London für Theologen Fünf Tipps, die so vielleicht nicht im Reiseführer stehen
Foto: Gereon Krämer

Auch wenn der Brexit noch nachwirkt, noch ist das Vereinigte Königreich in der EU und London ist immer eine Reise wert. Man kommt ja schließlich auch schnell hin. Daher gibt es nun für den möglichen Sommertrip fünf Tipps, die sich aus theologischer Sicht lohnen.


Tipp 1: Einen Evensong besuchen

Der Evensong ist das klassische Abendgebet der anglikanischen Kirche. Er ist stark durch seine Liturgie geprägt, es werden Psalmen und andere liturgische Teile gesungen, eine Predigt gibt es allerdings in den meisten Fällen nicht. Der Evensong ist eine gute Möglichkeit, um einen Tag zu beschließen. Oftmals findet er zwischen 17.00 und 17.30 Uhr statt und dauert etwa eine Stunde. Und er bietet einen weiteren Vorteil: Wer zum Evensong geht, kommt umsonst in die Kirchen, die sonst für Besucher Eintritt verlangen.

Allerdings sollte man dennoch für den Evensong Westminster Abbey meiden. Londons berühmteste Kirche ist nämlich dann trotzdem geflutet von Touristen, die am Gottesdienst selbst nur wenig Interesse haben. Das ist also eher nichts für diejenigen, die wirklich einen Gottesdienst besuchen wollen (zudem ist die Schlange zum Evensong oft schon eine halbe Stunde vor Beginn kilometerlang).

St. Pauls Cathedral

St. Pauls Cathedral

Besser eignen sich da z.B. St. Pauls Cathedral oder Southwark Cathedral. St Pauls (Central-Line Station: St. Pauls) liegt im Zentrum der Stadt und ist eine der bekanntesten Kirchen Londons, die es spätestens seit Disney’s Marry Poppins auch zu internationaler Berühmtheit geschafft hat. Markenzeichen ist die große Kuppel, in die mutige auch hinaufsteigen können, um einen tollen Ausblick über die Stadt zu bekommen (kostet aber ein paar Pfund). Wer Glück hat, erlebt den Evensong mit Knabenchor, der tolle Stücke bereithält. Trotz der zentralen Lage ist der Evensong oft nur mittelmäßig besucht. Lange vorher anstehen braucht man also in der Regel nicht.

Southwark Cathedral (Jubilee-Line bis Southwark) ist eine der ältesten Kirchenbauten in London. Es gibt Vermutungen, dass bereits 606 n.Chr. auf dieser Seite der Themse die erste Kirche stand. Auch sonst ist der Bau einer der ältesten Londons. Vor allem das große Kirchenschiff und das Taufbecken sollte man bei dieser Gelegenheit genauer ansehen.

Tipp 2: Ein Besuch bei Hillsong London

Hillsong Gottesdienst in London

Hillsong Gottesdienst in London

Hillsong ist eine der berühmtesten Pfingst-Kirchen der Welt. Gegründet in Australien gibt es längst Ableger überall auf der Welt, eben auch in London. Jeden Sonntag wird im Zentrum der Stadt, im Dominion Theatre (Northern-Line oder Central-Line: Tottenham Court Road), Gottesdienst gefeiert und das gleich fünfmal über den Tag verteilt. Dabei gibt es alles, was Hillsong ausmacht. Band, Lichteffekte, Videos. Auch wenn man nicht so auf diese Art der Anbetung steht, lohnt sich der Besuch, um es mal gesehen zu haben, denn vergleichbares wird man in Deutschland eher selten finden. Mehr Infos zu Hillsong gibts auf hillsong.co.uk.

Tipp 3: The Book of Mormon

Das preisgekrönte Musical (u.a. Tony Award und Grammy) gibt es nur in London und am Broadway in New York (in London: Picadilly-Line: Picadilly Circus oder Leicester Square, Northern-Line: Leicester Square, Bakerloo-Line: Picadilly Circus). Robert Lopez, Trey Parker und Matt Stone (u.a. auch für Southpark verantwortlich) haben dieses Meisterwerk geschaffen, dass sich um die Geschichte von zwei Mormonen dreht, die nach erfolgreicher Ausbildung in Afrika missionieren sollen. Man kann sich vorstellen, dass das in der ein oder anderen Katastrophe enden muss. Durchsetzt mit jeder Menge schwarzem Humor ist das Musical trotzdem durchaus auch ein guter Denkanstoß, um die eigene Glaubenspraxis zu reflektieren. Wer gut über den eigenen Glauben (bzw. über Gott) lachen kann, der ist hier richtig und trifft eine gute Wahl angesichts der großen Auswahl in Londons West End.

Tipp 4: Ein Besuch in der British Library und in einem Bookshop

Die British Library (gelegen am Euston Square zwischen den Bahnhöfen Euston und King’s Cross) ist mit ihrer enormen Sammlung auf jeden Fall einen Besuch wert. Für Theologen besonders interessant: Man kann in alten Kodizes und Bibeln blättern (wenn auch nur in digitaler Form) und so einen guten Einblick in die ältesten Schriften des Christentums bekommen. Wer an Exegese interessiert ist, ist hier in jedem Fall richtig. Bei dieser Gelegenheit sei auch erwähnt, dass viele Bookshops (u.a. Waterstone, aber auch manche Charity Shops) oft eine große theologische Abteilung haben, deren Besuch lohnt. Denn viele Werke der englischen Literatur sucht man in Deutschland vergeblich. Dabei ist manches durchaus sehr spannend und lesenswert. Für einen regnerischen Tag also eine gute Alternative.

Tipp 5: Interreligiöses Erleben

In London leben viele Religionen zusammen. Kein Wunder, dass man dort in ganz andere Welten abtauchen kann, die man sonst nur aus dem Urlaub kennt. Zum Beispiel in Golders Green (Northern-Line bis Golders Green). Hier findet man sich mitten im jüdischen Leben wieder. Koschere Restaurants, Buchhandlungen mit hebräischen Werken oder schwarze Hüte für den gläubigen Mann. Touristen verirren sich zwar eher selten hierhin, trotzdem lohnt sich der Besuch sehr. Allein schon für die guten Falafel, die man hier überall bekommen kann.

Eine ganz andere Welt findet sich in Neasden (Jubilee-Line bis Neasden). Hier liegt das BAPS Shri Swaminarayan Mandir, auch Neasden Temple genannt. Das hinduistische Zentrum steht allen offen und bietet vor allem viele interessante Informationen über die Religion. Auch die Teilnahme an Gebeten und Ritualen ist möglich. Der Weg ein bisschen aus der City lohnt sich also und ist im übrigen gut zu verbinden mit dem Besuch eines weiteren „Tempels“, denn das Wembley Stadium liegt gleich um die Ecke. Alle Infos zum Tempel gibt es hier: londonmandir.baps.org

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