Gedanken zur Monatslosung für September
Foto: JJackman (CC BY-SA 3.0)

„Gott spricht: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.“
Jer 31,3 (L)

Diesmal kommen meine Gedanken urlaubsbedingt leider etwas später. Das macht aber nichts, denn das passt durchaus zur Losung: Egal, was ich tue, welche Fehler ich mache, Gott liebt mich und will mich in seiner Nähe wissen. Sind das nicht schon genug der Worte? Ehrlich gesagt wäre mir das zu oberflächlich, denn der Kontext bezieht sich auf das versprengte, aus dem Exil zurückkehrende Volk Israel.

Reisen wir doch einmal gemeinsam zurück und sehen uns das genauer an:

Es ist eine düstere Zeit. Die Menschen haben vor mindestens einer Generation ihre Häuser, ihr Hab und Gut, ihre Höfe, Familien und Freunde verlassen müssen. Nicht alle sind gegangen, aber diejenigen, die gehen mussten, hatten eine lange und mühsame Reise vor sich. Und niemand wusste, was noch kommen würde. Das schlimmste war vielleicht der Verlust ihres religiösen Zentrums: Jerusalem und der Tempel rückten in unerreichbare Ferne.

Doch das alles ist nun schon 60 Jahre her. 60 Jahre, in denen sich die Israeliten ein neues Leben aufgebaut haben. Sie haben neue Kontakte geknüpft, neue Freunde und Familie gefunden, vielleicht sogar einen neuen Gott, eine neue Religion. Dennoch ist der Wunsch, dieses Gefühl nach der eigenen Heimat gerade bei den Älteren noch immer präsent. Wir schreiben das Jahr 539 v.Chr. (plus/minus ein paar Jährchen, aber das ist bei der Zeitspanne ja egal). Der Perserkönig Kyros II. erobert Babylon und findet viele Menschen vor, die da eigentlich nicht hingehören und zum Teil da auch nicht sein wollen. Aus welchen (wahren) Gründen, ist unbekannt, aber er erlässt ein Edikt. Der Weg zurück in die Heimat ist frei für alle Israeliten. Was für eine Erleichterung! Das kann nur eine Zusage Gottes an sein Volk sein: „Er hat uns nicht vergessen! Er liebt uns noch immer! Er will, dass wir (wieder) in seiner Nähe sind!“

Und nun? Was fange ich jetzt damit an? Gehen wir doch zum Anfang zurück: Ich habe einen „Fehler“ gemacht und Gott verzeiht mir, denn er liebt mich und will mich bei sich haben. Ist es das? Beachtet man den Kontext der Monatslosung, trifft es das ja erstmal nicht. In dem Kontext ist es eher eine Zusage, um die (neuerliche) beschwerliche Reise zu überstehen und um einen Grund zu haben, sich wieder auf den Weg zu machen, denn eigentlich haben es die Israeliten ja sehr bequem dort, wo sie jetzt sind. Den Bogen kann ich trotzdem schlagen: Das Exil wird biblisch eigentlich immer als Strafe wahrgenommen für ein Fehlverhalten des Volkes Israel. Somit ist die biblische Zusage bei Jeremia auch eine Zusage gegen übermäßige Reue, an denen ein Mensch durchaus zerbrechen kann. Denn die Liebe und die Güte Gottes sind größer als alles, was ein Mensch tun kann, und egal, wie wir uns verhalten, möchte Gott uns bei sich haben. Selbst wenn wir uns durch unser Verhalten immer wieder von ihm entfernen, er zieht uns heran, denn er liebt uns!


Die Monatssprüche werden von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen herausgegeben, um durch das Jahr hindurch geistige Impulse und Anregungen zu bieten. Mehr erfahrt ihr hier.

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Ein Kommentar

  1. Danke für diesen Text!

    Der Satz „Reisen wir doch einmal gemeinsam zurück …“ hat mir irgendwie an meine Kindheit erinnert. Da hatten wir so christliche VHS-Kassetten mit Trickfilmen, in denen zwei Kinder zusammen mit einem Roboter (?) in die biblische Zeit zurückgereist sind, um die Geschichten selbst mitzuerleben.

    Verrücktes Zeug.

Max Melzer antworten … Antworten abbrechen

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