Verständigung in Zeiten des Krieges Filmreview: Königreich der Himmel
Foto: Berthold Werner (Gemeinfrei)

Gut zehn Jahre ist der Film Königreich der Himmel von Ridley Scott schon alt. Doch sein Inhalt und vor allem seine Botschaft ist in den jetzigen Zeiten aktueller, als man vielleicht zuerst meinen könnte.

Themenmonat Islam und Theologie

Viele Muslime leben seit Jahrzehnten (manche gar seit Jahrhunderten) in Europa, andere wandern zur Zeit ein oder befinden sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Welche Rolle spielt ihre Religion in diesen Konflikten und in ihrem Alltag? Welche Impulse gehen von der islamischen Theologie aus? Was kann die christliche Theologie zur Debatte beitragen? Was können wir voneinander lernen?

Es beginnt alles mit dem Tod. Balian (Orlando Bloom), ein Schmied, muss seine Frau begraben, die sich selbst umgebracht hat. Doch er hat nicht lange Zeit zu trauern. Er wird von Ritter Godfrey (Liam Neeson) aufgesucht, der sich als sein Vater vorstellt und ihn zum Kreuzritter machen will. Für Balian die Chance, um den verarmten Umständen zu entfliehen, in denen er bisher gelebt hat, auch wenn ihm der Abschied zunächst schwer fällt. Doch durch einen Zwischenfall ist er zur Abreise gezwungen und folgt so dem Motto, das in einen Balken in seiner Schmiede eingeritzt ist: „Was ist das für ein Mann, der nicht die Welt besser machen will.“

Doch dieser Weg ist zunächst beschwerlich. In einem Kampf angeschlagen stirbt Godfrey und überlässt Balian sein Hab und Gut, inklusive seiner Idee eines „Köngisreich der Himmel“, in dem Muslime und Christen friedlich zusammen leben. Mit dieser Idee im Gepäck reist Balian nach Jerusalem weiter.

Natürlich geht dies nicht ohne Probleme. Als sein Schiff im Sturm sinkt, schlägt er sich durch die Wüste. Es kommt zu einem Zusammenstoß mit einem kampflustigen Muslim, den Balian am Ende tötet. Seinen Begleiter aber verschont er, der ihm dies mit dem Satz dankt: „Deine Vergebung wird unter deinen Feinden bekannt sein, bevor du sie triffst.“

So beginnt die Zeit von Balian in Jerusalem, der durch das Vermächtnis seines Vaters zum Lord von Ibelin und Ritter gemacht wurde. Diese Zeit ist gezeichnet durch seine Suche nach Gott und nach diesem Königreich der Himmel, von dem sein Vater ihm erzählt hat. Und es stellt sie vor, die Fanatiker und die, die den Frieden suchen.

Kaum ein anderer Film zeigt religiösen Fanatismus so deutlich. Ein junger Mann an der Straße nach Messina wiederholt wie ein Mantra, dass es kein Verbrechen sei einen Ungläubigen zu töten. Daneben tritt vor allem der Ehemann der Prinzessin von Jerusalem, der fanatische Guy de Lusignan (Marton Csokas), in Erscheinung, der nur darauf wartet, dass es endlich einen Krieg gegen die Ungläubigen gibt. Da geht es nur selten um Argumente, sondern eher um rohe Gewalt. Ganz nach dem Motto: Und willst du nicht mein (Glaubens-)Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein.

Und doch ist die Botschaft dieses Films eine andere. Balian erkennt früh, wie viele Gemeinsamkeiten es zwischen Christen und Muslimen gibt. „Ihre Gebete klingen wie unsere“ erkennt er in Messina. Er setzt sich ein für ein friedliches Zusammenleben und das scheint auch zunächst zu gelingen. Dabei wird deutlich, dass es keine „böse“ Seite der Religionen gibt. Weder die Muslime, noch die Christen, sind partout der Feind. Es sind nur kleine Gruppen, die es schaffen, den Rest in Verruf zu bringen.

Wenn es um das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen geht, dann kann man, so meine ich, aus diesem Film eine Menge lernen. Denn der Film beruht zum großen Teil auf historischen Tatsachen. Dass es in einem der dunkelsten Kapitel der Religionsgeschichte solche Kräfte gab, die sich um Frieden bemühten, wird oft vergessen und kann doch Mut machen, auch für die heutige Zeit. Wie viele sind es gerade auch in diesen Tagen, die sich um ein gutes Zusammenleben bemühen und sich dafür einsetzen. Vielleicht müssen wir uns das einfach wieder öfter bewusst machen.

Es ist beinahe überraschend und erschreckend zugleich, dass ein Film, der 2005 in die Kinos kam, heute noch so aktuell ist. Man könnte meinen, dass die Menschheit seitdem keinen Schritt voran gekommen ist. Doch ich glaube nicht, dass das unbedingt so ist, sondern eher, dass wir auf einem Weg sind, der wohl so schnell nicht beendet sein wird. Es wird immer wieder Kräfte geben, die versuchen werden auch durch die Religion die Menschen gegeneinander aufzuhetzen.

Es wird an uns sein, uns dann zu entscheiden, auf welcher Seite wir stehen wollen. Balian, der einfache Schmied, entschied sich, nicht auf die Religion zu schauen, sondern darauf, wer seine Hilfe braucht. Denn, so wird es ihm gesagt, Heiligkeit hat nichts mit Religion zu tun. Heiligkeit bedeutet, das Richtige zu tun und sich für die Menschen einzusetzen, die Hilfe benötigen.

Fazit

Epische Schlachten, ein starker Historienfilm. All das ist Ridley Scotts Königreich der Himmel auch.  Der Regisseur von Gladiator weiß eben, wie man Kampfszenen etc. darstellt und ließ eine beeindruckende Kulisse errichten, nur um sie dann in Schutt und Asche zu legen. Aber der Film hat eben auch leisere und nachdenklichere Töne, die manchmal untergehen, aber die sich lohnen, immer wieder neu bedacht zu werden. Auch wenn der Film schon älter ist, seine Botschaft ist es nicht.

Königreich der Himmel (Dauer: 138 Min), Regie: Ridley Scott, mit Orlando Bloom, Eva Green, Liam Neeson, Jeremy Irons u.a. Freigabe ab 12 Jahren.

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3 Kommentare anzeigen

  1. Oliver

    Stimmt !!!

    Diese Aussage ist richtig :

    „Doch sein Inhalt und vor allem seine Botschaft ist in den jetzigen Zeiten aktueller, als man vielleicht zuerst meinen könnte.“

  2. Liam Neeson, gut. Jeremy Irons, noch besser. Aber, ach, Orlando Bloom?

    Ich kann mich nur noch verschwommen an den Film erinnern, den ich vor einigen Jahren geschaut habe. Ich fand ihn reichlich pathetisch und vor allem das junge Bürschlein eine grandiose Fehlbesetzung. Seine Schultern im doppelten Sinne zu schmal: Um die Figur glaubhaft zu verkörpern und um den Film zu tragen. Aber!

    Aber, lieber Gereon, Du hast mich wenigstens davon überzeugt, dass ich mir den Film noch mal anschauen werde. Und wenn mir Orlando wieder missfällt, achte ich einfach mehr auf die interreligiösen Implikationen.

    • Oliver

      Abgesehen vom Handlungstrang um die benannten Schauspieler geht es m.E. um die Aspekte des christlichen Fundamentalismus, welcher nicht nur gegen den Isalm kämpft, sondern um die menschlichen Autoritäten, die bestimmen wollen, was christliche Lehre ist. Das Thema des Films in seiner übertragenen Redeweise tendiert neben den kirchengeschichtlichen Aspekten den Missbrauch von geistlicher und weltlicher Macht in der Hand von wenigen bzw. einzelnen Personen – bis Israel aus Jerusalem auszieht.

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