Gedanken zur Monatslosung für Juli
Foto: JJackman (CC BY-SA 3.0)

„Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüberziehen lassen und den Namen des Herrn vor dir ausrufen. Ich gewährte Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen, wem ich will.“
Ex 33,19 (E)

Vollkommene Schönheit. Was bedeutet das? Sollte jemand einen besonderen Körperbau haben, eine gerade Nase, gut verteilte Proportionen? Aber Schönheit liegt doch bekanntlich im Auge des Betrachters.
Oder kommt es doch nur auf den Charakter an? Ist eine schöne Person besonders freundlich, liebenswert und zuvorkommend? Wahre Schönheit kommt ja von innen.
Luther übersetzt das Wort tuwi, das an dieser Stelle im hebräischen Text steht, mit „meine Güte“. Die Grundbedeutung ist tatsächlich „gut“. Geht es also um die innere Schönheit Gottes: um seine Güte, Gnade, Erbarmen, Liebe … – um all das, was wir (positiv) mit ihm verbinden? Friede, Freude, Eierkuchen?
Was ist dann aber mit den negativen Seiten? Schaue ich vor allem in das Alte Testament, begegnet mir Gottes Zorn, seine Eifersucht, seine Rache. Machen diese Seiten Gott hässlich? Sie gehören doch genauso zu ihm, machen ihn „menschlich“! So wird Gott für uns greifbar.

Ich finde es schon bei Menschen schwierig, ihre Schönheit zu beurteilen. Schönheit liegt im Auge des Betrachters – und das ist gut so! Wo kämen wir hin, wenn jeder Mensch dasselbe schön fände? Einige könnten sich vor Angeboten kaum retten, andere würden (grundlos) einsam sterben bis nur noch zwei absolut perfekt-schöne Menschen übrig blieben. Ein trauriges Bild. Ich glaube lieber, dass Gott für jeden Topf einen Deckel geschaffen hat und niemand, wirklich niemand, sich hässlich fühlen muss!

Komme ich aber zu Gottes Schönheit oder Güte zurück, wird das ganze schon wieder schwierig. Immer wieder betont Gott im Alten Testament, dass sein wahres Wesen – und damit auch seine wahre Schönheit – von keinem Menschen gesehen werden darf, weil derjenige das nicht überleben würde. So erscheint er einigen Auserwählten im brennenden Dornenbusch, im Säuseln des Windes oder durch Boten. Ziemlich riskant, ihn sehen zu wollen! Es hat aber auch einen riesigen Vorteil, dass ich Gottes Schönheit nicht sehen kann und darf: Er setzt so keinen Maßstab für das vollkommen Schöne und Gute! Ich darf und kann mir die Schönheit sozusagen nach meinem Bilde ausmalen und das für mich perekt-schöne Ebenbild Gottes auf Erden suchen und finden. Und doch spüre ich seine Güte, in der er sich mir zuwendet, und so auch seine absolut perfekt-vollkommene Schönheit in mir und meinen Mitmenschen!


Die Monatssprüche werden von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen herausgegeben, um durch das Jahr hindurch geistige Impulse und Anregungen zu bieten. Mehr erfahrt ihr hier.

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