Florence Nightingale: Pflege und Spiritualität Zum Welttag der Pflege
"Florence Nightingale" (Gemeinfrei)

Am 12. Mai wird, wie jedes Jahr, der Welttag der Pflege gefeiert. Davon bekommt man hierzulande nicht viel mit, aber hierzulande haben Pflegende auch nicht viel Grund zum Feiern. Ein Grund mehr, sich an diesem Tag an Florence Nightingale zu erinnern, die am 12. Mai 1820 geboren wurde und zur Pionierin in der Krankenpflege wurde.

Zwischen Familienbanden und Berufung

Ihre Eltern, reiche, aristokratische Engländer, haben zuerst andere Pläne mit ihrer begabten Tochter. Mindestens ebenbürtig soll sie heiraten, und in der High Society zuhause sein. Lange kämpft sie mit ihrer Abneigung gegen das Leben in Ballsälen und auf Dinnerpartys. Als sie vom Leiden der englischen Landbevölkerung erfährt, die durch Missernten und Industrialisierung zusehends verarmt, beginnt sie, sich um Kranke Menschen zu kümmern und fühlt sich berufen, Krankenpflegerin zu werden. Ihre Familie versucht zu beschwichtigen, und eine wohlmeinende Tante schreibt ihr, Gott könne auch bei Empfängen geehrt werden. Ihre Antwort:

„Wie kann es zur Ehre Gottes sein, wenn es so viel Elend gibt in der Welt, das wir heilen könnten, statt in Luxus zu leben!“

Trotzdem, es ist unvorstellbar, dass eine Tochter aus hohem Hause Krankenpflegerin wird! Die Familie leistet Widerstand gegen ihre Pläne. Florence rebelliert nicht, bildet sich aber heimlich weiter, liest Berichte von Krankenhäusern und Gesundheitsbehörden. Bei ausgedehnten Reisen besucht sie unter anderem die Kaiserswerther Diakonie und lernt deren Gründer Theodor Fliedner kennen. Auch Besuche bei katholischen Pflegeorden hinterlassen einen großen Eindruck bei der jungen Frau.

Als ihre Eltern schließlich nachgeben — da ist sie bereits 32 Jahre alt — übernimmt sie schnell die Leitung eines Spitals und führt praktische und hygienische Verbesserungen durch. Außerdem öffnet sie das anglikanische Krankenhaus für alle Konfessionen, wofür sie stark kritisiert wird.

Pflege, Praxis und Politik

Kurz darauf zieht England in den Krimkrieg gegen Russland. Die Berichte von den katastrophalen Zuständen in den Lazaretten empören die Bevölkerung, auch Florence. Sie bietet ihrem Freund, dem Kriegsminister an, mit einem Team von weiblichen Pflegekräften bei der Versorgung der Verwundeten zu helfen. Zur gleichen Zeit schreibt der Kriegsminister ein Bittschreiben an sie. Florence, 34-jährig, zieht mit anglikanischen und katholischen Schwestern in die Türkei.

Dort trifft sie auf Widerstand der Ärzte und der Militär-Bürokratie, zudem ist sie empört über die gesundheitliche Versorgung: es sterben mehr Soldaten aufgrund hygienischer Mängel als auf dem Schlachtfeld. Auch hier setzt sie nun hygienische Verbesserungen durch, beschafft Ausrüstung und Mittel, um den Verletzten zu helfen. Darüber hinaus kümmert sie sich um sterbende Patienten persönlich.

Florence Nightingale“ (Gemeinfrei)

In England beginnen die Zeitungen, von der Lady with the lamp zu berichten. Sie wird zu einer Ikone, die mit ihrer Petroleum-Lampe die Kranken besucht. Noch vor ihrer Rückkehr erlangt sie so nationale und internationale Berühmtheit. Als der Krieg endet, wird sie mit Marschkapellen erwartet, aber sie reist heimlich und allein zurück. Kurz darauf erkrankt sie so schwer, dass sie nie wieder pflegerisch arbeiten kann.

So verbringt Florence Nightingale den Rest ihres Lebens – 64 Jahre! – als Kämpferin für politische Reformen, um das Gesundheitswesen zu verbessern. Ohne öffentlich aufzutreten oder zu reisen, nimmt sie Einfluss und nutzt ihre guten Kontakte zu wichtigen Persönlichkeiten. Später versucht sie so, nicht nur in England, sondern auch in Indien, der britischen Kolonie, das Gesundheitswesen zu reformieren.

Spiritualität im Arbeitsalltag

Gleichzeitig lebt Florence Nightingale einen Glauben, der viele mystische Elemente enthält. Sie liest Schriften von Teresa von Avila oder Johannes vom Kreuz, später schreibt sie auch eigene Meditationen. Für sie bleibt Krankenpflege ein Beruf, dem eine religiöse Berufung zugrunde liegt, weil er Dienst am Nächsten ist.

Ein Gebet, das von ihr überliefert ist, begleitet mich bei meiner Arbeit mit Menschen mit Behinderungen. Es zeugt von ihrer Haltung, die anvertrauten Menschen bestmöglich zu versorgen und so Gottes Liebe in der Tat zu bezeugen. Auf diese Haltung baut diakonische Arbeit bis heute auf.

Spender des Lebens,
gib mir die Kraft,
dass ich meine Arbeit mit Überlegung tue,
getreu dem Ziel, das Leben jener zu hüten,
die meiner Versorgung anvertraut sind.

Halte rein meine Lippen von verletzenden Worten.
Gib mir klare Augen, das Gute der anderen zu sehen.
Gib mir sanfte Hände,
ein gütiges Herz und eine geduldige Seele.

Hilf, dass ich niemandem
durch Unwissenheit und Nachlässigkeit schade.
Für jene, die gebeugt sind
von Kummer und Weh, Angst und Schmerz,
gib Kraft zum Durchhalten.

Schenk mir, o Gott,
deinen Segen zu meiner Aufgabe.

Florence Nightingale starb im Alter von 90 Jahren am 13. August 1910.


Eine Kurzbiographie findet sich hier.

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