Sie singt so schaurig schön! Ein exklusiver Blick auf den neuen Film „Florence Foster Jenkins“
Foto: Simplu (CC0)

Eine Geschichte, die so unglaublich ist, dass sie auf die Leinwand gehört. Es geht um eine Frau, die nicht singen kann und trotzdem Massen bewegt hat. Nein, die Rede ist nicht von irgendeiner Supertalent, Voice of Germany oder sonstiger Castingshow-Gewinnerin, sonder von Florence Foster Jenkins, Jahrgang 1868. Die wunderbare Geschichte der amerikanischen Sängerin, die 1944 gestorben ist, kommt jetzt in hochwertiger Besetzung ins Kino. Und da der Film in der englischsprachigen Welt bereits im September sein Release feierte, kann ich hier schon mal ein paar Eindrücke gewähren.

Die Geschichte beginnt in New York nach dem ersten Weltkrieg. Die Millionärin Florence Foster Jenkins (verkörpert von der grandiosen Maryl Streep) gibt in ihrem selbst gegründeten Verdi-Club ein Privatkonzert. Es ist schaurig schön, wie sie die Töne nicht trifft. Trotzdem wird sie gefeiert von ihrem Mann St. Clair Bayfield (Hugh Grant), der ihr auch sonst die Welt zu Füßen legt. Er ist es auch, der für Jenkins den Pianisten Cosme MacMoon engagiert (Simon Helberg, bekannt als Howard Wolowitz aus The Big Bang Theory). Mit ihm übt Florence regelmäßig und bereitet sich auf ihren großen Auftritt vor: Einmal singen in der Carnegie Hall.

Man muss über die eigentliche Handlung an dieser Stelle tatsächlich nicht mehr sagen, denn sie ist in weiten Teilen des Films nur Nebensache. Das soll nicht heißen, dass sie nicht gut ist, im Gegenteil. Regisseur Stephen Frears stellt das Leben der Sopranistin stets realistisch und angemessen dar. Doch er wird selber wissen, dass das Highlight etwas anderes ist.

Da ist nämlich diese unglaubliche Maryl Streep, die alle Tonaufnahmen mit Simon Helberg am Klavier selbst eingesungen hat und dabei so gnadenlos daneben singt, wie das Original. Das wiederum sorgt für einen Lachkrampf nach dem nächsten. Schon bei den ersten Tönen windet man sich als Zuschauer auf dem Sitz. Man ist zum einen fast geschockt, zum anderen unendlich begeistert, wie genial diese falsche Musik ist. Kaum zu glauben, wie viel Magie in diesen Tönen stecken kann.

Doch diese Magie ist gefährlich. Denn wer nicht viel mit Musik anfangen kann, wird an dem Film kaum gefallen haben. Eben weil die Handlung eher Nebensache ist und es neben dem Duo Streep & Helberg einfach keinen Platz gibt. Das ist fast traurig, denn der von der BBC produzierte Film hätte Potenzial für mehr. Zwar hält filmstarts.de den Film für einen Anwärter auf den Besten Film, meines Erachtens aber gibt es, wenn überhaupt, dann nur die Chance für Streep, bei ihrer zwanzigsten (!) Nominierung wieder einen Oscar mit nach Hause zu nehmen.

Trotzdem lohnt sich der Besuch im Kino, wenn man gerne musikalische Filme mag oder einfach mal wieder einen feel-good-movie sehen will. Dafür ist dieser Film wie gemacht. Ehrlich, ein bisschen anrührend und dann wieder Urkomisch. Und mit einem Ohrwurm geht bestimmt der ein oder andere nach Hause.

Florence Foster Jenkins kommt am 24.11. in die deutschen Kinos.

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