Moment mal: Alles ganz normal
Foto: Cherylholt (CC0)

Guten Morgen liebe Sonne, guten Morgen lieber Wind (pusten), guten Morgen kleiner Vogel (zwitschern), guten Morgen liebes Kind (Kind streicheln).

So geht es jeden Freitag 10 Uhr los. Im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Kleinmachnow treffen sich Mütter mit ihren (Klein-) Kindern zum gemeinsamen Singen, Spielen, Frühstücken und fröhlich Sein. Klar bin ich mit meinem zweijährigen Sonnenschein dabei.

Neben mir sitzt Mona mit ihren zwei Kindern Abdul-Assis und Eysche. Sie ist auch schwanger. In einer Pause unterhalten wir uns über unsere Kugelbäuche. Sie zeigt auf meinen Bauch und fragt: „Baby?“ Ich antworte mit einem breiten Grinsen, streichel über meinen Bauch und sage: „Ja!“ Sie zeigt auf ihren Bauch und sagt: „Auch Baby. Fünf Monat.“ Sie zeigt mir eine volle Hand, um die fünf zu unterstreichen. „Du? Monat? Wieviel?“ Ich halte neun Finger in die Luft. „Neun. Bei mir dauert’s nicht mehr lange.“

Wir strahlen uns an. Sie redet weiter: „Ich drei Kinder: Abdul-Assis, Eysche und Mohammed. Mohammed zu Hause. Mit Papa.“ Dann schaut sie mich fragend an und deutet auf meinen Sohn. Ich versteh die Frage und antworte ihr, dass er mein erstes Kind sei.

Dann kommen Leyla, Lava, Sheyna und Ali mit ihren Müttern dazu. Lisa und Jonathan sitzen schon da. Sie wollen gern nochmal das Lied mit den Körperteilen singen und dann das mit den Tieren. Begeistert machen Mütter wie Kinder alle Tierlaute mit, zeigen Arme, Beine und Füße und tanzen Hand in Hand zwischen Seifenblasen, die die Praktikantin aus dem nahen Flüchtlingsheim mitgebracht hat.

Elisabeth und Heike bereiten so lange ein kleines Frühstück vor. Gemeinsam sitzen wir dann bei Melone und Bretzeln, Brötchen und Waffeln am Tisch. Jetzt gibt es auch wieder mehr. Vor ein paar Wochen war noch Ramadan, da gab es dann weniger. Wir Deutsche und die Kinder haben natürlich trotzdem gegessen. Nebenbei haben wir die Frauen über den Ramadan in Syrien gelöchert. Wie alt muss man sein, um ihn erstmals zu feiern? Müssen Schwangere auch fasten? Was gibt es abends? Wie lange bleiben die Kinder abends mit auf, wenn die Feier lange geht?

Unsere Kinder haben längst das Interesse am Gespräch verloren und krabbeln und tollen miteinander um und unter den Tischen. Ali zieht die Gummistiefel meines Kindes an und quietscht vor Freude. Mein Sohn füttert Eysche mit Weinbeeren. Lisa und Lava spielen mit Holzkühen. Wir Mütter lachen, schwatzen und freuen uns an unseren Kindern.

Was würde ein zufälliger Spaziergänger durchs Fenster sehen? Eine Gruppe lachender Frauen, die eine Hälfte mit Kopftuch, die andere ohne. Eine Horde spielender Kinder. Ein Tisch mit Obst. Herumliegendes Spielzeug. Ich nehme an, er würde mit den Schultern zucken, vielleicht von der Fröhlichkeit angesteckt lächeln und weitergehen. Ist ja alles ganz normal, oder?

Themenmonat Islam und Theologie

Viele Muslime leben seit Jahrzehnten (manche gar seit Jahrhunderten) in Europa, andere wandern zur Zeit ein oder befinden sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Welche Rolle spielt ihre Religion in diesen Konflikten und in ihrem Alltag? Welche Impulse gehen von der islamischen Theologie aus? Was kann die christliche Theologie zur Debatte beitragen? Was können wir voneinander lernen?
Schlagwörter: , , , , , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.