Interreligiöser Dialog Das neue Missionsverständnis der katholischen Kirche
Foto: Johanna Tannen

Der Begriff interreligiöser Dialog stammt von dem altgriechischem Wort dialégomai und bedeutet „sich mit jemanden unterhalten“. Seit dem zweiten Vatikanischen Konzil hat sich auf diesem Gebiet innerhalb der katholischen Kirche viel verändert. Es lässt sich ein Paradigmenwechsel von einem imperativen Missionsverständnis, also exklusiven Monotheismus, hin zu einem indikativen Missionsverständnis, also einem inklusiven Monotheismus, feststellen (Nostra Aetate II).

Das christliche Missionsverständnis gestaltet sich also mit den Menschen, als Mission auf Augenhöhe zwischen Subjekten. Lebendige Religiosität kann nur bestehen, wenn der Gläubige sein Apostolat leben kann, denn es gehört unmittelbar dazu, seine Überzeugungen weiterzugeben. Problematisch wird es in und unter den abrahamitischen Religionen, da jede von ihnen einen ultimativen Wahrheitsanspruch hegt. Als nicht sinnvoll sehe ich dabei ein Versteifen auf Differenzen. Lieber sollten wir uns nachhaltig im Dialog auf Identisches oder auf Parallelen besinnen. Gespräche mit anderen Konfessionen, um sie kennen zu lernen und gleichzeitig auch das eigene Ich.

Einen Umgang mit vielen unterschiedlichen Wahrheitsansprüchen zeigt Martin Buber1 auf, der den Weg zu einem dialogischen Wahrheitsmodell bereitete. Erkenntnistheoretisch formuliert er Wahrheit nicht als monologischen Alleingang, sondern als Etwas, das sich aus der Begegnung vom Ich und Du ereignet.

Gelungener Dialog

Die Wahrheit als Begegnung ist nicht Wahrheit von Etwas, auch nicht Wahrheit von etwas Geistigem, von Ideen. Sie ist vielmehr diejenige Wahrheit, die (…) nur in der Ich-Du-Gestalt ihren angemessenen Ausdruck findet.2

Dieser Ausspruch Emil Brunners verdeutlicht einerseits, dass der Mensch schon immer ein Mitmensch in Gemeinschaft war und sich dies nicht nur verbal äußert. Andererseits auch, dass innerhalb des gelungenen Dialoges eine Horizontverschmelzung stattfindet. Es geht nicht um einen Austausch von Standpunkten, sondern von Horizonten.

Gelungener Dialog schafft also einen Nährboden für seine Teilnehmer, um sich einen neuen gemeinsamen Horizont zu erbauen bzw. sich ihm bewusst zu werden. Doch Dialog bedeutet auch risikobereit zu sein, denn es ist sein Wesen, stets unabgeschlossen und ungesichert zu sein – er befindet sich im andauernden Prozess. Dabei ist er stets in der Gefahr in Synkretismus – einer Vermischung von religiösen Ideen und Philosophien zu einem Weltbild – unterzugehen.

Verwundbare Mission

Für die christliche Mission lautet das Schlüsselwort „Dialog“. Diesen begann Gott mit der Inkarnation und dieser fand seinen entscheidenden Punkt in Christus crucifixus, der den göttlichen Lebenswillen zeigt. Nicht der Christus triumphans sollte daher der Herr der christlichen Mission sein, sondern die „Verwundbarkeit“3 muss zum Kriterium des Dialogs erklärt werden.

Nach christlichem Verständnis sollte der Dialog zu einem authentischen Lebensstil der Christen gehören, denn schon das Doppelgebot gibt auf: „Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst“, fordert also zum Dialog auf. Dialog lässt sich daher als missio Dei in actu verstehen. Er ist der Weg vom Nachspüren des Christuszeugnisses und fordert uns zur radikalen Nachfolge Christi auf: hinzuhören, wahrzunehmen und Zeugnis zu geben, für eine Kultur und Mission des Vertrauens und missio inter gentes in actu.


  • [1] Martin, Buber: Das Problem des Menschen, Heidelberg 1954, 167-170.
  • [2] Emil, Brunner: Wahrheit als Begegnung, Zürich und Stuttgart, 2 1963, 28f.
  • [3] Vgl. Hans Jochen Margull, Zeugnis und Dialog, Hamburg 1992, 330-342.
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