Moment mal: Die Gemäßigten in der AfD
Foto: Robin Krahl, CC BY-SA 4.0

Man kann nicht behaupten, sie hätten es nicht versucht. Die AfD hat letzte Woche ein Gespräch mit dem Zentralrat der Muslime in Deutschland geführt. Das Gespräch endete bekanntlich mit einem Fiasko. Die AfD-Spitze war offensichtlich nicht an einem Gespräch auf Augenhöhe interessiert.

Dass dieses Gespräch überhaupt zustande kam, offenbart einen interessanten Richtungskampf innerhalb der Partei. Schon im April auf dem AfD-Parteitag in Stuttgart gab es Stimmen, die zum Gespräch mit dem Islam aufriefen und sich gegen eine pauschale Verurteilung aussprachen. Diese Stimmen wurden zwar lautstark ausgebuht, aber immerhin.

Der prominenteste Vertreter dieses AfD-Flügels ist der Co-Bundessprecher Jörg Meuthen. Meuthen gilt als gemäßigt und versteht sich selbst als Gegengewicht zum restlichen Bundesvorstand. Nach dem Scheitern des Gespräches der Parteispitze mit dem Zentralrat kritisierte Meuthen sogar zunächst seine eigene Partei für ihre schlechte Vorbereitung. Und er führte vor wenigen Wochen selbst ein – gelungenes – Gespräch mit Vertretern einer Ahmadiyya-Gemeinde bei Stuttgart.

Es gibt sie also, die Stimmen in der AfD, die sich einen Kurs nicht in Richtung völkischen Nationalismus, sondern in Richtung der vielbeschworenen konservativ-bürgerlichen Partei rechts von der CDU/CSU wünschen. Seit dem Kurswechsel der Partei unter Frauke Petry gibt es allerdings kaum noch Anlass zur Hoffnung, dass sich dieser Wunsch erfüllen wird. Mit der Behauptung, der Islam sei unreformierbar und unintegrierbar, hat sich die AfD von jeder Mäßigung verabschiedet.

Es ist vermutlich eine unpopuläre Meinung, aber ich hoffe, dass sich der gemäßigte „Meuthen-Flügel“ trotzdem noch durchsetzen wird. Zwar ist auch Jörg Meuthen nicht vom populistischen Jargon der AfD unbefleckt, wenn er wie im April in Stuttgart vom „links-rot-grün versifften 68er-Deutschland“ spricht. Und ob es wirklich eine bürgerliche Partei rechts von der CDU braucht (oder überhaupt geben kann), auch darüber kann man streiten. Aber all das wäre dem extremistischen Gesicht vorzuziehen, mit dem sich die AfD derzeit präsentiert und ganze Gesellschaftsschichten radikalisiert.

Das scheint auch der Zentralrat der Muslime so zu sehen. Dessen Vorsitzender Aiman Mazyek sagte bereits zu, mit „den Gemäßigten in der AfD“ weiter im Gespräch bleiben zu wollen. Hoffen wir, dass Mazyek auch in Zukunft Gesprächspartner finden wird.

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6 Kommentare anzeigen

  1. Ich widerspreche dir entschieden!
    Die gemäßigten Stimmen in der AfD – schon das „gemäßigt“ zweifle ich an – haben m.E. nach die Funktion, den braunen Sumpf bürgerlich zu überdecken. Das zeigt sich jedesmal: Gauland/Höcke/Poggenburg fällt rassistisch u. beleidigend auf, Meuthen dementiert, Petry widerspricht.
    Diese „Gemäßigten“ werden sich in dieser Partei nicht durchsetzen, sondern weiterhin nur den Blitzableiter spielen. Gäbe es sie nicht, würde der hohle Rassismus und das dumpfe Volkstum dieser Neu-Rechten unverstellter zutage treten; und das wäre gut.

    • Hey Daniel, ich stimme deiner Analyse zu. Allerdings vermute ich dass diese Dynamik weniger auf kalte Berechnung zurückgeht als auf tatsächliche innerparteiliche Uneinigkeiten über die Richtung. Ich will damit die AfD nicht verharmlosen, nur darauf hinweisen, dass es in der AfD (und das halte ich wirklich für eine Tatsache) Leute gibt, die eine konservativ-bürgerliche Partei wollen, die sich von Extremismus abgrenzt. Diese Leute sind wahrscheinlich etwas naiv und vor allem Blind dafür, in welche Richtung ihre Partei steuert, aber es gibt sie – besonders unter Christen.

      Ich kann den Wunsch verstehen, dass sich die AfD weiter radikalisieren soll, damit ihr Extremismus nur umso unbestreitbarer wird. Allerdings habe ich ethische Bedenken dabei, eine Partei (mitsamt ihren gemäßigten Mitgliedern) bewusst in die Radikalisierung zu treiben.

      • Genau da unterscheidet sich unsere Einschätzung der AfD: Ich habe nicht das Gefühl, dass die Partei in die Radikalisierung getrieben wird, sondern dass es deren Interesse ist, die Radikalisierung der Gesellschaft voranzutreiben. Durch bewusste Provokationen und Verbreitung von Ressentiments.

  2. Oliver

    Ebenso auch von mir ein Widerspruch !

    Allerdings auch aus theologischer Sicht, denn die AfD ist nicht gemäßigt, sondern genauso extrem wie die evangelikale Teaparty innerhalb der US-amerikanischen Republikaner Partei. Sinnvoll ist es daher, genauer festzustellen, ob der evangelikale Katholizismus sich dauerhaft poliltisch etabliert hat. Aus der Historie kennen wir zumindest das politische Rongetum und die Verbindung der katholischen mit den evangelischen Lichtfreunden. Altes verschwindet also nicht – dagegen auch nicht der Protestantismus, der sich gegen die Gegenreformation wehrt ;-)

    Videohinweis : https://www.youtube.com/watch?v=cjciyCQqAJk
    AfD spricht konservative Christen und Medien an | ZAPP | NDR

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