Gelesen: „Der Koran“ von Mohammed
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Ein Gespräch mit selbsternannten Islam-Kritikern führt beinahe unausweichlich zum Koran. „Hast du mal den Koran gelesen?“, wird mir an den Kopf geworfen. Und das ist natürlich ein gutes Argument. Natürlich hab ich den Koran nicht gelesen, wie die allermeisten Nicht-Muslime in Deutschland.1 Anfang dieses Jahres habe ich mir vorgenommen, diesen Missstand zu beseitigen und den Koran zu lesen – jeden Tag ein Stück.

Themenmonat Islam und Theologie

Viele Muslime leben seit Jahrzehnten (manche gar seit Jahrhunderten) in Europa, andere wandern zur Zeit ein oder befinden sich auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung. Welche Rolle spielt ihre Religion in diesen Konflikten und in ihrem Alltag? Welche Impulse gehen von der islamischen Theologie aus? Was kann die christliche Theologie zur Debatte beitragen? Was können wir voneinander lernen?

In diesem Artikel will ich meine Eindrücke schildern. Gelesen habe ich den Koran als interessierter christlicher Theologe, ich werde deshalb häufiger Vergleiche zur Bibel ziehen und auf der anderen Seite viele Dinge übersehen, die für Muslime von großer Wichtigkeit sind. Meine Lesart beansprucht weder Vollständigkeit, noch kann sie der innermuslimischen Sicht auf den Koran als heiliges Buch komplett gerecht werden. Dieser Text ist vielmehr das Äquivalent zum Zeh-ins-Wasser-Stecken in der Begegnung mit dem Islam.2

Große Mose-Fans auf der Wasserrutsche

Der Koran liest sich wie eine Wasserrutsche: Die 114 Kapitel („Suren“) sind traditionell grob der Länge nach sortiert. Frühe Kapitel sind hunderte Verse lang und ein Büchlein für sich; die späteren Suren nehmen dann zunehmend Fahrt auf und die letzten Abschnitte passen jeweils auf eine Seite.

Die Grundaussage des Koran ist überraschend einheitlich und leicht verständlich. Es wird wiederholt eingetrichtert, was Muslim sein bedeut: An Allah3 glauben, das Gebet verrichten und die Armensteuer entrichten.4 Im Gegenzug werden die „Ungläubigen“ heftig kritisiert. Sie sind die Feinde Gottes, ihre gerechte Strafe wird sie nach dem Tod in der Hölle ereilen.

Gott wird charakterisiert als weise, gerecht und gütig; als Beschützer der Gläubigen. Und vor allem barmherzig. Fast jede Sure beginnt mit dem Vers „Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen.“ Dass Gott die Gottlosen straft, wird nicht als Grausamkeit, sondern als Gerechtigkeitsausgleich verstanden. Als Parallele drängt sich das alttestamentliche Tat-Folge-Prinzip auf.

Häufiger hatte ich eine Art „deja-vú“-Erfahrung, als hätte ich das Gleiche vor kurzem erst gelesen. Im Koran werden bestimmte Geschichten immer wieder erzählt, bestimmte theologische Pointen immmer wieder eingeschärft. Besonderes Highlight für mich als christlichen Theologen ist das ursprünglich biblische Material: Ständig werden biblische Geschichten auf eigentümliche Weise nacherzählt. Besonders die Moseerzählung hatte es Mohammed anscheinend angetan. Die Geschichte von Mose und den Zauberern des Pharao wird immer und immer wieder erzählt.

Die alttestamentlichen Geschichten dienen dem Koran als Lehrerzählungen. Sie dienen der Beweisführungen der Treue Gottes, und der Unausweichlichkeit des Schicksals der Gottlosen und Übeltäter.

Sadschʿ – Der Poetry-Slam des 7. Jahrhunderts!

Auch formell drängen sich Vergleiche zum Alten Testament auf. Der Text klingt oft wie aus den Psalmen, dann wieder wie Weisheitsliteratur oder prophetische Sozialkritik. Für das ungeübte Auge wären viele Verse und ganze Abschnitte nicht vom Bibeltext zu unterscheiden.

Das hat mich überrascht, dürfte es doch eigentlich so gut wie keine kulturellen Überschneidungen zwischen den Autoren des Alten Testaments und dem Arabien des 7. Jahrhundert geben. Ich vermute deshalb, dass die stilistischen Ähnlichkeiten auf die deutsche Übersetzung zurückzuführen sind. Für den Koran gibt es im Internet mehrere kostenlose oder sehr günstige Koranübersetzungen auf Deutsch. Die meisten davon sind aus der Zeit um 1900 und lesen sich entsprechend holprig. Dass die Sprache entfernt an die alte Lutherübersetzung erinnert ist also kein Zufall.5

Der Koran eignet sich eigentlich überhaupt nicht zum Übersetzen. Zum einen sieht die traditionelle muslimische Lehre Koranübersetzungen nicht vor. Wegen der strengen Verbalinspirationslehre gilt nur der arabische Urtext als gültiges Wort Gottes. Außerdem ist der Koran fast durchgängig in einer speziellen Reimform verfasst, dem sogenannten Sadschʿ. Es gibt Übersetzungen, die dieses Reimschema (auf Kosten der inhaltlichen Genauigkeit) ins Deutsche zu übertragen versuchen. Das klingt dann zum Beispiel so:6

Trag vor in des Herren Namen,
Der euch schuf aus blutigem Samen!
Trag vor! Er ist der Geehrte,
Der mit dem Schreibrohr lehrte,
Was noch kein Menschenohr hörte.
Doch der Mensch ist störrischer Art,
Nicht achtend, daß Er ihn gewahrt.
Doch zu Gott führt einst die Fahrt.

Da kann man verstehen, warum Orientalisten den Koran ein „sprachliches Kunstwerk besonderer Art“ nennen, und warum traditionellerweise die arabische Lektüre empfohlen wird. Das liest sich fast wie ein moderner Poetry-Slam (und selbst die zitierte Übersetzung stammt aus dem 19. Jahrhundert)!

„Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt“ – Das Kontroverse

Zum Schluss muss ich natürlich auf die berühmten Gewalt-Verse eingehen. Denn wenn auch kaum ein deutscher Nichtmuslim den Koran je gelesen hat – dass es da ganz gewalttätig drin zugeht ist quasi Allgemeinwissen.

Und ja, es gibt diese Stellen. Es sind wenige und sie sind weit verstreut. Man zuckt schon etwas zusammen, wenn man liest:

Und bekämpft in Allahs Pfad, wer euch bekämpft; doch übertretet nicht; siehe, Allah liebt nicht die Übertreter.
Und erschlagt sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie, von wannen sie euch vertrieben; denn Verführung ist schlimmer als Totschlag. Bekämpft sie jedoch nicht bei der heiligen Moschee, es sei denn, sie bekämpften euch in ihr. Greifen sie euch jedoch an, dann schlagt sie tot. Also ist der Lohn der Ungläubigen. (Sure 2,186)

Der Koran enthält außerdem zahlreiche Versicherungen, dass Gott die Ungläubigen strafen wird, dass sie nicht ins Paradies kommen werden. Das Wir-Die-Schema ist unverkennbar. Besonders Christen kommen im Koran schlecht weg, weil sie aus dessen Perspektive mit ihrer Trinitätslehre Vielgötterei betreiben.

Trotzdem kann ich als christlicher Theologie nicht zum Schluss kommen, der Koran rufe zur Gewalt auf oder habe Gewalttätigkeit gar als Fundament. Die Stellen, die zur Gewalt aufrufen, sind jedesmal klar historisch einzuordnen, oft wird auf Verfolgungs- und Kriegssituationen angespielt. Auch hier sind die Parallelen zum Alten Testament unübersehbar, wo es auch Aufrufe zur Gewalt gibt. Garstigere noch als die des Koran. Hier wie da ist klar, dass diese Stellen in einen historischen Rahmen gehören und nur von daher zu verstehen sind.

Natürlich, der Koran kann mit Christen und Juden nicht viel anfangen, sein Ziel ist die Definition einer eigenen Religionsgemeinschaft. Aber eine systematische Feindschaft mit Andersgläubigen wird in meinen Augen im Koran nicht begründet. Der Koran kann nämlich auch ganz laizistisch, wenn es etwa in Sure 109 heißt:

Sag: O ihr Ungläubigen,
ich diene nicht dem, dem ihr dient,
und ihr dient nicht Dem, Dem ich diene.
Und ich werde (auch) nicht dem dienen, dem ihr gedient habt,
Und ihr werdet nicht Dem dienen, Dem ich diene.
Euch eure Religion und mir meine Religion.

Und in Sure 2,59 geht die Akzeptanz von Juden und Christen („Nazarener“) sogar noch weiter:

Siehe sie, die da glauben, und die Juden und die Nazarener und die Sabier – wer immer an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und das Rechte tut, die haben ihren Lohn bei ihrem Herrn, und Furcht kommt nicht über sie, und nicht werden sie traurig sein.


Insgesamt wird also im Koran bei weitem nicht so heiß gegessen wie gekocht. Ich halte den Koran für eine recht vernünftige heilige Schrift. Ich bin schlussendlich sogar geneigt, nach meiner Lektüre eine Art ökumenischen Geist im Koran auszumachen. Der Koran fordert, Gott allein zu verehren, mit ihm in Beziehung zu treten und sich um Schwächere zu kümmern. Da kann ich als Christ ohne Weiteres mitgehen (ich muss sogar!). Natürlich sind dem Koran viele Dinge fremd, die für christliche Theologie wichtig sind – keine Spur einer Rechtfertigungslehre, keine Christologie. Aber diese Dinge sind dem Judentum, unserer engsten Schwesterreligion, ebenso unbekannt.

Am Ende aber bleibt auch bei mir ein gewisser Abstand, eine Fremdheit. Die Kultur des Koran könnte meiner (und der der Bibel) kaum fremder sein. Die meisten Verse bleiben für mich rätselhaft. Aber wenn jemand bereit ist, Berührungsängste mit dem Islam abzubauen, ist ein bisschen Koranlektüre ein guter Anfang.


  1. Es ist ja schon erstaunlich, wenn jemand aus dem „christlichen Abendland“ die Bibel durchgelesen hat.
  2. Gelesen habe ich die Übersetzung von Max Henning, anno 1901.
  3. Es ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass das arabische Wort „Allah“ nichts anderes heißt als „Gott“. Auch arabischsprachige Christen sprechen Gott selbstverständlich mit „Allah“ an.
  4. Die Pilgerfahrt nach Mekka und das Fasten am Ramadan, die die fünf Säulen komplettieren, werden auch erwähnt, aber nicht so häufig.
  5. Über die schlechte Qualität deutscher Koranübersetzungen hat sich übrigens auch schon Martin Luther beschwert – aber das ist eine Geschichte für einen anderen Artikel.
  6. Sure 96 Nach der Übersetzung von Hubert Grimme, aus de.wikipedia.org/wiki/Sadsch.
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10 Kommentare anzeigen

  1. Welche Übersetzung hast du denn letztlich gewählt? Ich habe damals die von Paret gelesen, liest sich aufgrund der angestrebten Genauigkeit holperig, aber damit zumindest nicht wie Luther und frei vom Schwulst des 19. Jh. (den ich sonst ja auch schätze).

    Die Ähnlichkeit zu AT und Psalmen fiel mir auch auf. Aber auch zur nachpaulinischen Epistelliteratur, gerade was die ständigen Ermahnungen mit Blick auf das nahe Gericht sowie das Wir/Sie-Schema betrifft.

    Diesen Satz kann ich deshalb eigentlich nicht unterschreiben: „Die Kultur des Koran könnte meiner (und der der Bibel) kaum fremder sein.“ Da ist mir der Buddhismus weitaus fremder. Und ich habe den Koran jedenfalls so gelesen, dass gerade aufgrund der Allmacht und Allsouveränität Gottes es sich letztlich um eine Gnadenreligion handelt. Gottes Barmherzigkeit steht letztlich noch jenseits des Tun-Ergehens-Zusammenhang (siehe z.B. auch Al Ghazali).

    Das, was mir am Islam doch nachhaltig fremd ist (das Kriegerethos, der penible Ritualismus und die ethische Kasuistik), wurde mir erst in der Prophetenbiographie von Ibn Ishaq oder der Hadithliteratur so richtig deutlich.

    Tolle Idee jedenfalls: sowohl die Themenwoche als auch konkret diese Rezension.

    Grüße aus Würzburg,
    T.G.

    • Ich frage mich immer mal wieder, ob unsere „Fremdheit“ dem Koran gegenüber nicht von unserer weiträumigen Unkenntnis oder Ignoranz im Umgang mit der Bibel herrührt. „Kriegerethos, der penible Ritualismus und die ethische Kasuistik“ vermag ich ebenso im AT wahrzunehmen. Wir gehen da nur viel selektiver vor und nennen das dann die „Mitte der Schrift“. Mit welchem hermeneutischen Schlüssel sollte man sich denn dem Koran zuwenden? Was den Propheten treibet?

      • Nun, ich habe nie behauptet, dass mir Teile des AT nicht fremd sind. Zu ganzen Büchern habe ich noch keinen Zugang gefunden, etwa Josua, Hesekiel oder Obadja. Mit der ja ziemlich zentralen Exodustradition habe ich mich auch lange schwer getan, bis der Kommentar von Dozeman mir das betreffende Buch doch noch einmal neu erschlossen hat. Auch im NT ist mir vieles fremd. Unkenntnis und Ignoranz möchte ich mir trotzdem nicht vorwerfen lassen. Gerade mit Blick auf den Koran hatte ich ja geschrieben, dass sich bei mir dort diese Fremdheit gerade nicht über die Maßen eingestellt hat.

        Ich vermute, dass es für den Islam gerade nicht sinnvoll ist, auf den Propheten als leitendes hermeneutisches Kriterium abzustellen. Denn ich wage mal die zugespitzte These: Der Prophet Mohammed kommt im Koran eigentlich gar nicht vor. Und Mohammed ist eben nach islamischem Verständnis nicht der Gottessohn, sondern der Überbringer des Korans. Eher müsste man es umkehren: Was an Mohammed vorbildlich ist, ergibt sich erst vom Koran her. Ich würde den wiederum von der Trias aus striktem Monotheismus, Gerichtserwartung und Gnadenverkündung her lesen unter der Leitfrage: Wie gebe ich Gottes Willen in meinem Tun die Ehre?

        Ich nehme eher die Chance wahr, den Koran aus der vorherrschenden Auslegungstradition zu lösen und sozusagen erst einmal „beim Wort zu nehmen“. Reformansätze im Islam gehen ja häufig genau in diese Richtung (btw Reformation und sola scriptura anyone?). Denn vieles, was heute zu Problemen führt, steht im Koran „streng“ genommen gar nicht drin!

        Das Problem der Jihadisten ist ja nicht so sehr, dass sie den Koran wörtlich nehmen, sondern dass sie sich dabei maßgeblich an dem orientieren, was sie für die reinen Anfänge des Islam halten – die Prophetenbiographie mit ihren Kriegen spielt dabei keine zu unterschätzende Rolle und wird faktisch auch hermeneutisches Kriterium des Korans. Durch Auslegungsregeln wie die, dass eine jüngere Sure die ältere ersetzt, werden dann tolerantere „mekkanische“ Koranabschnitte durch die strikteren aus der Phase des Mekkanisch-Medinesischen-Krieges ausgehebelt, statt dass sie sich wechselseitig erhellen.

        Dass diese Unterscheidung nicht aus dem Koran selbst stammt, sondern an ihn herangetragen ist, ist die Achillesferse dieses Fundamentalismus aus.

        • Das war von mir gar nicht als Vorwurf – erst recht nicht an Dich persönlich – gedacht, sondern als Vermutung, warum „uns“ die Bibel mit ihren – jetzt mal der Einfachheit halber – Absonderlichkeiten nicht so sehr aufstößt, wie die ach so schwierigen Passagen des Koran.

          Das was Du zur Auslegung des Koran schreibst finde ich sehr interessant, auch weil wir im Themenmonat z.B. noch von islamischen Feministinnen hören werden, die sich explizit auf den Koran berufen. Das hat mich nicht nur an die christliche feministische Theologie erinnert, die ja die Frauen auch in der Bibel „entdeckte“, sondern auch – wie Du richtig ansprichst – an fast jede reformatorische Bewegung, die ja so häufig zu den Grundlagen zurück gehen. Diese Grundlage scheint mir beim Islam noch viel klarer „die Schrift“ zu sein, als es schon im Christentum der Fall ist. Allein bräuchte es dazu wohl ein etwas differenziertes Verständnis von Offenbarung und schlussendlich eine historisch-kritische Koranforschung.

          • Habe es nicht persönlich genommen. Für manche, die sich da draußen mit einem Reclam-Koran und Omas unrevidierter Lutherbibel als vergleichende Religionswissenschaftler betätigen, dürfte das ja auch gelten. Anderen Islamkritikern, gerade aus der evangelikalen Ecke, kann man diese Unkenntnis eher nicht vorwerfen.

            Für mich geht der Weg erst einmal über eine historisch-kritische Erforschung der Hadithsammlungen und der Prophetenbiographie. Das hat den Vorteil, dass es sich hierbei nicht um direkt inspirierte Texte handelt. Auch wir Christen haben uns mit dem AT und den altkirchlichen Dogmen ja immer leichter getan als mit der Frage, welche Jesusworte jetzt authentisch sind.

            Ich denke auch, dass damit für die Kontextualisierung des Islam mehr gewonnen sein dürfte, als wenn man irgendwelche Nachträge in bestimmten Suren aufweist. Nicht zuletzt kann man an eine lange Tradition diesbezüglicher „Kritik“ im Islam selbst anknüpfen. An den Überlieferungen der anderen Schulen war so eine Kritik schließlich immer schon möglich…

            Der Koran selbst wäre dann ein nächster Schritt.

    • Schiraz Ben Hamadou

      Ist auch die immer wiederholenden Stellen, der abgrundtiefenAbneigung von Lügner, Betrüger, Heuchler, Diebe, hinterhältige Manipulanten aufgefallen? Menschen, die solch ein Lebensweg wählen und propagieren, deren Sinne verschliessen sich, und das ist im Grunde die Resonanz, die ihrer Absicht entspricht. Die sich alles andere als Wohl anfühlt. Den Menschen sieht man das an, an der Unfähigkeit zu strahlen. Wer das verinnerlicht und es erkennt und beschließt nach AllerGottes Prinzip zu leben, braucht Geduld, und dem wird sich die Fülle zuteil sein.

  2. Zwei Anmerkungen, die mir beim Überfliegen des Textes und der Kommentare auffallen:
    1. Mohammed hat im Islam – nach dem, was ich aus meinen wenigen Islam-Veranstaltungen weiß – sehr wohl eine Vorbildrolle. Zwar dem Koran nachgeordnet, aber das Leben des Mohammed gilt danach (an der wie vielten Stelle weiß ich nicht) eben doch als Vorbild, dem es zu folgen gilt. Natürlich anders, als es bei uns Christen mit Jesus ist. Aber seine Lebensführung ist alles andere als egal.
    2. Der Titel allein ist ja schon eines der Grundprobleme: „von Mohammed“. Ist er der Autor? Historisch ist er es meines Wissens nach nicht, zumindest hat er es nicht selbst aufgeschrieben. Oder ist es Allah selber?
    Das ist doch das Problem. Wir können den Koran natürlich immer munter historisch einordnen. Aber der Koran ist von seiner Stellung her nunmal eher mit Jesus zu vergleichen und den einfach „nur“ historisch einzuordnen finde ich doch als Christ eher schwierig. Da ist es dann verständlicherweise schwierig, wenn an den Koran mit denselben historsich-kritischen Methoden herangegangen wird wie an die Bibel.

    • Volle Zustimmung. Dass Mohammed als Vorbild gilt, ist unstrittig. Aber die betreffenden Überlieferungen gelten eben nicht als in dem Maße göttlich inspiriert wie der Koran. Deshalb sollten sie auch für Muslime ihrem religiösen Verständnis nach prinzipiell kritisierbar sein (deshalb werden ja die Überlieferungsketten aufgezählt!), während der Koran vermutlich nur (mehr oder weniger angemessen) interpretierbar ist.

      Ich meine auch, dass eine historische Kritik, die versucht, das Geschehen „hinter dem Koran“ aufzudecken, scheitern muss. Für die Glaubenspraxis von Muslimen dürfte sie entweder irrelevant sein oder eher Abwehr erzeugen. Vergleiche Forschungen, die versuchen, Jesus gänzlich als Fiktion zu entlarven oder die Auferstehung als Jüngerbetrug.

      Also: Welche Art historischer Kritik ist im Islam denkbar? Ich denke, bei den Überlieferungen über den Propheten und seine Gefährten wäre eine historisch-kritische Forschung möglich und auch schon zumindest in Ansätzen vorhanden. Auch frommen Muslimen sollte es möglich sein Fragen zu stellen wie die, warum z.B. die Sunniten ein bestimmtes Bild von Mohammed, Abu Bakr und Aischa überliefern und weshalb da vielleicht nicht nur historische Erinnerungen, sondern auch bestimmte historische Interessen im Spiel sind.

      Hier könnte historische Kritik sogar als Erleichterung und Bereicherung empfunden werden. So wie für viele (natürlich nicht alle) Christen die historisch-kritische Erforschung des Alten Testaments.

      Meine Hoffnung wäre, dass sich das mittelbar dann auch auswirkt auf die Art, wie der Koran gelesen und verstanden wird. So wie z.B. Wissen um das antike Judentum den Blick auf das Neue Testament schärft und manches aus diesem Kontext neu erschließt, ohne dass Jesus für Glaubende damit „wegerklärt“ werden könnte.

    • Der Titel ist natürlich mit einer gesunden Prise Ironie zu verstehen. Wenn ich es richtig verstehe hat Mohammed den Koran nicht geschrieben, sondern seine Worte (Koran heißt ja „Vortrag“) wurden von seinen Anhängern tradiert und aufgeschrieben. Trotzdem ist Mohammed wohl „mehr“ Autor des Korans als etwa Jesus Autor der Jesus-Logien war.

      Ich finde man kann den Koran ruhig historisch einordnen und so lesen und untersuchen, ist sicher spannend. Nur der muslimischen Glaubenslehre kann man schwerlich vorschreiben, wie sie den Koran zu lesen hat. Ich finde es wird dann problematisch, wenn unser christlicher historisch-kritischer Ansatz dem Islam als „einzig aufgeklärter Weg“ aufgedrückt wird.

  3. Nach meinen Studien der Bibel (viel hörensagen), des Korans und der Tora Seminare bei einem Rabi, fiel mir auf, dass sie sich im Grunde nicht ersetzen sollen sondern ergänzen.

    Das Verständnis der Bücher kann faktisch „Materiell“ aufgefasst werden (begrenzt, deshalb all die Auseinandersetzungen) oder aber metaphorisch (Grenzenlos), das das materielle beinhaltet.

    Die Stärke des Judentums ist: Bewusstsein Moses gelang es mit der Kraft des Bewusstseins unmögliches möglich zu machen: Botschaftüberbringer

    Jesus: Bewusstsein & Heilkraft… Prototyp von einem Mann (Beschnitten/kein Verzehr von Schwein inbegriffen)

    Mohamed: hier geht es um Bewusstsein, Heilkraft & NaturWissenschaft, Studieren ist ein Geld-unabhängiges Menschenrecht, Gleichstellung Frau/Mann: Botschaftsüberbringer

    Die 3 zusammen ergeben eine Einheit, die zum Frieden führt.
    Ungläubige sind im Grunde jene, die überwiegend und chronisch ans Versagen und an Befürchtungen glauben, ihre Grundeinstellung ist Misstrauen,
    sie ziehen das auch an und sind ständig angespannt und gestresst.
    Deren Problem ist nicht der Mangel am Glauben sondern viel mehr der starke Glaube an den Mangel.
    Dieses Unwohlgefühl ist quasi die „HöllenQual“, sie richten sich selbst zu Grunde. Sich mit solchen Menschen permanent zu umgeben bringt üblicherweise nichts bereicherndes oder erhellendes mit sich.

    Der Islam ist quasi ein vereinfachtes Judentum
    Menschen, die Jesus zwar vergöttern ihn aber nicht in seinem Sein nachahmen, stecken irgendwie in der Leid/Schmerz Spirale fest… Solch eine Lebensphase durchläuft übrigens jeder Mensch, ganz gleich welcher Herkunft/religiöse Prägung.

    Mohammed bedeutet (sowohl arabisch als auch hebräisch) ins deutsche übersetzt „Der lobpreisend Dankbare“

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