Jeden verdammten Sonntag Was man als Prediger von Football lernen kann
Foto: Nathan Shively (CC0)

#JedenVerdammtenSonntag –  unter diesem Motto überträgt die Sendung ranNFL aktuell wieder die Spiele der National Football League aus den USA. Doch nicht nur dieses Motto lädt dazu ein, dass man diese Sendung mal von der theologischen Seite beleuchtet. Denn wer genau hinschaut, der wird feststellen, dass man, vor allem als Predigerin bzw. Prediger1, eine Menge von der Sendung lernen kann. Schließlich muss man als solcher ja oftmals #jedenverdammtenSonntag auf die Kanzel und den Leuten etwas erzählen. Eine echte Herausforderung!

Wer die Sendung ranNFL nicht kennt, dem sei hier kurz eine Einführung gegeben. Während der Football-Saison (ab September bis Anfang Februar) überträgt ranNFL jeden Sonntag zwei Spiele der Saison auf ProSiebenMaxx, in den sogenannten Play-Offs steigt dann auch Sat1 ein. Highlight ist der am Ende stattfindende Super Bowl – das Finale. Im letzten Jahr sahen im Durchschnitt 1,78 Millionen Zuschauer das Spiel zwischen den Denver Broncos und den Carolina Panthers, und das trotz Übertragung mitten in der Nacht. Zum Vergleich: Die von deutlich mehr Sendern übertragene Wahlnacht in den USA sahen 3 Millionen Zuschauer. In der normalen Saison schauen etwa drei- bis vierhunderttausend die Spiele. Damit kommt ranNFL an die Sky-Bundesligakonferenz heran. Das ist schon beachtlich. Und vor allem: die Tendenz ist weiter steigend.

Einen großen Erfolg der Sendung macht das Moderatoren-Team aus. Drei der dort auftretenden Moderatoren sollen im Folgenden vorgestellt und mit einem Predigertyp verglichen werden. Dann wird geschaut, was die Vor- und Nachteile dieser Typen sind.

Der Experte

Patrick Esume heißt der prominente Experte, den ranNFL zu bieten hat. Esume hat NFL-Erfahrung, war Assistenzcoach bei den Oakland Raiders, den Cleveland Browns und den Philadelphia Eagles. Er ist der, der alle Regeln kennt, Spielzüge erklären kann und damit die für Laien manchmal sehr komplizierte Sportart etwas leichter zugänglich macht. Das Problem: Das Erklären vergisst er schon einmal gerne. Da kommen dann so Worte wie „Corner-Route“, die man dann erstmal im Lexikon nachschauen muss, um überhaupt zu checken, was eigentlich gemeint ist.

Diesen Typ Prediger erlebt man auf den Kanzeln auch. Man hat manchmal den Eindruck, dass die, die viele Jahre Theologie studiert haben (manche haben dann ja sogar noch promoviert) auch zeigen wollen, was sie alles wissen. Sie streuen schon einmal Worte wie „Landschaftshypothese“ oder „Messiasgeheimnis“ ein, um ihr intellektuelles Niveau zu beweisen, erklären diese aber leider nur selten. Auch ist der Mehrwert dieser Begriffe oft überschaubar. Zudem besteht ihre Gemeinde nur selten aus Akademikern, die mit ihnen auf dem selben Niveau sind und ihnen in all ihren Ausführungen dann noch folgen könnten. Für den „Normalsterblichen“ ist es  hingegen oftmals schwer, den nicht immer klaren Gedankengängen zu folgen. Sie sind oftmals von den Predigten überfordert, was dazu führen kann, dass man aus Frust gar nicht mehr hingeht. Schade eigentlich, denn manches, was diese Prediger zu sagen haben ist sehr spannend. Sie können es halt nur nicht spannend verpacken.

Der Bodenständige

Der Gegenpart zu Esume ist Frank „Buschi“ Buschmann. Der einstige Kommentator von „Schlag den Raab“ hat hier seine neue Berufung gefunden, auch wenn für ihn wohl nach dieser Saison Schluss ist. Buschmann ist derjenige, der die Sprache des Volkes spricht. Er fordert Esume immer wieder auf, Dinge zu erklären oder wirft selbst Erklärungen ein. Er spricht eine einfache Sprache, achtet auf den Zuschauer und führt diesen sicher und ohne großes Drumherum durch die Sendung.

Auch hier lässt sich ein Typ Prediger finden, der in dieser Weise predigt. Er hält solide Predigten, die viele verstehen können und die oftmals die breite Meinung, auch in der Gemeinde, widerspiegeln. Das Problem: Der Typ fordert einen kaum heraus. Nur selten gibt es mal harte Kost, sei es, weil das Thema hart ist oder weil er mal eine provozierende These loslässt. Dieser Typ eckt eher wenig an, aber genau das stört den Einen oder Anderen, der sich eben auch gerne mal an Dingen stößt. Das kann dieser Typ aber nur selten liefern.

Der Event-Mensch

Das Duo Esume & Buschmann wird komplettiert durch Christoph Dommisch, der aber immer bei seinem Spitznamen „Icke“ gerufen wird. Der junge Mann (Jahrgang 1987) ist der Witzbold der Truppe und soll die neuesten Reaktionen aus den sozialen Netzwerken sammeln und in die Sendung einfließen lassen. Er ist sich für keinen Blödsinn zu schade, lässt den ein oder anderen markigen Spruch los und witzelt rum. Vor allem aber ist sein Job, dass der Zuschauer Teil der Sendung wird. Bei ihm darf jeder mitmachen, Icke präsentiert Bilder, kleine Videos oder Tweets.

Auch der Typ Icke kommt auf der Kanzel vor (wenn er denn auf so eine steigt). Ich habe ihn mal den „Event-Typ“ genannt. Dieser Pfarrertyp macht gerne besondere Gottesdienste und hebt sich allein dadurch ab. Seine Predigten können schon mal den Charakter einer Comedy-Show haben, sein alljährlicher Gottesdienst beim Feuerwehrfest wird immer schon lange herbeigesehnt und Weihnachten dürfen immer alle mitmachen beim Krippenspiel der besonderen Art.

Das Problem dieses Typs: Normal ist für ihn schwierig. Wenn er mal einen ganz einfachen Gottesdienst machen soll oder machen muss, dann ist sein Publikum manchmal fast enttäuscht. Das ist dann fast zu wenig Show, zu wenig locker, zu wenig von dem, wie sonst ist. Nur, immer Show, das geht halt auch nicht.

Was lernt man nun daraus?

Was kann man aus dieser (zugegeben sehr verkürzten) Betrachtung gewinnen? Das große Plus der Sendung ranNFL ist die Mischung dieser drei sehr unterschiedlichen Typen. Sie ergänzen sich perfekt zu einem großen, wunderbaren Gesamtbild, das großartig funktioniert.

Für einen einzelnen Pfarrer ist das, gleichwohl, schwierig, diese drei Typen zu vereinen. Aber es kann eine Anregung sein, einmal zu reflektieren, welcher Typ man auf der Kanzel ist (oder zu welchem Typen man eher neigt) und darauf zu achten, dass auch die anderen Typen zum Tragen kommen. Das garantiert nicht, dass dann mehr Leute kommen, aber es kann einen Beitrag dazu liefern. Wie wichtig das Auftreten der einzelnen Pfarrerinnen und Pfarrer für die Motivation, zum Gottesdienst zu gehen, ist, ist nicht nur wissenschaftlich erwiesen, sondern kann auch von einem jeden an sich selbst reflektiert werden. Natürlich kann sich der Mensch nicht verbiegen. Soll er auch nicht, aber eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Person kann auch einem (zukünftigen) Prediger nicht schaden.


  1. Im Folgenden wird zur besseren Lesbarkeit nur noch die männliche Form verwendet, die weibliche Form ist aber jeweils mitzudenken.
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