Moment mal: Der Dschihad des Khaled Omar Harrah

Der Held von Aleppo ist tot. Khaled Omar Harrah starb bei einem Bombardement. Berühmt wurde er, als er ein Baby aus einem verschütteten Haus ausgrub, mit seinen bloßen Händen. Neun Stunden lang grub er im Schutt eines zerbombten Hauses. Khaled gehörte zu den „Weißhelmen“, die im Kriegsgebiet in Syrien Nothilfe leisten nach Bombardements; dort, wo es brennt, wo es gefährlich ist. Sie riskieren ihr Leben, um Leben zu retten. Khaled Omar Harrah starb dabei, am 11. August, bei einem Bombenangriff.

Als Khaled das Baby aus den Trümmern birgt, erschöpft und glücklich schaut er dabei in die Kamera, schreit die Menge „Allahu akbar“ – Gott ist groß. Was gibt es anderes zu sagen, wenn man ein Wunder erlebt?

Über sein Engagement bei den Weißhelmen sagte er: „Für mich ist das der echte Dschihad“. Der Dschihad der Terroristen und des sog. IS vernichtet Leben und kennt dessen Wert nicht. Der echte „Einsatz auf dem Weg Gottes“  – was Dschihad übersetzt heißt – bewahrt es.

Khaled Omar Harrah zeigt das Potential, die Schönheit und den Lebenswille, den Religion zu geben vermag. Wie deprimierend muss es für ihn gewesen sein, dass Terroristen aus dem Lob dessen, von dem das Leben kommt – „Allahu Akbar!“ – einen Schlachtruf zum Töten machen? Sein lebensgefährlicher Einsatz für seine Mitmenschen in Aleppo zeigt den Mut von Menschen, die sich getragen wissen von Gott: „Wenn ich beim Lebenretten sterben sollte, wird Gott mich als Märtyrer sehen“.

Bei Märtyrern denke ich als Christ zuerst an Martin Luther King oder Maximilian Kolbe. Mir fällt es aber nicht schwer, Khaled Omar Harrah in diese Reihe aufzunehmen. Wo jemand sein Leben einsetzt für Menschlichkeit, Leben und Gerechtigkeit, kann Gott nicht fern sein, egal, wie man das Göttliche nennt.

Khaled, 31 Jahre alt geworden, hinterlässt eine Frau und eine kleine Tochter. Seine Geschichte demütigt all die Schwätzer, auch die christlichen, die den Islam dämonisieren und Ängste schüren. Demütig verstummen müssten sie, die auf dem Rücken von Vorurteilen die eigene Politik oder die eigene Rechtgläubigkeit verkaufen möchten.

„Niemand hat größere Liebe als die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde“, sagt Jesus in Joh. 15,13. Nichts anderes tat Khaled Omar Harrah, der sein Leben am 11. August 2016 ließ.

Themenmonat Islam und Theologie

Viele Muslime leben seit Jahrzehnten (manche gar seit Jahrhunderten) in Europa, andere wandern zur Zeit ein oder befinden sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Welche Rolle spielt ihre Religion in diesen Konflikten und in ihrem Alltag? Welche Impulse gehen von der islamischen Theologie aus? Was kann die christliche Theologie zur Debatte beitragen? Was können wir voneinander lernen?
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