Moment mal: Gute Vorsätze
Foto: Chriss (CC-BY 2.0)

Es ist zu meinen Lebzeiten noch nie so einfach gewesen Kirche zu sein wie jetzt. Dafür darf man nach diesem turbulenten Jahr 2015 auch mal dankbar sein. Wie bei vielen Menschen hat das vergangene Jahr bei mir einen schalen Geschmack hinterlassen, weil die Sorgen um Frieden, um das weitere Zusammenwachsen Europas und vor allem um das Schicksal der Flüchtlinge in unserem Land doch überwältigend wurden.

Und diese Probleme verschwinden ebenso wenig wie der Kater eines Neujahrstages sich anders anfühlen würde als der aus dem letzten Jahr. Die Frage, welche Themen uns im Jahr 2016 wohl beschäftigen werden, ist einfach zu beantworten: es werden die gleichen Themen sein, die uns auch in den letzten Monaten beschäftigt haben. Einzig unser Blick auf die Probleme wird sich wohl – und hat sich doch auch schon? – ändern.

Veränderter Blick

Ein paar Beispiele dieses veränderten Blicks, der uns gut tun würde:

Statt auf rechtsextreme Provokateure anzuspringen und ihnen die gewünschte Aufmerksamkeit auf dem Silbertablett zu servieren, gehören unser Blick und unsere helfende Hand den Flüchtlingen und ihren Helfern vor Ort.

Statt die Gewaltexzesse gegen Flüchtlinge schweigend zu beobachten, reden und schreiben wir darüber. Wir schimpfen so lange, bis der deutsche Rechtsstaat seiner Aufgabe nachkommt, die Schuldigen zu bestrafen.

Statt der Diskussion um das christliche Abendland widmen wir unsere Zeit den Neugierigen, den Ankommenden und Suchenden egal welcher Nationalität. Was christlich ist, erweist sich in der Tat.

Statt Kriegspropaganda auf den Leim zu gehen und (Nicht-)Beschlüsse unseres Parlaments schulterzuckend zur Kenntnis zu nehmen, informieren wir uns gründlich und gehen unseren Politikern – besonders den Christen unter ihnen – auf die Nerven mit unseren Anfragen und Einsprüchen.

Statt in apokalyptische Bocksgesänge einzustimmen, die in jeder Krisenzeit Konjunktur haben, halten wir am Morgen fest. Das Morgen sieht anders aus als das Heute oder Gestern, es zu gestalten, ist unsere Aufgabe.

Statt uns in jede Empörungswelle zu werfen oder jeden Shitstorm anzuheizen, halten wir uns in den Sozialen Medien an Epheser 4,29: „Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören.“

Gute Vorsätze

Wir haben die Eigenart, gute Vorsätze schnell zu vergessen. Vielleicht liegt das auch daran, dass die wenigsten von ihnen in der Tiefe gründen, sondern sich doch letzten Endes um uns selbst drehen. Doch nie in den letzten zwanzig Jahren war es so einfach Kirche zu sein wie jetzt. Es liegt uns in der Tat alles zu Füßen.

„Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Weiter, liebe Brüder: Was wahrhaftig ist, was ehrbar, was gerecht, was rein, was liebenswert, was einen guten Ruf hat, sei es eine Tugend, sei es ein Lob – darauf seid bedacht! Was ihr gelernt und empfangen und gehört und gesehen habt an mir, das tut; so wird der Gott des Friedens mit euch sein.“ (Brief an die Gemeinde in Philippi, Kap. 4 V. 5-9)

 

 

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