24 Wochen Ebenbild Gottes
Havelbaude (CC-BY-SA 3.0)

Auf der Berlinale war Deutschland mit dem Film 24-Wochen vertreten. Der Film beschreibt die Situation eines Paares, das im 6. Schwangerschaftsmonat von der Behinderung ihres ungeborenen Kindes erfährt und zwischen der Entscheidung steht, das Kind auszutragen oder eine Spätabtreibung vornehmen zu lassen.

Die Behinderung, um die es im Film geht, ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Syndrome: Das Down-Syndrom. Zusätzlich diagnostizieren die Ärzte einen schweren Herzfehler.

So ein schweres Thema? Muss das sein? Ein behindertes Kind oder Spätabtreibung, das betrifft doch nun wirklich eine so geringe Anzahl an werdende Eltern, muss das denn zu einer gesellschaftlichen Debatte führen?

Ja, das muss es wohl, denn es ist ein gesellschaftliches Thema. Behinderte Menschen sind noch längst nicht in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, sondern meistens in Spezialeinrichtungen, Behindertenwohnheimen, Behindertenwerkstätten und Förderschulen untergebracht. Die Inklusion von Menschen mit Behinderungen ist leider noch Utopie, dabei lebt statistisch gesehen jeder elfte Mensch in Deutschland mit einer Behinderung.

Weil ich selber Mutter zweier Kinder mit Behinderung bzw. Einschränkung bin, berührt mich sowohl die Situation, vor der (werdende) Eltern stehen, als auch die Umstände, in denen Menschen mit Behinderung leben.

Die elterliche Sorge, ein behindertes Kind pflegen zu müssen und der damit vorangehende Konflikt, eine eventuelle Behinderung durch Pränataldiagnostik erfahren zu können, darf nicht verurteilt werden. Ebenso sollte die Sorge, ob die Pflege überhaupt psychisch und finanziell leistbar ist, ernst genommen werden.

Der Film läd ein zum Nachdenken über das Thema Pränataldiagnostik und (Spät)-Abtreibung, aber auch über die Situation von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft und unsere Haltung ihnen gegenüber.

Wo sind diese Menschen bloß? Wahrscheinlich wären es sogar noch mehr, wenn nicht allein 90% aller Kinder mit Down-Syndrom vor ihrer Geburt abgetrieben werden würden.

Den Eltern, die, wie das beschriebene Paar im Film „24 Wochen“, nach einer auffälligen Pränataldiagnostik über Abtreibung nachdenken, darf eine Gesellschaft, die behinderte Menschen nicht gleichrangig behandelt, wohl kaum einen Vorwurf machen.

Es ist an der Zeit endlich alle Menschen, ob mit Behinderung oder nicht, als Ebenbild Gottes zu sehen. Wenn Menschen mit Behinderung in der Mitte der Gesellschaft stünden und das Zusammenleben endlich eine Selbstverständlichkeit wäre, wenn jedem Elternpaar zu ihrem (behinderten) Kind gratuliert werden würde, dann gäbe es weniger Grund zur Sorge für werdende Eltern. Lassen wir uns nachdenken darüber und jeder den ersten Stein setzen für ein inklusives Zusammenleben!

Schlagwörter: , , , ,

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.