Gedanken zur Monatslosung für Oktober
Foto: JJackman (CC BY-SA 3.0)

„Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“
2.Kor 3,17 (L)

Sarah steht an ihrem Fenster, unter ihr Alfred. Es ist Nacht, Winter. Im Hintergrund lauert die Bedrohung durch die Vampire, die sich jede Nacht im nahegelegenen Schloss vergnügen und das Dorf terrorisieren. Immer wieder verschwinden und sterben Dorfbewohner. Deswegen ist Alfred hier. Er begleitet den Professor, der sich schon lange mit dem Mythos der transsilvanischen Vampire beschäftigt. Nun hat sich Alfred aber in die Tochter vom Bürgermeister verliebt und macht ihr den Hof. Sarah jedoch ist viel mehr an den Vampiren interessiert. Sie fühlt sich von den Vorschriften ihres Vaters eingeengt und rebelliert. In diese Situation hinein singt sie das Lied „Draußen ist Freiheit“, dessen Refrain folgendermaßen lautet:

Draußen ist Freiheit.
Dort, wo der Horizont beginnt,
gibt es ein Land,
in dem alle Wunder möglich sind.

Soweit das Musical „Tanz der Vampire“, das auf dem gleichnamigen Film des Regisseurs Roman Polanski basiert.

Draußen ist Freiheit … Draußen, ohne Eltern, ohne Geschwister, die einem Vorschriften machen und sich vielleicht sogar gegenseitig bekämpfen? Draußen, ohne Regeln, ohne Wände, ohne Dächer und ohne Hindernisse? Das ist zumindest der Grund, warum sich Sarah frei singt. Und das ist vielleicht auch der Grund, warum wir uns (zum Studium) auf machen, den Heimatort verlassen, flügge werden und uns Flügel wachsen lassen. Wir wollen uns befreien von den Fesseln und unseren eigenen Weg gehen über das Gefühl der Freiheit hinaus, das wir anderweitig erleben – am Meer oder auf dem Gipfel in den Bergen oder wo auch immer. Wir suchen aber nicht nur die räumliche Freiheit, sondern sehr stark auch die geistige und geistliche.

Jeder Mensch braucht Freiheit. Aber was bedeutet eigentlich „Freiheit“? Frei ist man, wenn man keine Grenzen hat.

Die Gedanken sind frei.
Wer kann sie erraten?
Sie ziehen vorbei,
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
kein Jäger sie schießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.

Wie oft wünschen wir uns doch diese vollkommene Freiheit und engen uns selbst ein! „Ich würde so gern – Ach nein, ich habe ja versprochen, dieses oder jenes zu tun.“ Ja, wir setzen uns selbst oft genug Grenzen. Das ist auch gut. Manche Grenzen sind auch nötig, sonst ginge menschliches Zusammenleben grandios den Bach runter. Aber manche Grenzen sind dann doch zu viel, machen uns unglücklich. Deswegen habe ich diesen Monat einmal eine Aufgabe für euch: Nehmt euch doch einmal ein bisschen Zeit für euch. Setzt euch an euren Lieblingsplatz, kocht euch einen Tee, zündet eine Kerze an oder geht spazieren – was immer euch gut tut. Und dann überlegt einmal: Wo setzt ihr euch Grenzen? Nehmt diese Grenzen wahr. Bewertet sie nicht, aber lasst sie euch bewusst werden. So lasst euch in die Freiheit wehen von eurem und vom Geist Gottes und vielleicht, nur ganz vielleicht, bekommt ihr so auch wieder einen Blick für die Weite um euch herum.


Die Monatssprüche werden von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen herausgegeben, um durch das Jahr hindurch geistige Impulse und Anregungen zu bieten. Mehr erfahrt ihr hier.

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