4 Lehrbücher, die Theologiestudierende lesen sollten

Theologiestudierende sind Lesende. Als Studiosi lesen wir in „Originaltexten“ und hoffentlich auch reichlich Primärliteratur der großen Theolog_innen vergangener Tage und von heute. Doch ohne gute Sekundärliteratur, d.h. Aufsätze und eben auch Lehrbücher, wird niemand von uns studieren können.

Riesig ist deshalb die Auswahl von Lehrbüchern, aus denen die Dozent_innen oftmals ihre Lieblinge zur Lektüre empfehlen. Einige Autor_innen von theologiestudierende.de empfehlen Euch in diesem Artikel ihre Lieblingslehrbücher. Alle haben sie gemeinsam, in ihr jeweiliges Thema in Kürze und für Studierende verständlich einzuführen.


Bernd Moeller: Geschichte des Christentums in Grundzügen

Als ich mit dem Theologiestudium anfing, fühlte ich mich zu Beginn nicht besonders klug. Ich stellte fest, dass ich erst einmal von nichts eine Ahnung hatte und nicht verstand, wovon alle redeten. Für die Kirchengeschichte konnte mir da Bernd Moellers „Geschichte des Christentums in Grundzügen“ Abhilfe schaffen. Das ist ein relativ kompakter (Ohne Literaturverzeichnis 364 Seiten, trotzdem ein Taschenbuch!) kirchengeschichtlicher Rundumschlag, der von Paulus über die Kirchenväter zur Reformation und von dort weiter bis zur Ökumenischen Bewegung des frühen 21. Jahrhunderts reicht.

Das Buch war damals in meinem kirchengeschichtlichen Proseminar Pflichtlektüre. Nach dem Lesen rauchte mir der Kopf, aber zumindest hatte ich alles wichtige wenigstens einmal gehört. Das Buch ist übersichtlich gegliedert und so kann ich schnell nachsehen, wenn ich z.B. mal einen Überblick über die Konstantinische Wende in wenigen Absätzen benötige oder schon wieder die ganzen Kirchenväter durcheinanderbringe. Dringend empfehlenswert!

(Max Melzer)

Ulrich Kühn: Christologie

Anhand der wichtigsten Stationen der Dogmengeschichte und der aktuellen Diskussionslinien führt Ulrich Kühn in die Christologie ein. Dieses vielleicht wichtigste Topoi der materialen Dogmatik stellt für viele Studierende eine anziehende, gleichzeitig mit Erwartungen und Problemen verbundene Welt dar.

Diesen Problemen geht Kühn nach. Welche Rolle spielt die Christologie der Vergangenheit für unser Denken heute? Welche Rolle spielt Jesus (Christus) in anderen Religionen? Welche Auswirkung haben christologische Entscheidungen auf unser Zusammenleben mit Moslems und Juden und vor allem für unseren eigenen Glauben? Die wichtigsten theologischen Positionen bis in das 20. Jahrhundert deckt Kühn dabei ab. Daher eignet sich das Buch auch als gute Vorbereitung auf Prüfungen. Für ein ausführlicheres Studium der Christologie ist der Band ein guter Ausgangspunkt.

(Philipp Greifenstein)

Wilfried Engemann: Einführung in die Homiletik

Als Lehrbuch der Homiletik für das Theologiestudium ist Wilfried Engemanns „Einführung in die Homiletik“ schlicht gelungen. Es führt in alle gängigen Fragen und aktuelle Theorien ein, ohne Anspruch auf Allweisheit zu erheben. Die Schaubilder und der vorgeschlagene Plan zur Erarbeitung einer Predigt werden allen helfen, die solche Arbeitshilfen gerne benutzen.

Als homiletisches Beispielbuch und Kompedium ist die Einführung unverzichtbar. Die zahlreichen Beispiele aus der Praxis, ihre Einordnung und Erklärung bilden den wertvollsten Teil des Buches. Kein Prediger, keine Predigerin wird sich bei der Lektüre nicht einmal ertappt gefühlt haben. Für Pfarrerinnen und Pfarrer könnte die Lektüre des Buches also einen wichtigen Beitrag zur eigenen Predigthygiene bilden.

Je nach eigener Vorliebe (oder der Vorliebe des Professors oder der Professorin) wählen Studierende einen Schwerpunkt ihres homiletischen Interesses. Trotz allem ist ein genereller Überblick über das Fach notwendig. Engemann liefert genau diesen in seinem für Studierende leicht verständlichen und zugänglichen Werk. Seinen eigentlichen Wert aber entwickelt das Buch als Korrekturhilfe für Praktiker. Ihnen und allen an der evangelischen Predigt Interessierten sei die Lektüre ausdrücklich empfohlen.

(Philipp Greifenstein)

Rochus Leonhardt: Grundinformation Dogmatik

Vor ein Paar Semestern nahm ich all meinen Mut zusammen und stellte meinen Systematik-Professor die dreiste Frage: „Herr Leonhardt, mal angenommen ein Student der Theologie hat für sein ST-Examen nur Zeit um ein einziges Buch zu lesen – welches würden sie empfehlen? Ich frage für einen Freund.“ Mein Prof musste nicht lange überlegen und antwortete: „Natürlich das Buch!“ Er sprach von Rochus Leonhardts „Grundinformation Dogmatik“. Na klar, der Herr Professor empfiehlt auf die Frage sein eigenes Buch. Nicht ohne Zweifel bestellte ich mir ein Exemplar, wurde jedoch nicht enttäuscht.

Die Grundinformation Dogmatik ist ein ganz ausgezeichnetes Lehrbuch für Leute, die weder Ahnung von systematischer Theologie noch nennenswerte Quellenkenntnis besitzen – also auch für mich. In wirklich gut lesbarer und verständlicher Sprache wird zunächst ein Gang durch die Theologiegeschichte und danach eine Einleitung in jeden Topos einer klassischen Dogmatik geliefert. Das ganze gelingt Leonhardt in überschaubaren 430 Seiten Fließtext. Zwischendrin gibt es immer wieder praktische Infokästchen und weiterführende Literatur.

Nett ist, dass Leonhardt wo möglich die Dogmatiker der Kirchengeschichte selbst zu Wort kommen lässt. Durch ausführliche Zitate lernt der geneigte Student nicht nur Inhalte, sondern bekommt auch ein Gefühl für die Sprachwelt der jeweiligen Autoren. (Dass Leonhardt fast alle lateinischen und französischen Blockzitate selbst ins Deutsche übersetzt hat, bringt ihm zusätzliche Fleißpunkte ein.)

(Max Melzer)

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Ein Kommentar

  1. Oliver

    Gute Auswahl !!!
    Die 4 vorgestellten Bücher kann ich auch empfehlen.
    Hilfreich ist es aber, daneben ähnliche Bücher als Kontrolle zu lesen,
    um die Meinungen der jeweiligen Autoren besser herausfiltern zu können.

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