Rette sich wer kann, der Herr kommt wieder Jetzt im Kino: X-Men: Apocalypse

Vorhang auf für den mittlerweile neunten Film der erfolgreichen Serie. Die X-Men sind back und sollen mal wieder die Welt retten. Der Widersacher dieses mal: Gott persönlich (oder zumindest einer, der sich dafür hält).

Die Trailer ließen es schon vermuten, das ist kein einfacher Stoff, an den sich Regisseur Bryan Singer diesmal wagen will. Alles beginnt mit einem Ur-Mutanten (Oscar Isaac), genannt En Sabah Nur, der schon als Gott zur Zeit der Ägypter verehrt wurde . Mit dieser Verehrung ist’s aber vorbei, als er in seiner eigenen Pyramide, die durch Gegner zum Einsturz gebracht wird, eingeschlossen wird. In einer Art Koma schläft er nun rund 5000 Jahre und wacht im Jahr 1983 wieder auf.

Damit spielt X-Men: Apocalypse rund 10 Jahre nach X-Men: Zukunft ist Vergangenheit. Die meisten Mutanten leben versteckt, weil die Welt sich immer noch vor ihnen fürchtet. Klar, dass das dem Supermutanten überhaupt nicht passt. Und so entschließt er sich zum großen Schlag gegen diese Welt. Bevor dieser aber beginnen kann, braucht der Supermutant noch vier Begleiter, gleich den vier Reitern der Apokalypse, wer es nachlesen will: Offenbarung 6, 1-8.

Es dürfte nur wenige wundern, dass einer dieser vier der schon bekannte Bösewicht Magneto (Michael Fassbender) ist. Doch in diesem Film ist Magneto nicht nur Schurke, er ist vor allem eine tragische Figur, die viel für den Inhalt tut. Die X-Men-Filmreihe hat schon seit ihrem Beginn nicht nur über die Action, sondern auch viel über den Kopf gearbeitet hat. Diese Aufgabe fällt nun etwas überraschend vor allem Magneto zu.

Ein Beispiel: Als er von En Sabah Nur ins alte KZ Auschwitz geführt wird, fragt er den gottgleichen Gegenüber: „Wo warst du, als mein Volk vernichtet wurde?“. Theodizee-Frage at its best, auch wenn die Antwort wohl kaum befriedigen dürfte.

Politische und religiöse Themen spielten schon immer eine Rolle bei den X-Men, nun will Singer davon aber dann doch ein bisschen viel. Denn es gibt hier ja nicht nur ein Thema, es sind gleich mehrere. Kalter Krieg, Machtstrukturen, ethnische Säuberungen etc. Da wird es dann irgendwann anstrengend und der denkende Zuschauer muss sich entscheiden, ob er die angeschnittenen Themen weiterdenkt oder dem Film folgt, der längst die Wende gemacht hat und auf das nächste Thema drauf los jagt. Diesbezüglich waren die anderen Filme besser ausgewogen und darunter leidet der Filmgenuss dann auch ein bisschen.

Das liegt auch daran, dass diesmal die Geschichte im Vergleich zu den Vorgänger-Filmen weitaus weniger komplex ist. Dadurch wirkt der Film ziemlich gedrängt. Singer stellt dabei immer wieder Bezüge zu den vorherigen Filmen her (Alle muss man nicht gesehen haben, aber X-Men: Erste Entscheidung und X-Men: Zukunft ist Vergangenheit), von denen allerdings nicht alle gut gelingen. Wolverines (Hugh Jackman) Auftritt wirft mehr Fragen auf, als dass er wirklich einen Beitrag für die Story leistet. Man wollte wohl nicht ganz ohne ihn.

Dabei tut es dem Film eigentlich gut, dass der unzerstörbare Wolfsmann mal nicht im Fokus steht. Über ihn gäbe es wohl sowieso nicht mehr so viel zu erzählen. Und so gehört die Bühne der Einführung anderer Charaktere. Allen voran Cyclops (Tye Sheridan),  Nightcrawler (Kodi Smit-McPhee), Jean Grey (Sophie Turner) und Quicksilver (Evan Peters).

Letzterem kommt dabei erneut ein bisschen die Rolle des Clowns zu, die er aber mit Bravour spielt. Und auch wenn Sophie Turner durch Game of Thrones vielleicht ein bisschen gebrandmarkt ist, ich finde sie als Jean Grey absolut überzeugend und eine gute Wahl für die Rolle.

Daneben finden sich die üblichen alten Bekannten, u.a. James McAvoy als Prof. Charles Xavier, Jennifer Lawrence als Mystique oder Nicholas Hoult als Hank McCoy. Sie alle spielen ihre Rolle ganz solide, ohne dass man sie nun wahnsinnig über sich hinauswachsen sähe. Das müssen sie aber auch nicht, denn meistens gehört die Bühne anderen. Und außerdem sind alle so gut, da ist herausragen dann auch gar nicht mehr so einfach.

Mag man mal über die kleineren Schwächen hinwegsehen, präsentiert Singer hier mal wieder einen wirklich guten Film und beweist, wie lange er schon im X-Men-Universum unterwegs ist. Viele Dinge passen einfach und ergeben ein großes Gesamtbild. Bild, Kostüm und Sound zeigen, wie stark er auch auf kleinste Details achtet: Dass z.B. Metallicas ‚The Four Horsemen‘ an passender Stelle eingespielt wird, ist nur eines von vielen (Herrlich ist auch die Diskussion darüber, welcher StarWars-Film der Beste ist). Das macht viel Freude beim Schauen und lässt den Zuschauer am Ende trotz einiger Schwächen ganz zufrieden aus dem Kino gehen.

Nun sei am Ende hier noch einmal kurz erwähnt, warum sich der Film für Theologinnen und Theologen eignet. Schon im Trailer outet sich En Sabah Nur als derjenige, der schon unter den Namen Ra, Krishna und Jahwe angebetet wurde. Das weckt Interesse, das aber – leider – nicht so ganz bestätigt werden kann. Es gibt zwar immer wieder mal interessante biblische und theologische Aspekte an der ein oder anderen Stelle, wer den Film aber aus rein theologischem Interesse sehen will, der sollte es besser lassen. Dafür ist dann einfach doch zu wenig drin.

Der Film lohnt sich/lohnt sich nicht für:

Jeder, der sich ein bisschen mit den X-Men auskennt und einfach einen guten Blockbuster mag, ist hier richtig. Alle anderen sollten zumindest vorher mal kurz den Wikipedia-Artikel zu den X-Men gelesen haben, damit man wenigstens ungefähr weiß, was da auf einen zukommt. Und wer so etwas gar nicht mag – es kommen demnächst auch wieder andere gute Filme.

Ich würde sagen: 4 von 5 Punkten. Grundsätzlich hat der Film alles was er haben soll. Es gibt leichte Abzüge in der B-Note.


X-Men: Apocalypse

Regie: Bryan Singer
Drehbuch: u.a. Simon Kinberg
Schauspieler: u.a. James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Oscar Isaac, Nicholas Hoult
FSK: Ab 12

Der Film läuft seit dem 19.5. in den Kinos

 

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