Über Gütesiegel und KiTa-Plätze Wie familienfreundlich sind unsere Hochschulen?
Foto: Stephan Sperlich

Auf der Vollversammlung des Studierendenrates Evangelische Theologie (SETh) vom 29.–31. Januar in Marburg sprach ich mit Dominique Meichsner. Dominique studiert seit 2009 evangelische Theologie in Leipzig, arbeitet neben ihrem Studium als Baby-Trageberaterin und engagiert sich als Konventssprecherin für die Studierenden ihrer Landeskirche.


Dominique, Du bist dieses Wochenende als Abgeordnete vom Konvent Sachsen zum SETh nach Marburg gekommen. Du hast zwei kleine Kinder (zwei und dreieinhalb Jahre alt), wo sind deine Kinder jetzt?

Meine Kinder sind zu Hause und mein Mann passt alleine auf sie auf, so kann ich das ganze Wochenende in Marburg sein.

Die Vollversammlung des SETh steht dieses Wochenende unter dem Motto „Familienfreundliche Hochschule“. Du hast dich in einer Arbeitsgruppe näher mit dem Thema befasst. Was waren eure Ergebnisse?

Wir haben in der Arbeitsgruppe einen Kriterienkatalog erstellt, der darstellen soll, was eine Hochschule bieten kann, um ihre Familienfreundlichkeit zu steigern. Zu diesen Kriterien gehören ein Beratungs- und Informationsangebot, Barrierefreiheit der Räumlichkeiten, die Einrichtung und Ausstattung von Ruhe- und Wickelräumen, ein besonderes Angebot für Kinder in der Mensa, die kostenfreie Mitnahme von Kindern mit dem Semesterticket und ganz besonders ein angepasstes Lehrangebot für Studierende mit Kind, das Prüfungen und Modullaufzeiten regelt.

Viele dieser Punkte griff der Kanzler der Philipps-Universität Marburg, Dr. Friedrich Nonne, in seinem Gastvortrag auf der Vollversammlung des SETh auf. Er betonte das materielle Interesse, das Hochschulen neben den gesellschaftlichen Argumenten dazu motiviert, ihre Familienfreundlichkeit zu steigern. Durch gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Studium erhöhe die Hochschule ihre Attraktivität als Arbeitgeber und als Studienstandort. Ein Gütesiegel „Familienfreundliche Hochschule“ könne somit ausschlaggebend für die Auswahl der Universität sein. Herr Nonne meinte aber auch, dass es für Studierende de facto nicht so wichtig bei der Wahl der Hochschule sei, ob diese sich für ein familienfreundliches Klima einsetze. Du studierst an der Universität Leipzig. Hast Du bei der Wahl der Hochschule darauf geachtet?

Die Familienfreundlichkeit der Universität war zwar nicht ausschlaggebend bei der Studienortwahl, aber definitiv ein Kriterium. Ein Gütesiegel, wie es beispielsweise die Philipps-Universität Marburg hat, besagt allerdings auch nur, dass es an der Hochschule ein gewisses Grundkontingent an Angeboten gibt und dass die Hochschule die Absicht hat, sich für ein familienfreundliches Klima einzusetzen. Klare Aussagen über die Qualität werden so nicht getroffen.

Leipzig beschreibt sich zum Beispiel selbst als „familienfreundliche Universitätsstadt“. Das heißt aber noch nicht, dass auch alle Angebote ausreichend vorhanden sind. Der Kinderladen der Universität betreut Kinder nur stundenweise in der Woche auf ein Semester begrenzt und man muss sehr schnell sein um einen Platz zu bekommen. Auf eine Rückmeldung vom Unikindergarten warte ich seit drei Jahren. Aber Kinderbetreuung ist in Leipzig ein flächendeckendes Problem.

Wie gehst Du mit den Steinen um, die dir als Studierende mit Kindern in den Weg gelegt werden?

Es ist viel Einfallsreichtum gefragt und bei einigen Dingen kann man auch tricksen. Vieles geht mit guten Beziehungen und Kontakten.

Am Anfang habe ich die Kleinen auch mit in die Uni genommen. Sie haben viel geschlafen und in den Veranstaltungen nicht gestört. Ich hatte sie abwechselnd im Kinderwagen und im Tragetuch, je nachdem was besser geeignet war.

Es ist wichtig, sich mit anderen Eltern auszutauschen. In Leipzig gibt es unter den Theologiestudierenden verhältnismäßig viele mit Nachwuchs. Für unsere Diskussionen, Fragen und mehr haben wir eine eigene Facebook-Gruppe rund um die ganz kleinen Nachwuchstheologen.

Manchmal muss man sehr hartnäckig sein und auch mal nerven, um das zu bekommen, was man möchte. Bei anderen Dingen sind wir aber auch an Grenzen gestoßen. Bei der Praktikumsvergabe wurde mir zum Beispiel eine ziemlich weit entfernte Praktikumsgemeinde vorgeschlagen.

Im Austausch mit Studierenden aus anderen Landeskirchen und von anderen Universitäten gab es sehr unterschiedliche Rückmeldungen. Es wird nicht überall gerne gesehen, wenn Studierende ihre Kinder mit in Veranstaltungen nehmen, nicht jede Hochschule hat ihren eigenen Kindergarten und oft wird bei Veranstaltungszeiten, Prüfungen und Exkursionen keine Rücksicht auf Studierende mit Kind genommen.

Ich glaube, wir stecken noch mitten in der Entwicklung. Immerhin ist Familienfreundlichkeit an vielen Hochschulen ein Thema, auch wenn die Umsetzung manchmal ein bisschen unglücklich ist. Für Leipzig würde ich mir zum Beispiel wünschen, dass der Eltern-Kind-Raum, den es gibt, so ausgestattet wird, dass man dort auch ordentlich sitzen oder wickeln kann. Und die Lautsprecherübertragung aus der Vorlesung in den Raum funktioniert leider auch nicht so richtig. Aber das sind Ansätze an denen gearbeitet wird. Ich finde es gut, dass sich auch der SETh mit Familienfreundlichkeit der Hochschulen auseinandersetzt und für die Problemstellungen sensibilisiert und ich erhoffe mir davon auch eine größere Aufmerksamkeit für das Thema in den Basen des SETh, den Fachschaften und Landeskonventen.

Studieren mit Kind ist nicht unmöglich, manchmal vielleicht umständlich, viele Hochschulen arbeiten aber daran, Angebote und Möglichkeiten zu schaffen, die das Studieren mit Kind vereinfachen. Für die Eltern ist es wichtig und oft notwendig, kreative Lösungen zu finden und sich mit anderen auszutauschen. Der SETh kann hier als Studierendenvertretung Anlaufstelle bei Fragen rund um das Thema „familienfreundliche Hochschule“ sein und setzt sich weiterhin dafür ein, dass Hochschulen noch familienfreundlicher werden.

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Ein Kommentar

  1. Ein Gütesiegel wäre zwar durchaus reizvoll, doch meistens ist es ja so, dass Studierende mit Kind(ern) ortsgebunden sind (Kita-Platz, Schulplatz, Oma, Opa, etc.) und nicht einfach ein paar Städte weiter weg studieren können, nur weil dort eine Uni so ein Siegel hat ;)
    Und wenn man (noch) kinderlos ist, dann wissen die wenigsten: Yeah, ich will unbedingt noch im Studium Kinder bekommen, also studiere ich an einer Uni mit Kinderfreundlichkeits-Gütesiegel ;)
    Ich studiere mit einem Schulkind und einem Kleinkind und war bereits Mutter, als ich mein Studium begann (allerdings hatte ich damals nur ein Kind ;) ). Ich war daher ortsgebunden und muss nun mit dem Vorlieb nehmen, was ich angeboten bekomme hier in der Uni in meiner Stadt. Leider sind das oft Module und Klausuren um 18 Uhr… Aber ich hab zum Glück einen (studierenden) Partner :)

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