Die Klimaverschwörung der AfD
Foto: Anders Jildén (CC0)

Für die meisten Christen in Deutschland gehört die sogennante Bewahrung der Schöpfung als gottgegebener Auftrag (Gen 1,28) selbstverständlich zum Christsein dazu. Deshalb engagieren sich viele zum Beispiel gegen Atomkraft oder gegen den sorglosen Ausstoß von Treibhausgasen seit Beginn der Industrialisierung.

Wenn es jedoch nach der „Alternative für Deutschland“ geht, gibt es so etwas wie eine menschengemachte Klimaerwärmung überhaupt nicht. Das wird deutlich, wenn man einen Blick auf den aktuellen Entwurf des Programms der Partei wirft. Dort wird eine Politik der CO2-Reduzierung strikt abgelehnt.

Nun bin ich kein Klimaforscher, aber es braucht keine lange Recherche um festzustellen, dass die überwältigende Mehrheit der Forscher (nämlich 97 Prozent!) einig sind, dass es eine anthropogene Klimaerwärmung gibt.

Daten der NASA, die den Anstieg der globalen Temperatur verdeutlichen.

Daten der NASA, die den Anstieg der globalen Temperatur verdeutlichen.

Trotzdem stellt sich das Parteiprogramm der AfD entschieden gegen die These, „dass die menschgemachten CO2-Emissionen zu einer globalen Erwärmung mit schwerwiegenden Folgen für die Menschheit führen“ könnten – gegen den wissenschaftlichen Konsens. Grotesk wird die Leugnung des antropogenen Klimawandels durch die AfD, wenn es in deren Parteiprogramm heißt:

Kohlendioxid (CO2) ist kein Schadstoff, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil allen Lebens. […] Je mehr es davon in der Atmosphäre gibt, umso kräftiger fällt das Pflanzenwachstum aus.

Wie kann die AfD aber gegen den eindeutigen wissenschaftlichen Konsens der Klimaforschung ankommen? Na klar, indem sie eine große Verschwörung vermutet. Die Bösewichte sind der Weltklimarat (IPCC) und die deutsche Regierung:

Unter dem Schlagwort „Klimaneutrales Deutschland 2050“ durch „Dekarbonisierung“ missbraucht die deutsche Regierung die steigende CO2-Konzentration zur „Großen Transformation“ der Gesellschaft, mit der Folge, dass die persönliche und wirtschaftliche Freiheit massiv eingeschränkt wird.

Die Implikation ist klar: Laut AfD benutzt die Bundesregierung die Pseudowissenschaft des IPCC, um ihren „Irrweg Klimaschutzpolitik“ zu rechtfertigen. Schließlich ist CO2 ja gar nicht schlimm, sondern eigentlich sogar gut für die Umwelt! Diese ganzen Wissenschaftler sind doch fremdgesteuert von der Agenda der „großen Transformation“!

Dieses Verschwörungsdenken ist gefährlich und findet sich auch an anderen Stellen des AfD-Parteiprogramms, so etwa beim Thema „Islam“ (Verschwörungstheorie: Der Islam will durch Parallelgesellschaften den Deutschen Rechtsstaat untergraben) und wenn es um den „Erhalt der deutschen Kultur und Identität“ geht (Verschwörungstheorie: Der „Multikulturalismus“ versucht aktiv, die „Deutsche Leitkultur“ zu zerstören).

Energiepolitik des „kleinen Mannes“?

Das AfD-Parteiprogramm argumentiert außerdem, dass die Klimaschutzpolitik teurere Stromproduktion begünstigt und deshalb dazu führt, dass Strompreise weiter steigen – auf Kosten des sprichwörtlichen kleinen Mannes. Dabei sind es gerade große Öl- und Energiekonzerne, die von der neoliberalen Politik der AfD am meisten profitieren würden (Konzerne wie ExxonMobil sind es übrigens auch, die durch riesige Geldspenden die politische Klimaskeptiker-Bewegung über Jahre finanziert haben). Die AfD betreibt also keine „Politik des kleinen Mannes“, sondern ist dem Lobbyismus großer Konzerne hörig – zumindest nimmt die AfD diese Interessenüberschneidung billigend in Kauf.

Christinnen und Christen, die die AfD unterstützen, müssen sich die Frage gefallen lassen, welchen Stellenwert für sie die Bewahrung der Schöpfung hat. Und ob sie eine Politik vertreten können, die krude Verschwörungstheorien und günstigere Strompreise über den verantwortlichen Umgang mit unserem Planeten stellen möchte. Wenn nicht, ist die AfD auch keine wirkliche Alternative.

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