Thinking green Über Ökochristen und die Bewahrung der Schöpfung
Foto: Tabea Schneider

„Das ist aber schon ziemlich öko, oder?“ Diesen Satz hören sich sehr oft Eltern an, wenn sie erzählen, dass sie mit Stoffwindeln wickeln. Wie eine interessierte Frage klingt das nicht, eher vorwurfsvoll: „Pass auf, dass das niemand erfährt! Pass auf, dass du nicht zum Ökofaschisten mutierst!“. Und dann fragt man sich, warum es denn so schlimm ist, dass man Stoffwindeln benutzt. Warum ist es so schlimm, dass ich keine Wegwerfwindeln benutze, die acht Prozent des Restmülls in Deutschland ausmachen.

Bevor ich Mutter wurde, war ich nicht der nachhaltigste Mensch. Natürlich habe ich Müll getrennt, die Heizung nicht den ganzen Tag laufen gelassen, Bio-Fleisch gekauft und keine Ausbeuterklamotten. Aber große Gedanken über meinen ökologischen Lebensstil habe ich mir auch nicht gemacht.

Doch dann stellt sich einem die Frage: „Wie will ich meiner Tochter und ihren Geschwistern diese Welt hinterlassen? Was nützt es mir, wenn ich sie zu tollen Menschen heranwachsen lasse, sie aber keinen gesunden Lebensraum auf dieser Erde haben? Wieviel Chemie sollen meine Kinder bereits im ersten Lebensjahr aufnehmen?“ Und dann fängt man an, sich über Stoffwindeln (die übrigens auch gesundheitlich besser für das Kind sind) zu informieren, Inhaltsstoffe von Pflegeprodukten (Was ist da für ein Müll drin!), Plastikreduzierung und und und.

Und irgendwann dachte ich: Genau das ist doch „Bewahrung der Schöpfung.“ Das Thema, welches in fast jeder Fürbitte vorkommt, welches aber meist in das eine Ohr hinein geht und aus dem anderen heraus. Wir Christen sprechen immer von der Bewahrung der Schöpfung, aber leben wir auch wirklich selber danach? Überlegen wir uns, wieviel Auto wir fahren, woher unsere Energie kommt und unsere Kleidung? Wir bitten im Gottesdienst Gott um die Erhaltung unserer Welt, aber eigentlich hat er uns doch diesen Auftrag gegeben (Gen 1,28).

Vor mehreren Jahren gab es in den USA eine Initiative „What would Jesus drive?“ des Evangical Environmental Network (EEN). Die Amerikaner, die ihre dicken Autos so sehr lieben, sollten dies überdenken und eine umweltfreundlichere Fortbewegung anstreben. Das EEN argumentierte nicht nur mit der Bewahrung der Schöpfung, sondern auch mit dem Gebot der Nächstenliebe. Durch die Abgase steigt das Risiko, an Asthma und anderen Atemwegserkrankungen zu leiden. Wenn man seinen Nächsten liebt, könne man ihn nicht so gefährden. Den EEN gibt es noch, die Initiative wurde milde belächelt und verlief im Sande.

Aber auch in Deutschland gibt es Christen, die ökologisch denken und auf ihre Umwelt achten. Gerne wird sich über diese „Öko-Christen“ lustig gemacht. Dass ökologisches Handeln aber auch Konflikte in der Kirchgemeinde hervorbringen kann, kann man an der Peterskirchgemeinde in Leipzig sehen.

2014 wurde dort beschlossen, dass in Zukunft nur noch ökologisch und fair eingekauft werden soll. Dies stieß bei einigen Gemeindegliedern auf Gegenwehr, denn meist ist ökologisch und fair auch gleichzeitig teurer und wer soll dann die steigenden Kosten übernehmen? Inzwischen hat man den Umstieg geschafft und wurde mit dem Siegel „Zukunft einkaufen“ der bundesweiten ökumenischen Initiative „Zukunft einkaufen – Glaubwürdig kaufen in Kirchen“ ausgezeichnet.

Die Kirchen in Deutschland kaufen jährlich für etwa 60 Milliarden Euro ein. Es geht nicht nur um den guten Willen, es wäre auch ein politisches Zeichen, wenn sich noch mehr Gemeinden daran beteiligen würden.

Aber kann ich das auch zu Hause umsetzen? Mit einem kleinen Gehalt und Familie? Natürlich ist es nicht immer leicht, alles bio und/oder fair einzukaufen. Nicht alles ist örtlich erhältlich. Nicht alles bezahlbar. Vor allem bei Lebensmitteln ist der Preisunterschied deutlich spürbar, auch weil die konventionellen Lebensmittel so unglaublich billig (sowohl Preis, als auch Qualität) sind. Vor fünfzig Jahren hat man die Hälfte seines Einkommens für Lebensmittel ausgegeben. Heute sind es gerade einmal zehn Prozent. Dafür geben viele fünfzig Prozent für ihre Wohnung aus.

Aber wie kann ich trotzdem der Natur etwas Gutes tun? Auf diese Frage gibt es so viele Antworten! Kauf Mehrwegprodukte. Kauf Second Hand. Überleg dir, ob du das, was du kaufen willst, wirklich brauchst. Reparier kaputte Dinge. Koch selbst. Share your food, bevor es vergammelt. Leih/Miet dir Dinge. Kauf Recyclingprodukte. Bedruck auch die Papierrückseite. Musst du das jetzt wirklich unbedingt ausdrucken? Fahr mal wieder Fahrrad. Fahr Bahn, Tram, Bus oder Bimmelbahn. Teile dir mit Freunden einen Garten und bau dein Gemüse selbst an. Nutze Ökostrom. Trenn’ Müll. Vermeide Plastikverpackungen. Kaufe langlebige Dinge. Do it yourself: Regale, Pflegeprodukte, Geschenke …

Es gibt noch so viel mehr. Bei unserer „Umstellung“ ist mir aber auch aufgefallen, dass das Ganze oft mit langen Recherchen verbunden ist. Woher bekomme ich das Produkt plastikfrei, bio und fair? Hierbei helfen oft Foren, in denen man nach bestimmten Produkten fragen und von Erfahrungen profitieren kann. So verhindert man Fehlkäufe und bekommt immer wieder neue Ideen, was man an seinem Lebensstil verändern kann. Zum Glück wächst der Markt für Bio, Fairtrade, Plastikfrei und Co. immer weiter, so dass es zum Beispiel kein Problem darstellt eine Thermosflasche ohne Plastik zu kaufen.

Ich bin öko? Danke, für das Kompliment, ich liebe doch nur unsere Erde.

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Ein Kommentar

  1. Liebe Tabea!

    Interessant was du schreibst. Schon von früher kenn ich diesen skeptischen Blick auf „Öko-Christen“, wie du sie beschreibst.

    Wobei damals Stoffwindeln fast noch zum eher normalen Repertoire gehörten.

    Dabei ist doch gerade der Mikrokosmos in Gemeinden perfekt für das Leben regionaler Nachhaltigkeit!

    Danke für deine Gedanken.

    Lg
    ~Tabea

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