Moment Mal: Leidende Kirche
Foto: Kurren (CC BY-NC-ND 2.0)

Die letzten Wochen brachten Leid mit sich. Denn der Regen hörte nicht mehr auf, und die Menschen in Braunsbach, Schwäbisch Gmünd… ahnten nicht, dass eine Flut kommt. Die Menschen in Orlando ahnten auch nicht, dass sie ermordet würden. Nicht die einzigen schrecklichen Ereignisse in der Welt.

Den neben der Tragik und Trauer werfen beide Ereignisse auch Fragen auf. In Deutschland zum Beispiel: Dachten wir nicht, die Natur zu beherrschen? Trägt jemand Schuld an der Katastrophe? Wie ist das mit Gott und dem unverdienten Leiden? Und der elende Mord an den Menschen in Orlando lässt fragen, wie Kirche aufrichtig Mitgefühl für die Opfer und ihre Angehörigen ausdrücken kann. Wie geht Seelsorge an Menschen, die am Christentum litten und leiden?

Das sind theologische und praktische Fragen. Wie in der Predigt einfühlsam auf solch tagesaktuellen Fragen eingegangen werden kann, zeigt Bischof Stefan Oster in Simbach (Link) und Nadia Bolz-Weber in Denver (Link, englisch). Auch wenn beide Predigtbeispiele nicht über den letzten (theologischen) Zweifel erhaben sind, so gelingt ihnen etwas: Worte für das unfassbar Schreckliche zu finden. Dem Grauen ins Gesicht zu schauen.

Manchmal habe ich das Gefühl, meiner Generation fehlen nicht mehr nur die Worte, um eigenes und fremdes Leid auszudrücken. Sondern auch die Fähigkeit, Leid und Elend wahrzunehmen und auszuhalten. Aushalten – nicht wegschauen, nicht weglaufen, nicht in Aktionismus flüchten, nicht ins private Glück zurückziehen.

Bilden junge Gemeinden und kirchliche Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene da eine Ausnahme? Ich finde nicht. Werden in Predigten die Fragen der Zeit theologisch reflektiert? Wird das Leiden angemessen wiedergegeben? Ist im Gottesdienst Raum und Zeit für Klage und Trauer, für Wut, für Leiden und Mitleiden?

Fehlt dieser Raum, gibt man diesem Gefühl keine Zeit, werden Fragen der Zeit nicht aufgegriffen, dann verstümmelt sich Kirche. Sie deckt nicht die Breite menschlicher Erfahrung ab. Sie entzieht sich der Welt, in der sie wirken soll. Sie bieten denen keine Heimat, die Heimat am Nötigsten haben – den Leidenden.

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