Kindern den Glauben vermitteln – (K)ein Kinderspiel?
Foto: Christine Fuhrmannek

In unserem Wohnzimmerregal stehen einige Bücher. Unter anderem auch „Fünf Minuten mit dem lieben Gott“, mehrere Kinderbibeln (auch eine ganz alte, die meine Oma schon ihren Schulkindern vorgelesen hat) und eine Reihe anderer christlicher Bücher für Kleinkinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich in den Jahren angesammelt haben. An Literatur mangelt es bei uns nicht.

Trotzdem muss ich zugeben, diese Bücher im Alltag mit zwei Kindern relativ wenig aufzuschlagen. Regelmäßige Gottesdienstbesuche und Bibellesestunden sind eine Utopie, besonders wenn man Kleinstkinder in der Familie hat.

Wenn ich meinem großen Sohn (Zweitklässler) dann doch überreden kann und Geschichten aus der Bibel vorlese, dann stellt er nüchtern fest: „Damals war ja ständig Krieg!“ – er bezieht sich auf die Eroberung Jerichos und auf die Unterdrückung Israels in Ägypten. Die Geschichten von der Sintflut und dem Turmbau zu Babel machen meinen Sohn stutzig. Ist Gott im alten Testamenten denn wirklich brutal und kriegerisch? „Weshalb ließ er beinahe alle Menschen absaufen?“

Die Aktualität dieser Frage ist makaber und die Frage selbst gar nicht so leicht zu beantworten. Kindern Glauben zu vermitteln ist keine Vorleseübung. Immer wieder stelle ich fest, dass unseren Sohn mittlerweile die Geschichten aus der Bibel nicht richtig interessieren.

Als Kind lebt er in der Gegenwart und stellt Fragen der Gegenwart: „Weshalb zerhäckseln Menschen männliche Küken, nur weil sie keine Eier legen können?“, „Wieso möchten einige Menschen keine Flüchtlinge nach Deutschland lassen?“

So manch eine Frage beantwortet auch „Die Sendung mit der Maus“, aber dennoch möchte ich ihm trotz Vorlese-Unlust den Glauben (und auch die Bibelgeschichten) näher bringen.

Zugegeben, auch seine Gegenwartsfragen sind nicht in einem Satz beantwortet. Dank einiger Bibelstellen entfacht eine Diskussion zwischen uns: Hat Gott nicht den Menschen erschaffen, damit er herrscht über die Natur, die Pflanzen und die Tiere? Was bedeutet „herrschen“ und erlaubt es das Töten von „nutzlosen“ Küken?

Zusammen mit meinem  Sohn überlege ich, wo in der Bibel auch geflohen wird und wie damit umgegangen wird. Im Alltag Glauben und Bibelgeschichten zu vermitteln erscheint mir plötzlich gar nicht mehr so schwer.

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Ein Kommentar

  1. Sebastian Schumacher

    Hallo,
    was würden Sie empfinden, wenn Ihr Kind trotz aller Bemühungen nicht gläubig wird? Wären Sie sehr enttäuscht? Würden Sie sich Vorwürfe machen? Ich habe keine Kinder, aber ich stelle mir das schwer zu schlucken vor. Als Ungläubiger würde ich mich zumindest wundern, wenn mein Kind gläubig wird. Ich würde bei Nachfragen auch Gott als fiktive Vorstellung beschreiben und als etwas, dass manche Menschen glauben, seine Eltern aber nicht. Das ist zwar auch Beeinflussung, aber wir alle können nicht aus unserer Haut. Wenn mein Kind von selbst gläubig wird (was immer das heißen mag), würde ich ein kleines Kind sehr wohl in seinem Glauben belassen und einem älteren Kind versuchen, meinen Standpunkt klarzumachen. So oder so sollte kein Gott zwischen Eltern und Kindern stehen, auch wenn Jesus etwas anderes wollte (vgl. Matthäus 10.35).

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