Tu felix Austria Hurra, mein Land baut Zäune
Raquel Baranow (CC BY 2.0)

Tu felix Austria, du glückliches Österreich. Diese österreichische Frohbotschaft für die Welt ist in meiner Heimat nicht selten zu vernehmen. Bereits mit der Muttermilch wird einem beigebracht, dass die Habsburger nie Kriege geführt, sondern lediglich durch invasive Heiratspolitik über die Grenzen des Alpenlandes hinaus ihren Einfluss geltend gemacht haben.

Im vollen Wortlaut ließ sich daher der Habsburger Herzog Rudolf der IV. 1364 in seinen Siegeln folgenden Spruch gravieren: „Bella gerant alii, tu felix Austria nube.“ Also: „Kriege führen mögen andere, aber du glückliches Österreich heirate!“

Das mit dem Entsagen von Kriegstreiberei haben wir Österreicher in den paar Jahrhunderten seither nicht ganz so ernst genommen, das Heiraten aber dafür sehr. Verheiratet haben wir – abgesehen von homosexuellen Paaren – immer gern, und dennoch hat sich in Österreich die Einstellung zur Hochzeit in den letzten zehn Jahren grundlegend verändert.

Angenommen, es verliebt sich ein junger Österreicher oder eine junge Österreicherin im Urlaub – nicht in Venedig, sondern in Quagadougou oder Ähnlichem – und es stellt sich die Frage nach einer Hochzeit, so steht eine solche Eheschließung grundsätzlich im Verdacht eine „Aufenthaltsehe“ – also eine Scheinehe zur Aufenthaltsbewilligung – zu sein.

Daher prüft der strenge Vater Staat, ob das Paar sich tatsächlich ewig binden möchte. Es sollte nie wieder dazu kommen, dass Aktivistinnen der EU-Asylantenlobby an den Brünnlein vor den Toren der Asylantenheime darauf warten, den nächstbesten schwarzhäutigen Scheinasylanten in eine Scheinaufenthaltsehe zu bringen. Asylbetrug ist das neue politische Schlachtwort, denn Wirtschaftsflüchtlinge, Scheinasylanten und deren Konsorten belasten das Gemüt des tu felix Austria allzusehr.

Südtirol wurde nach dem ersten Weltkrieg mit fragwürdigen Verträgen von Österreich abgetrennt. Die Siegermächte zogen willkürlich eine Grenze über den Brennerpass und zahlreiche Tiroler – plötzlich Südtiroler genannt – flüchteten in den darauffolgenden Jahren nach Nordtirol.

Mit der EU und zahlreichen internationalen Abkommen verlor diese Grenze jedoch ihren geschichtsträchtigen Charakter der brutalen Zerrissenheit Europas, weshalb sich nun Österreich aktiv darum bemüht, dass das alte Gefühl des Unrechts zumindest ein stückweit wiederhergestellt wird.

Die österreichische Bundesregierung plant nun am Brenner einen Grenzzaun zu bauen und nimmt sich dabei Ungarn als Beispiel, da das östliche Nachbarland die Flüchtlingskrise mit Zäunen so bravourös gemeistert hatte.

Es soll ein glückliches Österreich sein, das keinen Gedanken über das entbehrliche Schicksal der Hilfsbedürftigen verschwenden sollte. Ganz nach Franz Grillparzers „König Ottokars Glück und Ende“:

Drum ist der Österreicher froh und frank, trägt seinen Fehl, trägt offen seine Freuden, beneidet nicht, lässt lieber sich beneiden! Und was er tut, ist frohen Muts getan. ‘s möglich, dass in Sachsen und beim Rhein es Leute gibt, die mehr in Büchern lasen.

Letzteres stimmt nicht mehr so ganz, denn statt Sachsen und am Rhein sollte man eher die Stadt Berlin anführen, aber was soll’s. Um den Text für unsere heutige Zeit greifbarer zu machen, erlaubte ich mir diesen hermeneutisch zu bearbeiten:

Froh und frank trägt der Österreicher seinen Fehl,
denkt nicht darüber nach zur Gänze,
was bedeutet eine Flüchtlingsobergrenze –
und verwehret sich der Wahrheit, die da lautet: Schießbefehl!

Gott bewahre Österreich! Wir schießen doch nicht auf Asylwerber. Nein! Wir wollen nur ein Signal in die Welt aussenden: „Wir schaffen das nicht, wir sind zu schwach.“ Und wenn die selbsternannten Gutmenschen und Beschwichtiger ihre moralische Keule schwingen: „Die Österreicher wünschen sich einen starken Mann an der Spitze“, so muss darauf hingewiesen werden, dass selbst die Bundesregierung einen starken Mann an der Spitze braucht.

Momentan verweilt dieser Gesuchte in Ankara, in seinem atombombensicheren Sultanspalast. Klappt der geplante Deal mit dem Sultan, so werden die Asylbetrüger an der türkisch-syrischen Grenze verweilen müssen und die paar Millionen Mann starke Scheinasylantenräuberbande kann nicht mehr in das gelobte Land Europa kommen, weshalb „bei uns“ in Europa auch kein Schießbefehl nötig sein wird. Diesbezüglich sollte die AfD ihre Argumentation nochmals überdenken, „darüber schlafen“, wie man in Österreich sagt.

Und sollten die Kirchen abermals lautstark protestieren und behaupten: „Der christliche Glaube kennt keine Flüchtlingsobergrenze!“, so verweisen wir Österreicher darauf, dass die Familie Jesu zwar nach Ägyptenland geflohen sein mag, aber sie ist dann – nach dem Dahinscheiden ihres Verfolgers – wieder nach Palästina zurückgekommen ist, um das Heimatland neu aufzubauen. Dass Jesus Tischler gewesen ist mag ja nicht von ungefähr kommen.

An diesem Mann soll man sich ein Beispiel nehmen, nicht wir, sondern die Flüchtlinge natürlich! Und im Sinne dieses jesuanischen Patriotismus schreibe ich – nach Paul Watzlawick – eine Anleitung zum Glücklich-Sein: „Du glückliches Österreich sollst Zäune bauen!“

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