Moment mal: Konditionalsätze des Lebens Konditionalsätze regen (manchmal) zum Denken an

Menschen, die Theologie studieren, sind dem Erlernen von („klassischen“) Sprachen ausgesetzt. Ein Phänomen, mit dem man sich vor allem beim Griechisch Lernen auseinandersetzen darf, sind Konditionalsätze, auch Bedingungssätze genannt. Sie drücken die Voraussetzung für die weitere Handlung des Satzes aus. Diese Sätze gibt es in verschiedenen Varianten: als Realis, Irrealis, Potentialis, Eventualis und dazu noch in allen möglichen Zeitverhältnissen. Für den Lernenden mühevoll. Jedoch können diese Sätze auch zum Nachdenken anregen. Zum Nachdenken darüber, unter welchen Konditionalsätzen unser Leben steht.

Welche Bedingungen bestimmen unser Leben? Welche Konditionen bringen uns weiter, machen uns erfolgreich? In welchen Grenzen steht unser Leben? Es gibt eben nicht nur den hoffnungsvollen Eventualis, sondern auch den harten Irrealis der Vergangenheit. Sprache spiegelt Realitäten wider. Diese allgemeine These, die einem bei manchen grammatikalischen Übungen sehr weit weg erscheint, gewinnt bei längerem Nachdenken an Bedeutung. Unser irdisches Leben ist Begrenzung. Wir können versuchen, gegen unsere inneren und äußeren Grenzen zu arbeiten, Mauern und Zäune einzureißen. Doch auch die hoffnungsvollen Konditionalsätze sind außerhalb von grammatischen Lehrbüchern doch eher selten zu finden. Den erfolgreichen, schweigenden Philosophen haben dann doch wenige gesehen. („Hättest Du geschwiegen, wärst Du Philosoph geblieben“). Auch der oft beschworene Tellerwäscher, der Millionär wurde, ist eher selten.
„Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich“. Dieser kleine Vers 37 aus dem ersten Kapitel im Lukasevangelium ist ein Aussagesatz, kein Konditionalsatz. Trotzdem passt er an dieser Stelle. Weil er Hoffnung macht. Die Grenzen, die unserem Leben gesetzt sind, werden bei Gott aufgelöst.

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