Gedanken zur Monatslosung für Juni
Foto: JJackman (CC BY-SA 3.0)

„Meine Stärke und mein Lied ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.“
Ex 15,2 (E)

Ich sitze in der Kirche in Taizé im schönen Burgund (Frankreich). Es ist Spätsommer. Die Kirche ist voll. Es ist Samstagabend – Nacht der Lichter. Am Ende jeder Woche wird hier an die Auferstehung Christi gedacht. Ich halte meine Kerze in der Hand, die mich ganz persönlich an dieses großartige Wunder erinnern soll.

Noch brennt sie nicht. Überhaupt ist es in der Kirche eher unangenehm stickig und schwül. Den ganzen Tag über hat die Sonne bei 30°C auf uns herabgestochen. Nun, in der Abenddämmerung, wird es angenehmer. Die Fenster im Altarraum stehen sperrangelweit offen, um wenigstens eine kleine Brise hereinwehen zu lassen. Bei mehreren hundert Menschen wird es sonst sehr unangenehm.

Ganz automatisch wird gesungen – ein Lied nach dem anderen. Für viele ist es der letzte Abend einer langen, harten oder spannenden Woche. In dieser Nacht oder am nächsten Morgen geht es zurück in die Heimat gen Süden, Osten, Westen und Norden. Noch schnell verabschieden. Hab ich alle Nummern und Mail-Adressen? Hab ich auch alles eingepackt? Will ich nochmal duschen? Aber was tue ich dann mit meinem nassen Handtuch? Besinnliche Stimmung und Andacht? Fehlanzeige.

Doch dann mein Lieblingslied: „Meine Hoffnung und meine Freude, meine Särke, mein Licht, Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht!“ Plötzlich werde ich ganz ruhig. Weg sind die Gedanken an mein Gepäck und die Rückfahrt.

Der Bruder neben mir beugt sich über die Hecke, die die Besucher von den ortsansässigen Brüdern trennt, und reicht mir seine Kerze, die nun hell leuchtet vom Licht der Osterkerze, der Auferstehungsbotschaft, dem Evangelium. Ich reiche das Licht weiter an meine Nachbarn. Um mich herum senkt sich eine merkwürdige Stille. Es ist eine Ruhe, die erfüllt ist vom Gesang und vom Licht der Kerzen – einem warmen, hellen, angenehmen Licht, das mich meine Sorgen und Ängste vergessen lässt.

„Meine Stärke ist der Herr, er ist für mich zum Retter geworden.“ Dieser Satz hat eine unglaubliche Strahlkraft, eine Wärme und eine Hoffnung in sich! Es sind keine aufwendigen, poetischen Phrasen nötig. Gott schreibt keine Romane. Er erfüllt uns durch einfache Worte und Taten mit einer (neuen) Hoffnung, dass das Leben einen Sinn hat. Und er erfüllt uns mit Kraft. Er selbst ist die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit!


Die Monatssprüche werden von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen herausgegeben, um durch das Jahr hindurch geistige Impulse und Anregungen zu bieten. Mehr erfahrt ihr hier.

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