Lesenswert #30 – Internet-Monster und Internet-Kirchtürme

Kirche gegen Rechts – klingt gut, aber …

Normalerweise werde ich skeptisch, wenn jemand pauschal behauptet, die EKD sei ja viel zu links. Anders bei dieser Kritik von Philipp Kurowski am politischen Engagement der Kirchen – ein Engagement, das den Zugang zum Mittelstand verloren zu haben scheint. Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland, Großbritannien und anderen Ländern geben ihm Recht:

Momentan sind wir als Kirche allerdings voll auf Kurs der Grünen: wir vermögen das Moralisch integre Bürgertum abzubilden, dem wir ja auch oft entstammen, die uns in vielem am nächsten sind. Dass Kathrin Göring-Eckart problemlos zwischen grünem Politikbetrieb und verantwortlichen Positionen in der evangelischen Kirche wechseln konnte, ist dafür nur ein Indiz.

They Have To Be Monsters

Mal etwas aus einer völlig nicht-theologischen Ecke. Jeff Atwood ist ein bekannter Software-Entwickler in einer Community, die wie viele andere damit kämpft, dass Menschen im Internet oft grausam und völlig empathiebefreit sind. Im Nachdenken über Ursachen dieses Problems macht Atwood eine anthropologische Entdeckung, die über den sonst üblichen Weltverbesserungs-Aktionismus hinausgeht und den Blick auf uns selbst wirft:

It’s easy to practice empathy when you limit it to people that are easy to empathize with – the downtrodden, the undeserving victims. But it is another matter entirely to empathize with those that hate, harangue, and intentionally make other people’s lives miserable. If you can do this, you are a far better person than me. I struggle with it. But my hat is off to you. There’s no better way to teach empathy than to practice it, in the most difficult situations.

Der Wolf im Schafspelz? Christen in der AfD

Die katholische Bloggerin Ida Nielsson hat die “Christen in der AfD” unter die Lupe genommen – ein interessanter Einblick, wie konsequent konservative Christen den Populismus der AfD beurteilen:

Was also löst die Angst vor Muslimen, die nicht nur unter AfD-Anhängern verbreitet zu sein scheint, aus? Ist es vielleicht am Ende die Angst, dass die eigene Kultur schwächer ist, als die der Einwanderer? Wer die eigene Kultur als schwach wahrnimmt, wird sich möglicherweise vor einer fremden fürchten.

Uns bereiten weniger muslimische Einwanderer als vor allem die zunehmende religiöse Indifferenz und Konfessionslosigkeit Sorge und diese erscheinen uns als weit größere Bedrohung einer christlichen Kultur, als ein paar Millionen Muslime in Deutschland.

Die Sache mit wlan in Deutschland, der Kirche und dem Versagen von allen relevanten Entscheidern

Noch ein Text aus einer ganz untheologischen Richtung. Der Tech-Blogger Sven Dietrich hat vom Berliner WLAN-Projekt “Godspot” gehört und ist beeindruckt. Und vor allem überrascht: Denn die Kirche wäre nun wirklich die letzte Instanz gewesen, von der er sich einen Fortschritt auf diesem Gebiet erhofft hätte:

Und ausgerechnet die Kirche, dieser massive, riesige, komplizierte Tanker mit all seinen Prozessen und Entscheidungen, die größtenteils unlogisch sind, ausgerechnet die wollen in Berlin großflächig freies wlan machen. Wtf?

Da ist doch was faul

Pfarrer Sebastian Baer-Henney schreibt über die alltäglichen kleinen Frustrationen, die ihm die kirchlichen Strukturen bereiten. Er steigert sich in einen Rant, der zwar viel bereits Gesagtes und manche Phrase enthält, aber trotzdem wichtig ist:

Es ist dringend an der Zeit, im Denken einiges umzustellen. Es ist dringend an der Zeit, mit der Illusion zu brechen, dass wir so weitermachen können wie bisher – denn dann werden die meisten Gemeinden nicht überleben. Es ist dringend an der Zeit, dass wir unsere Kräfte nicht in gut gemachte Arbeit investieren, die viel zu wenig austrägt. Es ist dringend an der Zeit, dass wir gut gemachte Arbeit liefern, die die Menschen auch betrifft.

Schlagwörter: , , , , , , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.