Moment Mal: Glauben lassen EKD-Synode beschließt Absage an Judenmission
Foto: svenwerk (CC BY-NC 2.0)

Die EKD-Synode tagte und packte heiße Eisen an: Trumps Erfolg, Europas Auseinanderdriften, die Frage der „Judenmission“. Der Einfluss der Synode auf „Amerikas blonden Mussolini“ (Danke, ZEIT!) dürfte begrenzt sein; auch Europas Zusammenhalt hängt nicht nur von Deutschlands Protestanten ab. Der Beschluss zum Umgang mit Menschen jüdischen Glaubens geht jedoch über bloße Signalwirkung hinaus, betrifft er doch auch kirchliche Arbeitsfelder.

Umso überraschender, wie klar der einstimmig angenommene EKD-Beschluss ausfällt. Unter der Überschrift „… der Treue hält ewiglich“ findet sich eine deutliche Absage, aus Jüdinnen und Juden Missionsobjekte zu machen:

Christen sind – ungeachtet ihrer Sendung in die Welt – nicht berufen, Israel den Weg zu Gott und seinem Heil zu weisen. Alle Bemühungen, Juden zum Religionswechsel zu bewegen, widersprechen dem Bekenntnis zur Treue Gottes und der Erwählung Israels.

Die EKD-Synode argumentiert nicht nur theologisch – mit Gottes anhaltender, unverbrüchlicher Treue –, sondern auch historisch. Das Papier stellt dar, in welchen Schritten sich die Entwicklung vollzog, an deren Ende das Nein zur Missionierung der Jüdinnen und Juden steht.

Zaghafte Schritte zur klaren Absage

Viel zu zaghaft, viel zu zögerlich setzten sich die evangelischen Kirchen nach dem zweiten Weltkrieg mit der eigenen Schuld an der Schoa auseinander. Das Eingeständnis dieser Schuld vollzog sich in viel zu langsamen, in viel zu kleinen Schritten. Gleichzeitig wuchs mit der historischen Einsicht die Fassungslosigkeit darüber, wie bereitwillig viele der damaligen Kirchenoberen die antisemitische Gesetze in ihren Kirchen umsetzten und ihre (ehemals) jüdischen Gemeindemitglieder der NS-Verfolgung preisgaben. Je klarer die Sünde und Schuld der evangelischen Kirchen wurde, desto notwendiger wurde das Umdenken hinsichtlich der „Judenmission“.

Zeugnis dieser langsamen Entwicklung gibt der diesjährige Beschluss selbst. Noch 1950 roch die theologische Erklärung der Treue Gottes ekelhaft nach alten, antisemitischen Christusmörder-Vorwürfen: „Gottes Verheißung über dem von ihm erwählten Volk Israel“ sei „auch nach der Kreuzigung Jesu Christi in Kraft geblieben“.

Eine Studie aus dem Jahr 2000, auf die sich die EKD-Synode nun bezieht, sieht Juden wie Christen unter Gottes Bund – daran zu zweifeln hiesse, an Gottes Treue zu zweifeln. Auf diesen Grund baut nun das endgültige Nein zur ‚Judenmission‘.

Als evangelischer Christ, der nicht nur stolz auf Bonhoeffer verweist, sondern sich auch für Marahrens schämt, bin ich dankbar, dass die EKD sich endlich in aller Deutlichkeit abgrenzt von jedem Versuch, Juden und Jüdinnen zu missionieren. Zeigt dies doch auch, dass sich aus der schrecklichen Geschichte lernen lässt – und meine Kirche lernfähig ist.

Moment mal: Wie schafft man es, einen derartig begründeten Beschluss als „Antisemitismus pur„, als „schlimmsten anti-jüdischen Akt“ zu bezeichnen? Wenn ich ehrlich bin, will ich die Antwort von idea und den dortigen Hofpredigern nicht hören. Es sei Jüdinnen und Juden überlassen, zu beurteilen, was als anti-jüdischer Akt zu gelten hat. Ob die Entscheidung der EKD-Synode, ihnen nicht mehr den Glauben nehmen zu wollen, dazuzählt?

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2 Kommentare anzeigen

  1. ....

    Moment mal: Nehmen Missionsbemühungen Menschen ihren ursprünglichen Glauben? Oder sind sie nur ein Angebot, auf welches hin der Mensch seinen ursprünglichen Glauben selbst aufgibt? Zumindest, wenn man „Missionsbemühungen“ nicht im Sinne historischer Ereignisse fasst, sondern so, wie christliche Mission sein sollte?

    • Oliver

      Moment mal: „Ein getäuschter Bruder ist unzugänglicher als eine befestigte Stadt; und Streitigkeiten sind wie der Riegel einer Burg. (Sprüche 18,19)“

      Der ursprüngliche Glaube bleibt, aber die innere Mission bezieht sich auf die Richtung von Missionsbemühungen und zwar in der Art von 1. Mose 2,23 . „Da sagte der Mensch: Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch …“ und 1. Mose 2,24 : „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen“.

      Die Frage aller Proseyltenmacherei ist nicht die Auffassung, ob es einen Religionswechsel von Heiden zu Juden oder Juden zu Christen gibt, sondern inwiefern die Gemeinde sich bildet aus Juden und Christen.

      Ja, auch ich bin ich dankbar, dass die EKD sich endlich in aller Deutlichkeit abgrenzt von jedem Versuch, Juden und Jüdinnen zu missionieren, aber die Kirche ist nicht lernfähig, zumal Dogmen daran hindern, normal miteinander umzugehen.

      Was glaubt ihr denn, wie ein getäuschter Bruder weiterhin seinen Glauben leben sollte ? Jedenfalls tut er das, was er will und nicht das, was andere wollen.

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