bösen Werken wehret. Keines ist ohne das andere genug in der Welt. Denn ohne Christi geistliches Regiment kann niemand vor Gott fromm werden durchs weltliche Regiment. Ebenso er-streckt sich Christi Regiment nicht über alle Menschen, sondern allezeit sind der Christen am wenigsten, und sind sie mitten unter den Unchristen. Wo nun weltlich Regiment oder Gesetz allein regiert, da muß eitel Heuchelei sein, wenns auch gleich Gottes Gebote selbst wären. Denn ohne den heiligen Geist im Herzen wird niemand recht fromm, er tue so feine Werke wie er kann.20 Wo aber das geistliche Regiment allein über Land und Leute regiert, da wird der Bosheit der Zaum los und aller Büberei Raum gegeben, denn die ganze Welt kanns nicht annehmen noch verstehen.
[Martin Luther: Von weltlicher Obrigkeit, wie weit man ihr Gehorsam schuldig sei (1523). Martin Luther: Gesammelte Werke, S. 4361f.
(vgl. Luther-W Bd. 7, S. 16-17) (c) Vandenhoeck und Ruprecht]

Seltsamerweise berufen sich die meisten Stimmen, die eine Trennung von Kirchen und Politik verlangen auf genau diese Schrift, wenn es gerade wieder um diese Fragen geht — inwieweit dürfen Kirchen politisch sein, inwieweit darf Politik kirchlich sein?

Diese Stimmen wurden speziell ab der Zeit der Aufklärung laut und leiteten die Säkularisierung ein, die in verschiedenen Ländern zu verschiedenen Ergebnissen führte. Während die Trennung von Kirche und Staat in Frankreich im Rahmen der Revolution vollzogen wurde und dort heute ein Laizismus gelebt wird, kam es in Deutschland erst durch die Weimarer Verfassung zur Trennung von Staat und Kirche.

Aber wir wollen nicht nur Europa und speziell auch nicht nur das Christentum betrachten. Es heißt nicht ohne Grund KircheN und Politik. Wie ist es in Ländern, in denen noch eine Staatsreligion herrscht, oder in Ländern, die im Staatsatheismus leben? Auch ein Blick in die Türkei unter diesem Aspekt dürfte doch mal spannend sein.

In diesem Monat erwarten uns Interviews mit politisch aktiven Studierenden und auch mit Dr. Antje Schrupp. Wir lassen unser Ressort Lesenswert mal wieder etwas aufleben, und schauen uns im Web um, wie sich andere zu den Fragen äußern, oder auch wie das Verhältnis hier in Deutschland und in anderen Ländern ist. Die Moment mals widmen sich dem Thema, wie schon das von Daniel gestern. Und wir bewegen uns auch etwas im kirchenpolitischen Raum mit einem ausführlichen Bericht zur Ökumene in drei Teilen.

Wir erwarten gespannt, was sich zu dem Thema alles sagen und schreiben lässt und freuen uns wieder über rege Mitarbeit, sei es durch selbst schreiben, kommentieren, oder teilen. Macht doch gerne mit! Reicht eure Gastbeiträge ein oder werdet Teil des Autorenteams und äußert euch zu dem Thema!

Gerade jetzt, im Monat vor der Bundestagswahl, ist es spannend einen genaueren Blick darauf zu werfen, was zum Beispiel auch die einzelnen Parteien zu dem Thema sagen.

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