Kinder beim Abendmahl Ein kurzer Gedankengang
Foto: Zipnon (CC0)

Einer der Hauptgründe, mit zum Gottesdienst zu gehen, ist für meinen achtjährigen Sohn das Essen. Bei uns in der Gemeinde gibt es nämlich sehr oft nach dem Gottesdienst noch Kaffee, Tee und eine Kleinigkeit zu essen. Für Lieder und Liturgie ist er nicht sehr zu begeistern, ab und an findet er die Predigt unseres Pfarrers lustig und zwar dann, wenn Familiengottesdienst ist und nur ganz kurz und kindertauglich gepredigt wird. Manchmal sind es auch die Kerzen oder die Orgel, die ihn begeistern, aber das Zusammensitzen und die gemeinsame Mahlzeit, das findet er am besten.

Fast genauso interessant und aufregend findet er das gemeinsame Abendmahl. Leider hat das Presbyterium unserer Kirchengemeinde beschlossen, dass Kinder nicht am Abendmahl teilnehmen dürfen, ersatzweise jedoch den Segen empfangen können. Gründe hierfür gibt es viele.

Ein wichtiger Aspekt ist das sakramentale Verständnis des Abendmahls. Erst im Jugendalter und durch die Konfirmandenzeit erfährt der junge Mensch die wahre Bedeutung des Abendmahls. Bedingung für das Verständnis ist die intellektuelle Reife und vorherige Aufklärung. Der Glaube hat sowohl eine kognitive als auch eine emotionale Komponente, erst im Zusammenwirken beider kann der Mensch eine angemessene Haltung und auch die Einsicht zur Buße erlangen.

Die Selbstprüfung und der Aspekt der Buße stehen im Vordergrund und diese sind eindeutig nicht von jüngeren Kindern und ohne vorherigen Unterricht zu erfassen. Durch die (Säuglings-)Taufe sind Kinder ebenfalls vollwertige Mitglieder der Gemeinde und werden keinesfalls ausgeschlossen, nur am Abendmahl dürfen sie nicht teilnehmen.

In unserer Nachbargemeinde dürfen Kinder jedoch am gemeinsamen Abendmahl teilnehmen, sofern ihre Eltern anwesend sind und ihre Kinder vorher über die Bedeutung aufgeklärt haben. Fast immer gibt es neben Wein auch Traubensaft, was nicht nur für Kinder, sondern auch für trockene Alkoholiker oder Schwangere sinnvoll ist. Gründe dafür gibt es ebenfalls einige.

Ein wichtiger ist meiner Meinung nach der Gemeinschaftsaspekt. Kinder gehören zur Gemeinde wie jede andere Alters- oder Personengruppe auch. Wenn der Kinderglaube ausreicht, den Segen der Taufe zu empfangen, weshalb sollte dieser nicht für das Abendmahl genügen?

Sofern ein Kind alt genug ist, den Unterschied zwischen einer gewöhnlichen Mahlzeit und dem Abendmahl im Gottesdienst zu erfassen, ist es in der Lage, das bedingungslose und voraussetzungslose Handeln Gottes zu erleben. Natürlich ist es Aufgabe der Eltern, das Kind heranzuführen und aufzuklären, doch ist das nicht nur bei der Abendmahlsliturgie nötig und betrifft die gesamte religiöse Erziehung.

Gerade Kinder sind sehr empfänglich für Rituale und befinden sich mitten im Wachstum ihres Glaubensverständnisses. Diese sensible Phase zu verpassen, indem ihnen das Abendmahl und damit ein großer Teil des Gemeinschaftserlebens vorenthalten wird, finde ich fragwürdig, auch wenn ich die Argumente der Kinderabendmahlsgegner durchaus verstehe.

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3 Kommentare anzeigen

  1. Thomas

    Unsere sächsische Landeskirche lässt Abendmahl mit Kindern zu und ermuntert die Gemeinden es einzuführen; hat aber die Bedingung dass es eine passende „Unterweisung“ für die Kinder gibt.
    Das finde ich durchaus auch sinnvoll so – das muss ja ein wochenlanger Kurs sein, aber es ist auch eine Aufgabe die viele Familien überfordern würde.
    Leider sind im Moment aber auch die Gemeinden überfordert, weil zu viele andere große „Baustellen“ bearbeitet werden wollen und Ressourcen binden. So ist es leider im Moment auch in unserer Gemeinde.

    Dennoch – ich halte das Abendmahl mit Kindern für richtig und wichtig. Die Segnung ist dabei das mindeste; eine vollwertige Teilnahme halte ich aber für besser.

    Die Gründe sind vielfältig:
    – Ein wichtiger Punkt steht schon oben: „erst im Zusammenwirken beider kann der Mensch […] die Einsicht zur Buße erlangen“. Einem Kind was nicht vollwertig dabei sein darf fehlt etwas in der Glaubens- und Lebensentwicklung.

    – Die Teilnahme von den vermuteten intellektuellen Fähigkeiten abhängig zu machen und dies wiederum auf das Alter herunterzubrechen wird dem Menschen als solchen nicht gerecht. Manche Kinder empfinden sehr genau und zeitig intuitiv „das Richtige“, andere gehen auch als Rentner nur aus Gewohnheit zum Abendmahl.

    – Eine Frage die in unserer Gemeinde gestellt wurde (in direkter Nachbarschaft ist eine Arbeitsstätte für Menschen mit geistiger Behinderung): Ein 30jähriger Mensch mit geistiger Behinderung darf ohne Diskussion am Abendmahl teilnehmen, auch wenn er sonst nach einem Unfall nichts mehr alleine tun kann – nur weil er mal konfirmiert wurde. Warum darf aber dann ein Kind, was in der Gemeinde integriert ist und regen Anteil nimmt nicht teilnehmen, nur weil es ein paar Jahre zu jung ist? Und wie ist das noch mit den Demenzkranken, die sich kaum an die letzte Stunde erinnern können – klappt das da noch mit der Buße?

    – „Getaufte Kinder sind vollwertige Mitglieder der Gemeinde. Außer bei …“ Das man die Wahlfähigkeit oder Ämter wie das Patenamt im Alter beschränkt halte ich ja für vertretbar. Aber ein Gemeindeglied von etwas elementar gemeinschaftsstiftenden wie dem Abendmahl auszuschließen ist irgendwie seltsam.

    – War den (erwachsenen) Jüngern Jesu immer klar und bewusst, was Jesus tat? Was sie selbst taten?

    – Kinder haben ein sehr feines Gespür für Ungleichbehandlungen – ist es wirklich hilfreich, in der vermutlich wichtigsten Phase der Glaubensentwicklung ein Gefühl der Benachteiligung aufkeimen zu lassen?

    Wer aber sind wir als Gemeindeglieder, Kirchvorsteher, Pfarrer, Synodale, dass wir darüber urteilen dürften? Sind wir wirklich dazu berufen, anderen einen Stempel aufzudrücken „Du bist noch nicht so weit!“ – „Du verstehst das nicht mehr!“ – „Sei willkommen, bei Dir ist alles OK!“

    Ich denke nicht – daher bin ich immer noch mit Herz, Verstand & Gebet dabei das Abendmahl für Kinder bei uns zu ermöglichen.

    Und natürlich gibt es viele Möglichkeiten, mit den Einwänden oben umzugehen oder sie für sich persönlich oder die Gemeinde aus dem Weg zu räumen. Je mehr man sich damit beschäftigt umso ambivalenter wird die eigene Position…

  2. Helmut Goppelsröder

    Was würde Jesus tun? Ich denk die Kinder wären voll dabei. Bei uns in der Gemeinde sind sie nach Vorankündigung dabei, es obliegt auch wie schon genannt den Eltern die Unterweisung.
    Wer von Ihnen hat schon mal Abendmahl ausgeteilt und die leuchtenden Kinderaugen gesehen??? Da brauche ich keine lange theologische Abhandlung und Begründung über das Abendmahl.

  3. Sebastian Schumacher

    Ein interessanter Einblick in die Gedankenwelt von Christen. Seid ihr der Ansicht, Glaube muss in der Kindheit geübt werden, und kann nur noch schwer als Erwachsener gelernt werden? Eure Sorge, ein Entwicklungsfenster zu verpassen, klingt danach. Die oft gehörte Gegenposition von unreligiösen Menschen ist ja, dass man Kinder nicht religiös sozialisieren sollte, damit sie sich später (z.B. beim Erreichen der Religionsmündigkeit mit 14) unvoreingenommen eine Meinung bilden können. Die Hoffnung ist dabei womöglich, dass die Kinder, wenn sie vorher keine Glaubenspraxis hatten, nicht aus heiterem Himmel damit anfangen werden, sondern dass die „unvoreingenommene Wahl“ wahrscheinlich die atheistische sein wird. Interessanterweise scheinen sich ja Gläubige und Ungläubige in ihrem Kinderbild zu ähneln. Beide sagen: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“

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