Das Sortiment des Christentums
Grafik: Jobas (CC BY-SA 3.0)

Auch Christen sind Konsumenten. Da fragt man sich also, als Otto-Normalchrist, was das Christentum so im Angebot hat.

Das Sortiment ist leider etwas unübersichtlich. Auch steht außen nicht immer auch das drauf, was innen drin ist. Mogelpackungen sind keine Seltenheit. (Und das auch noch im Namen Gottes!) Auch der Preis stimmt nicht immer. Manches wird als kostenlos angepriesen, was dann am Ende ziemlich teuer wird. Versteckte Kosten. Qualitätsstandards sind auch noch ein Thema für sich. Oder gesetzliche Regulierung.

Da gibt es die richtig alten Kirchen. Römisch-katholisch oder orthodox? Optisch oft sehr beeindruckend, und mit dem Staub von Jahrhunderten.

Oder vielleicht etwas Protestantisches für die, die etwas moderner und aufgeklärter sein wollen? Leider ist im protestantischen Segment die Vielfalt so unübersichtlich, dass es kaum möglich ist, eine allgemeine Bewertung oder Empfehlung abzugeben. Interessierten dürfte es da schwer fallen, eine Entscheidung zu treffen; und fast täglich kommen neue Produkte dazu.

Wie wär’s mit etwas Mystischem oder Charismatischem? Diese Artikel sind manchmal etwas schwer zu finden, da diese Marke noch nicht fest etabliert ist, und der Markt sich noch nicht so richtig konsolidiert hat.

Ganz aktuell gibt es jetzt auch Anbetung im Stil von Rockkonzerten für die jungen Menschen von heute. Die Qualität kann nicht immer mit weltlichen Konzerten mithalten, aber es soll uns schließlich keiner vorwerfen können, unser Sortiment wäre veraltet und wir gingen nicht mit der Mode.

Rundum-sorglos-Pakete findet man natürlich auch, von Gemeinden, die größer und finanziell etwas besser gestellt sind. Mit professioneller Kinderbetreuung, eigenen Seelsorgern und Sozialarbeitern. Spezielle Kleingruppen für alle Altersklassen und Selbsthilfegruppen für alle Probleme, die so anfallen. Gruppengefühl und praktische Hilfe fürs Diesseits und den Freifahrschein fürs Jenseits.

Was darf’s denn sein?

Und hätten Sie gerne die Standard-Mitgliedschaft oder darf’s auch ein bisschen mehr sein? Wollen Sie vielleicht sogar Miteigentümer als Genossenschaftsmitglied werden? Oder stehen Sie mehr auf Aktien mit Dividenden? Warum sollte man von seiner Frömmigkeit nicht auch ein bisschen profitieren?

Die Anzahl der Menschen, die sich für Religion interessieren, ist begrenzt. Manchmal hat man den Eindruck, dass das Angebot größer ist als die Nachfrage. Das führt natürlich zu verschärftem Konkurrenzkampf. Da braucht man Kundenbindungsprogramme, um seine Schäfchen an sich zu binden, und gleichzeitig eine aggressivere Werbung nach außen. Deutliche Abgrenzung von Mitbewerbern durch ein geschärftes eigenes Profil!


Was war nochmal das Wesentliche am Christentum?

Christlicher Glaube ist KEIN Konsumartikel. Und christliche Gruppen, die den Glauben so präsentieren, sind schon auf die schiefe Bahn geraten. Wenn Christentum kein gesellschaftliches Korrektiv mehr ist, hat es seine Existenzberechtigung verloren. Das Himmelreich muss eine erkennbare Alternative zur Welt sein. Licht in der Dunkelheit. Keine künstlichen, selbstgemachten Leuchten aus grellen, blinkenden Neon-Schriftzügen, sondern Licht von Gott, das scheint durch Menschen, die ihm gehören.

Ich hatte schon oft eine Diskussion über christliche Vielfalt mit meiner Mutter. Sie findet es ganz toll, dass es so viele verschiedene Konfessionen und Gemeinschaften gibt, weil dann jeder etwas Passendes für sich findet. Ich halte dagegen, dass Vielfalt nichts bringt, wenn sie nicht für den Einzelnen in seiner Glaubensgemeinschaft erlebbar ist. Ich kann von den Ansichten, Traditionen und Erfahrungen eines anderen Christen nur etwas lernen, wenn ich sie kennenlerne. Solange all die Frommen zusammenklucken, die einer Meinung sind, schmoren sie nur im eigenen Saft.

Auch für Menschen, die auf der Suche sind, wirkt das unüberschaubare Angebot und die Streitereien zwischen Christen wohl eher abschreckend. Wäre es nicht viel besser, wenn Menschen sehen könnten, wie herzlich lieb wir Christen einander haben, und wie wir vor Ort gemeinsam unseren Glauben leben trotz ernsthafter Meinungsunterschiede? Würde nicht gerade die Einheit in der Vielfalt, auch mit Schwierigkeiten, deutlich machen, worauf es eigentlich ankommt?

Schlagwörter: , , , , , ,

Ein Kommentar

  1. Spassheide

    Ist es nicht vielmehr so, dass sich diese Vielfalt der Glaubensgemeinschaften aus der individuellen Glaubenserfahrung ergibt? Glaube ist schließlich – auch wenn er kein Konsumartikel sein sollte – eine ganz individuelle Erfahrung, die eben nicht rational verallgemeinernd festgelegt und, wie früher üblich, vorgegeben/vorgeschrieben werden kann.
    Der eine steht nun mal auf eine Friede-Freude-Eierkuchen-Gemeindeerfahrung, ein anderer geißelt sich gerne mit der wortwörtlichen Bibelauslegung und dem damit strikt reglementierten Leben, für den dritte erlangt man nur das Heil, wenn ein goldbrokatgekleideter Typ unter lateinischem Singsang eine Hostie weiht, während ein vierter wirres Zeug absondert – äh – in Zungen redet und irgendwann mal umkippt.
    Und gerade daraus ergibt sich die Vielfalt, gerade weil unterschiedliche Erfahrungen gemacht wurden.
    Insofern hat die Dame schon recht.
    Diese Vielfalt ist außerdem nichts verwerfliches. Viele erfahren nun mal nicht den Glauben und Gott in der Art und Weise der beiden großen Amtskirchen und haben sich andere Wege der Glaubenserfahrung gesucht und – im Gegensatz zu einem großen, eventuell sogar dem größten Teil der beiden großen Amtskirchenmitglieder – vielleicht sogar auch gefunden.

    Und das Zusammenglucken hat wohl ein bisschen mit Misstrauen zu tun. Einmal, weil vielleicht Mitglieder abgeworben werden könnten – was neben der Infragestellung der eigenen absoluten Wahrheit sich vor allem finanziell bemerkbar macht – , aber auch – und das ist wahrscheinlich der Hauptgrund – weil man früher schnell als Abweichler oder Sektierer diffamiert und nicht selten auch verfolgt wurde. Somit sind die beiden großen Amtskirchen, deren Mitglieder nicht unbedingt auf freiwilliger Basis Mitglied wurden und waren, nicht ganz unschuldig an der Situation.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.