Christi Leib, für dich verpackt?
,,communion cups" von klndonnelly - CC BY 2.0

Vor einer Weile stieß ich im Internet auf einer recht bekannten Seite auf ein Bild: Ein Foto einer abgepackten, „mundgerechten“ Abendmahlsportion; ein kleines Stück Brot, ein Schluck Wein oder Saft (wie ich vermute).

Es hatte also tatsächlich jemand den Einfall, das Abendmahl einfach abzupacken. Brot kleinschneiden, Schluck Saft dazu, in Plastik einschweißen. Super Geschäftsidee. Hat ja sicher durchaus seine Vorteile: Man spart sich die mühselige Schneidarbeit, keine krümelnde Hostie mehr, und Abendmahlskelch spülen gehört damit auch der Vergangenheit an. Wen interessiert da schon der Plastikmüll?
Damit sind meiner Meinung nach die Vorteile aber auch schon aufgezählt:

Der Gemeinschaftsaspekt

Was ist nach Zwingli eine der wichtigsten Funktionen des protestantischen Abendmahls? Es ist ein Gemeinschaftsakt. Die Gemeinde kommt zusammen, wie damals die Jünger um Jesus beim letzten Abendmahl zusammengekommen sind. Man steht zusammen, isst zusammen, trinkt aus einem Kelch zusammen. Es ist ein Moment des sich Besinnens, dass man dazugehört, von Gott angenommen und Teil der Gemeinde ist.
Würde dieses Besinnen nicht ziemlich darunter leiden, wenn jeder, anstatt den Kelch zu erhalten, einfach die Packung „seines“ Abendmahls aufreißt, sein Brot isst und seinen Saft trinkt? Kein „Christi Leib, für dich gegeben“, und „Nehmet hin und trinket alle daraus“ wird dann wohl eher zu „Reißet die Folie auf und trinket alle“. Jeder raschelt an seiner Verpackung, jeder handelt für sich, aber danach geht vielleicht ein Kirchendiener mit einem großen Müllsack herum, damit jeder sein Plastik da reinwerfen kann.

Der Bekenntnisaspekt

Ein weiterer Punkt, der beim protestantischen Abendmahl von Bedeutung ist: Man bekennt sich zu Gott. Man bekennt sich zu Christus. Zur Liebe und zum Geliebt werden. Ein Kommentator des Bildes, iPim, meinte dazu: „because your love and devotion to jesus is made in a factory and will be available in stores near you soon“.
Ob es jetzt für den Menschen persönlich wirklich Leib und Blut Christi oder  nur Brot und Wein ist: Es in Plastik abzupacken ist eine unglaubliche Banalisierung. Es handelt sich beim Abendmahl um ein Sakrament. Einer der wichtigsten Aspekte jeder Konfession. Und dann soll man sich mithilfe von etwas bekennen, dass man für 2,99 Euro im Supermarkt erworben hat?
Natürlich müssen die „klassischen“ Dinge auch eingekauft werden. Aber es macht doch einen Unterschied, ob ich mein Stück Brot aus einer Verpackung hole, oder ob sich vorher jemand die Mühe gemacht hat, es auf einer Platte anzurichten. Ob ich aus meinem Plastik trinke oder mit der Gemeinde aus einem Kelch. Es geht darum, die Dinge zu würdigen, das Bekenntnis zu würdigen. Da sind die klassischen Formalitäten schon angebracht.

Der Aspekt der Präsenz Christi

Ich für meinen Teil komme (wie sicher schon durchgeklungen ist) aus einer unierten Gemeinde. Ich glaube höchstens an eine Spiritualpräsenz Christi beim Abendmahl.
Aber, wie bereits oben angesprochen, für viele Menschen ist beim Abendmahl eine Realpräsenz Christi vorhanden, beispielsweise bei den katholischen Christen, die an die Transsubstantiation, also die Wandlung des Brotes und Weines zu Leib und Blut Christi unter Beibehalten der Gestalt, glauben.
Diese Wandlung allein ist schon ein Ritual für sich: Die Oblate wird gebrochen, es wird gebetet, ein Glöckchen klingelt. Es ist ein Prozess, der wahrscheinlich sehr ergreifend ist.
Wie soll dieser Prozess denn nun angemessen ablaufen? Soll der Priester ein Kreuz über einer Palette abgepackter Abendmahls – Ingredenzien schlagen und diese danach austeilen? Und wenn die Gemeinde keinen Laienkelch reicht, soll er dann vorher jedes einzelne austrinken?
Und vor allem – was ist das wohl für ein Gefühl, seinen Erlöser in Plastik verpackt in der Hand zu halten?

Ich selbst habe bisher das Glück gehabt, so etwas nur im Internet gesehen zu haben, im Real Life bin ich bisher davon verschont geblieben.
Und das ist auch gut so. Ich bin immer für Neues offen, aber was zu weit geht, geht zu weit. Es gibt Dinge, die man heute noch genauso würdigen sollte wie vor 400–500 Jahren, Dinge, die man nicht so banalisieren und vermarkten sollte. Oder, wie  9Gag-User dawg_ es treffend formuliert: ,“This is wrong on so many levels. The Eucharist represents the Body of Christ and doing this is a direct insult to christianity whether you are a catholic or a protestant. No church should even consider treating the body and blood of Christ with such disrespect.“

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