Moment mal: Es reicht für alle (Mt 14, 13.21) Hoffnung! – 7 Wochen ohne Enge
Foto: Jhayne (CC BY-NC-SA 2.0) , bearbeitet von Daniel Fetzer

Jesus bräuchte mal wieder Ruhe. Besonders jetzt, als er von Johannes’ Tod hört. Aber dieses Volk mit seiner Hilfsbedürftigkeit, es läuft ihm hinterher. Also macht er, was er immer tut – er heilt, er hilft. Schwer beschäftigt verliert der unverbesserliche Idealist das Gefühl für die Zeit.

Die Jünger lassen sich von seinem Enthusiasmus nicht anstecken. Skeptisch blicken sie auf die sinkende Sonne und die nicht kleiner werdende Menschenmenge. Wo sind wir hier überhaupt? „Die Gegend ist öde und die Nacht bricht herein“. So siehts nämlich aus!

Sorgenfalten liegen auf der Stirn, die buschigen Augenbrauen der Ex-Fischer kräuseln sich. Vielleicht sorgt sich die Jüngerschaft tatsächlich um das Wohlergehen des versammelten Volkes. Oder doch davor, dass Unruhe entsteht, Unordnung sich ausbreitet, wenn die Hungrigen ihren Hunger bemerken? Oder beschleicht sie der Verdacht, am Ende doch wieder selbst ran zu müssen?

Jedenfalls treten sie so sanft wie möglich an ihren Meister heran, beschreiben die trostlose Lage und stellen eine Forderung: „Lass das Volk gehen, damit sie in die Dörfer gehen und sich zu essen kaufen“, wir sind hier nicht verantwortlich.  Aber da haben sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der sagt: „Es ist nicht nötig, dass sie fortgehen, gebt ihr ihnen zu essen.“ Wir schaffen das.

So schnell geben die Jünger nicht auf. Es geht jetzt um den Feierabend. Endlich in Ruhe die mitgebrachten Fisch-Brötchen verdrücken, mal wieder eine Nacht durchschlafen. Also weisen sie – wieder mit gemeinsamer Stimme – Jesus darauf hin, längst ihre Belastungsgrenze erreicht zu haben, man könne ja nicht allen helfen, reicht ja kaum für uns: „Wir haben hier nichts als fünf Brote und zwei Fische.

Aber Jesus, der begreift es einfach nicht. Nimmt die wenigen Brote, und statt die Lächerlichkeit seines Unterfangens einzusehen, blickt er kurz zum Himmel und dankt. Für die fünf Brötchen? Die Jünger sind noch zu verblüfft, als er ihnen die Brote in die Hand drückt. Erst, als sie sehen, wie sich die vielen Leute erwartungsvoll setzen, begreifen sie. Damit sollen sie der Menge entgegentreten?

Mit Watte auf Panzer schießen. Mit dem Papierschiff über den Atlantik schippern. Unmöglich.

Es fällt kein Manna vom Himmel, es kommen keine Raben mit Brot und Fleisch. Trotzdem: „Und sie aßen alle und wurden satt“. Wunderbar.

Hoffnung, dass es für alle reicht

Jetzt kann man fragen: Wie hat das funktioniert? Waren das wirklich mehr als 5000 Menschen? Damit zielt man aber gekonnt an der Botschaft dieser Wundererzählung vorbei. Statt technischer Details stellt der Erzähler den Dialog zwischen Jesus und den Jüngern in den Mittelpunkt.

Welten prallen da aufeinander. Wortwörtlich. Menschliches Kalkül begegnet göttlicher Zuversicht. Die Jünger kalkulieren mit scharfem Verstand: fünf Brote, das reicht nicht. Es reicht nicht für alle.

Willkommen im Heute. Viele gibt es, die darauf beharren: Es reicht nicht für alle. Viele, die sich sorgen, ob es für sie selbst reichen wird. Schlimm sind die, die nicht einmal wollen, dass es für alle reicht.

Auch ich frage mich, ob es reicht: die Ausdauer derer, die sich gegen Scharfmacherei stellen? Die Kraft jener, die versuchen, Menschen in Not zu versorgen, satt zu machen?

Jesus beantwortet diese Fragen nicht. Er redet nicht viel, aber er sagt: Nehmt, was ihr habt, tut, was ihr könnt. „Und sie aßen alle und wurden satt“. Hoffnung ist da, dass es für alle reicht.

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